Lauter strahlende Gesicher bei der Lach-Olympiade. Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Sie stehen sich gegenüber, blicken sich an, beginnen zu lachen. Das ist ansteckend, wie die erste Schwäbische Lacholympiade in Stuttgart zeigt.

Stuttgart - Die beiden Frauen, die sich da gegenüberstehen, kämpfen um den Titel. Es ist die letzte Runde, der schwäbische Lachkönig steht bereits fest, nur die Anwärterinnen auf den ersten Platz zanken sich noch schallend – und teilen sich ihn zuletzt. In ihrem Glucksen, Wiehern, Schenkelklatschen offenbart sich so viel Temperament, dass der Jury die Entscheidung allzu schwerfällt. Also endet dieser Kampf mit einem Unentschieden: Waltraud Herberlich und Gerlinde Schöffel haben sich, Kopf an Kopf, auf den Thron gelacht.

Den letzten Schwaben aus dem Keller zu holen – das hatten sie sich beide vorgenommen. Und das schönste Schwabenlachen, das haben sie dabei bewiesen, gehört eben doch Auswärtigen: Waltraud Herberlich stammt aus dem Odenwald, Gerlinde Schöffel aus Memmingen – 120, 130 Kilometer haben beide zurückgelegt, nur um gut zu lachen. Rainer Berger, der sich seinen ersten Platz mit niemandem teilen muss, lebt zwar schon so lange in Stuttgart, dass er sich selbst als Schwabe sieht – geboren wurde er dennoch in Bayern, in München.

Drei Stunden lang kämpften am Samstag in der Obertürkheimer Andreaskirche rund 50 Lacher aus nah und fern um den Sieg bei der ersten Schwäbischen Lacholympiade. Veranstaltet wurde sie von zwei unabhängigen Lachschulen: Schon vor zehn Jahren gründete Susanne Klaus eine solche Schule in Stuttgart, vor anderthalb Jahren tat Carmen Goglin es ihr in Reutlingen gleich. Lachschulen, an denen das Lachyoga unterrichtet wird, gibt es längst schon in der ganzen Welt. Mit dem konventionellen Yoga hat das Lachyoga die Atemtechnik gemein. Ansonsten wird dabei einfach nur gelacht – ohne Grund zumeist, wobei ein echter Anlass den Lacher durchaus nicht disqualifiziert.

Beim Lachen gelten keine Regeln – egal ob gespielt oder von Herzen: Gehen die Mundwinkel nur nach oben, beginnt der Körper auch schon, Endorphine auszuschütten, erklärt Lachyogalehrerin Carmen Goglin. „Ob das Lachen echt ist, ist dem Körper egal“, sagt sie. „Oft beginnt es mit einem künstlichen Lachen, aber sehr schnell wird ein echtes daraus. Schließlich ist Lachen ansteckend.“ Und es hilft fast immer: „Nur wenn ich traurig bin, geht es meistens nicht so gut. Außer wenn jemand dabei ist.“

Bei einer Lacholympiade gibt es mehrere Disziplinen. Zum Beispiel das Echo-Lachen – die einfache Imitation eines vorgegebenen Lachens. Außerdem das kreative Lachen und das Ärger-Lachen, das manchen im Alltag ja am leichtesten fällt.

Natürlich saß eine Jury über die Lacher zu Gericht in der Obertürkheimer Kirche. Claude Messer reiste an aus Basel, er organisierte selbst schon Lacholympiaden. Martina Maier kam aus Vöhringen bei Rottweil und unterrichtet Lachyoga an einer Volkshochschule. Und Thomas Alwin Müller aus Filderstadt ist ein Profi des Lachenmachens – ein Clown. Nur: Wie will man das Lachen bewerten, welche Kriterien gibt es hier? Zählt die Lautstärke, zählt die Wucht, der Überschwang oder zählt es, wie viele Zähne man dabei zeigt, wie sportlich man sich kugelt? „Im Grunde“, sagt Rainer Berger, der Gewinner aus Stuttgart, „geht es vor allem darum, ein paar gute Ideen zu haben.“ Aber allzu ernst nimmt dieser Wettbewerb sich ohnehin nicht: zuletzt erhält am Samstag jeder eine Medaille, der mitlachte.

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