Zwischen 1000 und 1200 Lackierroboter liefert Dürr derzeit pro Jahr aus. Foto: Dürr

Individualisierung liegt im Trend. Das gilt auch für Autos. Hersteller haben einen Katalog für Sonderwünsche, auch für Farben. Dank neuartigem Roboter dürften sie erschwinglicher werden.

Bietigheim-Bissingen - Grau, schwarz oder weiß – das sind die Trendfarben, die deutsche Autokäufer bevorzugen. 75 Prozent der Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in diesen eher unspektakulären Lackierungen ausgeliefert, hat der Branchenverband VDA ermittelt. Wenn man Experten glauben darf, gibt es aber noch einen zweiten Trend in der Farbenlehre der Autoindustrie: die Zweifarbigkeit.

Durch die farbliche Absetzung einzelner Komponenten wird das Auto noch individueller, heißt es beim Chemiekonzern BASF, einer der wichtigen Farblieferanten für die Autoindustrie. Dem Käufer biete sich damit ein noch größerer Gestaltungsspielraum. Beliebt seien Kontrastdächer – wobei das Auto etwa weiß und nur das Dach schwarz lackiert ist.

Vor allem Käufer von Kleinwagen sind da experimentierfreudig. Der Mini Cooper von BMW beispielsweise gehört dazu. Auch die VW-Tochter Skoda, die PSA-Tocher Opel und Smart setzen auf diesen Trend. Seit knapp einem Jahr hat Daimler auch den Maybach komplett zweifarbig im Angebot – die Farbgrenze verläuft dabei etwa auf Höhe des Türschlosses; oben und unten sind unterschiedliche Farben.

Schon der VW Käfer war mehrfarbig

Neu ist das Thema nicht. Schon in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts boten die Autobauer diese Option an, zum Beispiel beim Opel Rekord mit einem andersfarbigen Dach oder beim VW Käfer mit andersfarbigen Türen. Doch dieser Spaß war in der Produktion recht aufwendig, was sich im Preis niederschlug. Aufwendig war die Fertigung deswegen, weil die Autos zweimal den kompletten Lackierprozess durchlaufen mussten. Zunächst wurden sie durchgehend in der Grundfarbe lackiert. Anschließend wurden die Stellen, die keinen andersfarbigen Lack erhalten sollten, mit Folie abgeklebt – und zwar von Hand. „Zwei bis drei Mitarbeiter mussten das Auto abkleben“, sagt Frank Herre, der als Entwicklungsleiter Applikationstechnik für die Dürr-Lackiertechnik zuständig ist. Dann wurde der Lackiervorgang mit dem zweiten Farbwunsch wiederholt. Dafür wurde das Auto wieder in die Linie aller zu lackierenden Autos eingereiht.

Wenn es nach Dürr geht, soll dies künftig wesentlich effizienter vor sich gehen – und damit preiswerter. Das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen hat einen Lackierroboter entwickelt, der die zweite Farbe so exakt aufträgt, dass ein vorheriges Abkleben nicht mehr nötig ist. Dafür wird die Farbe nicht mehr wie bisher in relativ großem Abstand über dem zu lackierenden Autoteil versprüht – wodurch rund 30 Prozent der Farbe in der Umgebungsluft landen und herausgefiltert werden müssen. Der Roboter schwebt stattdessen künftig im Abstand von 25 bis 35 Millimetern über dem Autoteil. Er versprüht den Lack auch nicht mehr großflächig – wie mit einer Gießkanne –, sondern er zieht immer wieder akkurate Lackstreifen, die exakt fünf Zentimeter breit sind. Einen zweistelligen Millionenbetrag hat Dürr in die Entwicklung dieser neuen Düse gesteckt, sagt Firmenchef Ralf Dieter. Schwarze, weiße und rote Kontrastdächer kann der neue Roboter derzeit lackieren, sagt Herre. Später sollen mehr Farben möglich sein.

Audi testet den Roboter

Seinen ersten Praxistest hat der neue elektronische Kollege derzeit im Audi-Werk in Ingolstadt. Am Audi A5 werde die Technik zunächst erprobt. Im Sommer sei dann mit der Serienproduktion zu rechnen, so Dieter. Eine Anfrage unserer Zeitung ließ die VW-Tochter zunächst unbeantwortet. „Alle Autohersteller sind interessiert an der Technik“, freut sich Dieter über die Resonanz, die den künftigen Absatz von Lackierrobotern in die Höhe treiben könnte. Wann die Produktion des Neuen anläuft, sagte er nicht. Derzeit verkauft Dürr pro Jahr zwischen 1000 und 1200 der bisher üblichen elektronischen Helfer. Auch kann der Anlagenbauer bisher nur Autodächer effizient lackieren. Es dauere noch, bis die Technik etwa für Türen zur Verfügung steht, so Herre. „Wir sind noch auf Jahre mit Kontrastdächern ausgelastet“, fügt er hinzu.

Werden Autos künftig farbenfroh und individuell gemustert fahren? Bei BASF heißt es: „Eine Mehrfarbigkeit im Sinne von vielen Farben hat aktuell keinen Markt.“ Dabei gehe es nicht nur um eigene Vorlieben, sondern auch um den Wiederverkauf des Autos, so Dürr-Chef Dieter.

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