Wer in Baden-Württemberg sein E-Auto laden will, trifft auf riesige Lücken im Netz. Auch in Stuttgart soll es mehr Schnellladestationen geben. Foto: dpa

In den nächsten Jahren werden deutlich mehr Elektrofahrzeuge auf der Straße erwartet. Um sie laden zu könne muss die Infrastruktur ausgebaut werden. Schritt für Schritt geht es nun voran.

Stuttgart - In Stuttgart und der Region, aber auch in ganz Baden-Württemberg sollen in großer Zahl neue Ladesäulen für E-Autos aufgestellt werden. Die Region erstellt dafür einen Masterplan für Leistungen größer 50 Kilowatt. Allein 30 Schnelllader soll es im Stadtgebiet Stuttgart geben, bisher finden E-Auto-Fahrer lediglich drei: am Gaskessel im Stuttgarter Osten, vor dem EnBW-Bürohochhaus auf dem Fasanenhof und vor dem Landtag in der Innenstadt. Die weiteren Standorte wird vermutlich die Stadt festlegen. Dazu braucht es den Netzbetreiber EnBW.

Stadt stellt kostenlose Parkplätze

Für die Normallader bis 22 Kilowatt gebe es keine Zielzahl und auch keine Standortentscheidung, sagt Michael Hagel von der Koordinierungsstelle Elektromobilität im Büro von OB Fritz Kuhn. Bisher kann die Stadt 205 öffentliche Ladestationen mit 371 Ladepunkten (Steckdosen) vorweisen, die aus einem Modellprojekt mit der EnBW stammen, das noch bis zum Jahr 2020 läuft. Es gibt weitere 30 öffentlich nutzbare Ladepunkte, die sich über diverse Apps finden lassen. Die Kfz-Innung will das Durcheinander ordnen und in einem von der Stadt bezuschussten Projekt alle Angebote auf einer neuen Internetseite bündeln.

Um vereinzelte Anfragen von Energieversorgern zu bedienen, soll der Gemeinderat laut Hagel im ersten Halbjahr über ein geregeltes Verfahren befinden, das neue Standorte zulässt. Ausgeschrieben werden sie nicht. Die Stadt will die Flächen kostenlos zur Verfügung stellen, aber keine Förderung zahlen. Der Gestattungsvertrag soll 6 bis 15 Jahre laufen. Um die Standorte zu streuen, sind Modelle mit Mindestabständen oder einem Mindestradius im Gespräch, die Entfernungen in der City und den Außenbezirken können differieren.

Das Stromnetz zeigt Schwächen

Grundvoraussetzung für die Stromsäulen ist ein leistungsfähiges Netz. Daran hapert es in der Landeshauptstadt zum Beispiel im Stuttgarter Westen, aber nicht nur dort. In neuen Quartieren wie dem Neckarpark in Bad Cannstatt, wo in einem großen Parkhaus bis zu 20 Prozent aller Stellplätze mit einem E-Anschluss versorgt werden sollen, und in den Neubaugebieten Lan­genäcker/Wiesert in Stammheim, im Olga- (West) und Schoch-Areal (Feuerbach) sollen daher gleich leistungsstärkere Kabel gezogen werden.

Die großen Autobauer versprechen geradezu eine Flut neuer Elektroauto-Modelle. Im Jahr 2019 soll es losgehen. Auf diese Weise will man den Nimbus des US-Herstellers Tesla brechen, der dann sein Model 3 nach Europa bringen könnte. Damit die E-Mobilität in die Gänge kommt, muss aber die löchrige Ladeinfrastruktur verbessert werden.

Das Land geht dabei einen anderen Weg als die Landeshauptstadt. Ende 2017 schrieb das Verkehrsministerium die flächendeckende Versorgung aus. Wobei „flächendeckend“ ein dehnbarer Begriff ist. Die Experten legen zwei Raster mit Quadraten von zehn auf zehn und 20 auf 20 Kilometer Maschenweite über das Land. Das engere Netz soll pro Feld je eine Ladesäule mit bis zu 22 Kilowatt (kW) Leistung bieten, das gröbere je eine Gleichstrom-Ladesäule (wie sie heute an den Autobahnen stehen) mit in der Regel 50 kW Leistung vorhalten. 41 der 42 Tank- und Rastplätze in Baden-Württemberg sind laut dem gleichnamigen Bonner Unternehmen verkabelt.

Die Säulen sollen bis März 2019 stehen

„Der Aufbau von Infrastruktur ist in der Phase des Markthochlaufs betriebswirtschaftlich ganz überwiegend nicht darstellbar“, so das Ministerium. Daher soll es Zuschüsse geben. Als Lückenfüller sind nach Landesrechnung 270 Normal- und 77 Schnellladesäulen nötig. Die Beihilfe fließt dabei nur, wenn sie zwischen März 2019 und mindestens bis 2025 stehen.

Anders als bei der Ausschreibung für den Regionalverkehr auf der Schiene hat das Land für die Ladesäulen keine separaten Pakete geschnürt. Diese Art von Wettbewerb sei in diesem Fall „nicht zielführend“, teilt das Ministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Man erwarte bei einem Ladesäulen-Konsortium für das ganze Land einen geringeren Förderbedarf als bei der Aufspaltung in mehrere Teilgebiete. Summen für die „Anschubfinanzierung“ will das Haus von Minister Winfried Hermann (Grüne) nicht nennen. Die Größenordnung der Investitionsspritze lässt sich aber schätzen. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) erhielt nach eigener Aussage für 34 Schnellladestandorte an der Autobahn 4,2 Millionen Euro Fördergeld vom Land. In diesem Jahr will die EnBW beginnen, diese Standorte auf 150 Kilowatt aufzurüsten – es gibt aber noch keine Autos, die das verkraften.

Über den neuen Fördertopf ist die EnBW im Bilde. Zehn Millionen Euro seien für die nächsten Jahre vorgesehen. Mit dem Ladestrom verdiene man aber kein Geld, betont ein EnBW-Sprecher.

Land gibt Anschubfinanzierung

Am Netzausbau hat der Konzern großes Interesse. Es geht darum, sein Territorium auf einem Zukunftsfeld abzustecken. Man unterstütze das Land bei seinem Plan, das erste Bundesland mit einer flächendeckenden Infrastruktur zu werden. Man übernehme gerne „eine tragende Rolle“, wolle „mit kommunalen Partnern ein schlagkräftiges Konsortium bilden“, heißt es.

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