Die Konkurrenz hat einem alteingesessenen Schreibwarenladen in Freiberg am Neckar (Kreis Ludwigsburg) zu sehr zugesetzt. Nach mehr als vier Jahrzehnten ist Schluss.
Es ist das Ende einer Institution: Nach mehr als vier Jahrzehnten schließt das Freiberger Schreibwarengeschäft, das zuletzt unter „Lizzies Laden“ firmierte, für immer seine Tore. Vor vier Jahren erst übernahmen Lizzie und Harald Schönbrodt das zuvor 37 Jahre als „Buchhandlung Riedel“ bekannte Geschäft. Das Ende war aber wohl unvermeidlich.
„Die Margen werden immer geringer“, sagt Harald Schönbrodt. Der Architekt kann sich selbst noch an seine Jugend erinnern, als er im Laden einkaufte. Später verliebte sich der heute 56-Jährige in die Britin Lizzie aus Nottingham. Nach zwölf gemeinsamen Jahren in London zogen sie in seine Heimat zurück.
2020 fand Lizzie bei Riedels eine Anstellung – und als die zwei Jahre später, noch während der Pandemie, den Laden aus Altersgründen aufgaben, übernahmen ihn die Schönbrodts. Dabei ist der Name Programm: Lizzie betreibt den Laden, ist jeden Tag vor Ort und verkauft, unterstützt von drei Mitarbeiterinnen, Zeitschriften, Bücher, Schreibwaren, Dekoartikel und Produkte aus der Region.
„Freunde sagen, dass so ein Laden schon immer ihr Traum war“, sagt Harald Schönbrodt. Seine Frau ist da ein wenig zurückhaltender und lässt vielleicht die Trauer über das Aus noch nicht so recht zu. Die Britin empfängt auch dieser Tage beim Räumungsverkauf jeden Kunden noch mit einem Lächeln. Dabei setzt dem Ehepaar das Aus schon zu. „Momentan laufen wir noch im Autopilot. Das Loch wird erst im Februar kommen“, sagt der 56-Jährige.
Lizzies Pläne nach der Schließung
Was danach kommt, wissen sie noch nicht. „Ich bin immer offen für Neues“, sagt die 52-Jährige. Die Erfahrung mit dem Laden hat ihr keineswegs die Lust auf die Selbstständigkeit genommen. „Es gab so viele schöne Begegnungen, meine Mitarbeiterinnen sind so toll“, sagt Lizzie Schönbrodt. Sie erinnert sich gerne an die Stammkunden, Lesungen oder andere Aktionen im Laden.
„Momentan laufen wir noch im Autopilot. Das Loch wird erst im Februar kommen.“
Harald Schönbrodt, Inhaber
„Richtig toll war es immer, wenn viele Kinder im Laden waren. Das liebe ich“, sagt die Britin. Tatsächlich hat sie in den vier Jahren viel versucht, um dem allgemeinen Trend entgegenzuwirken und den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Aber letztlich war vor allem das Kerngeschäft mit Schreibwaren für Schüler nicht mehr rentabel genug. „Rossmann und Edeka bieten auch Schreibwaren an und zum Schulbeginn wurde die Nachfrage deswegen bei uns in den letzten Jahren immer weniger“, sagt Harald Schönbrodt.
Schnäppchenjäger beim Abverkauf
Verbitterung verspüren die beiden nicht. So sei das eben in einer Marktwirtschaft. Seit der Abverkauf begonnen hat, verirrten sich allerdings immer mehr Menschen in den Laden, die vorher fernblieben – oft in der Hoffnung, ein Schnäppchen zu machen. „Wären die mal vorher alle gekommen“, sagt Lizzie Schönbrodt und lacht.
Vor allem für die Stammkunden und ihre Mitarbeiterinnen tue es ihr leid, dass der Laden Ende Januar endgültig schließt. Sie bereut aber ihren Einsatz nicht: „Ich habe alles gegeben“, sagt die Ladeninhaberin. Was hätte anders laufen müssen? Das sei schwer zu sagen. Vielleicht hätte eine geringere Miete geholfen, aber auch dann sei die wirtschaftliche Entwicklung kaum aufzuhalten gewesen.
„Die Leute müssen einfach erkennen, dass sie einen Mehrwert haben, auch wenn mal etwas zehn Cent mehr kostet“, sagt Harald Schönbrodt. Ob Freiberg, Ludwigsburg, Besigheim oder Kornwestheim – überall in der Region haben in letzter Zeit ähnliche Läden für immer geschlossen. Und mit ihnen häufig ein Stück Heimat.