Traditionshändler schließen, der Leerstand an der Einkaufsstraße nimmt zu: Möhringens Handel ist unter Druck. Das könnte man ändern, meint Daniel Gräfe.
Innerhalb kurzer Zeit haben an Möhringens Haupteinkaufsstraße, der Filderbahnstraße, drei Traditionshändler geschlossen. Es ist ein lautes Warnsignal, zumal es entlang der Straße noch mehr Leerstand gibt. Jener am ehemaligen Modehaus Gessler zeigt, dass eine Nachfolge alles andere als sicher ist.
Dass die Läden so lange leer stehen, verdeutlicht den Strukturwandel im Handel. Neben der mauen Konsumlaune macht vor allem der Einkauf im Internet den Händlern vor Ort zu schaffen. Und dennoch sind die Leerstände durchaus überraschend, denn die Ausgangslage des Stadtteils ist gut.
Die Bevölkerungszahl ist in den vergangenen Jahren gewachsen, viele Wohnungen sind neu entstanden – gerade bei Familien ist Möhringen beliebt. Mit dem benachbarten Vaihingen bietet man Stuttgarts größtes Gewerbegebiet – die Zahl der Arbeitsplätze entspricht ungefähr der Zahl von Möhringens Einwohnern. Überdies ist der Stadtbezirk mit seinen neun Stadtteilen verkehrsgünstig gelegen und bietet dennoch viel Grün. In vielen Teilen ist der Charakter nahezu idyllisch. Die Leute kommen zum Arbeiten und zum Wohnen. Weshalb sollten sie auch nicht häufiger einkaufen gehen?
Vor Ort einzukaufen, muss man aber auch wollen. Warum Bücher im Internet bestellen, wenn es noch eine Buchhandlung gibt? Wer einen stimmungsvollen Einkaufsbummel oder lebendige Stadtteile erleben möchte, muss auch sein Shopping-Verhalten überdenken. In der Coronapandemie waren Möhringer Händler mehr als ihre Kollegen in der Stuttgarter City gefragt: Die Wege zu ihnen waren sicher und kurz und der Lieferservice vor allem für Stammkunden hoch. Das scheint längst vergessen.
Das Potenzial Möhringens ist größer, als dass es der Handel widerspiegelt. Das schließt Händler wie Kunden ein. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Wird es nicht genutzt, könnten weitere Leerstände folgen.