Auch die 39. Auflage des Lab-Festivals ist eine gelungene Sache. Und doch stellt Veranstaltungschef Rolf Graser die Zukunftsfrage für Stuttgarts traditionsreiches Open-Air.
Sally Grayson fragte mit breitem Grinsen ins Publikum: „Ist es warm genug für euch?“ Die Überlegung, ihren Zuhörern vielleicht noch extra einzuheizen, war angesichts von 33 Grad Außentemperatur am späten Samstagnachmittag ziemlich unbegründet. Der Deutsch-Amerikanerin standen auf der Bühne schon nach ein paar Songs die Schweißperlen im Gesicht. Und auch das Publikum schwitzte trotz kühlender Getränke ordentlich vor sich hin. Obwohl viele Seitenwände des großen Veranstaltungszeltes auf dem Berger Festplatz im Unteren Schlossgarten komplett aufgeklappt waren, staute sich die Hitze im Inneren doch ziemlich an. Wer konnte, hatte sich im Freien direkt neben dem Zelt einen Schattenplatz gesucht und bekam auch von dort immer noch alles mit, was Grayson mit souliger Stimme und Gitarre zusammen mit ihrer ordentlich sich ins Zeug legenden Schlagzeugerin Deborah gut eine Stunde lang zum Besten gab.
Neun Acts aus unterschiedlichsten Genres
Zwischen Freitag und Sonntagabend standen insgesamt neun verschiedene Acts unterschiedlichster Musikgenres auf dem Programm. Jazz, Pop, Swing, Rock, Soul, Funk – jeder Geschmack wurde bedient. Rolf Graser, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Laboratorium, hatte es zusammen mit seinem Team einmal mehr geschafft, ein - wie er selbst sagt - „hochwertiges Programm jenseits vom Mainstream“ auf die Beine zu stellen. Und das alles bei freiem Eintritt für die Besucher. Mehr als geschätzt 10 000 kamen, um den Festival beizuwohnen.
„Das ist das schönste Festival dieser Größenordnung in Stuttgart, weil es im Prinzip unkommerziell und unkonventionell ist“, so Graser, der stolz auf dieses seit Jahren gepflegte Geschäftsmodell ist. Doch das Ende der Fahnenstange scheint nun erreicht. „So wie jetzt wird es nicht mehr weitergehen“, kündigte der Vereinsvorsitzende von der Bühne herab Veränderungen an. In kleiner Gesprächsrunde erläuterte Rolf Graser die Hintergründe des Umdenkens. Der komplett ehrenamtlich tätige Stab der Mitarbeiter sei „in die Jahre gekommen“, manchem sei es schlicht zu viel geworden. Neben dem Personalproblem geht inzwischen auch die finanzielle Rechnung nicht mehr ganz auf. Der Pro-Kopf-Umsatz an verkauften Speisen und Getränken sei rückläufig und könne die gleichzeitig steigenden Kosten nicht mehr ausgleichen. Dass die Künstler deswegen auf ihre Gage verzichten sollten, ist für den Veranstalter ein No-Go. „Sie kommen uns ja schon entgegen.“
Hoffnung auf Fortsetzung ist da
Letztlich habe eine knappe Mehrheit im Vereinsvorstand entschieden, eine offizielle Zäsur zu machen. In diesem Herbst soll alles auf den Prüfstand kommen. Ohne die vorhandenen Bedenken nicht ernst nehmen zu wollen, zeigt sich Rolf Graser „verhalten optimistisch“, dass es mit ein paar notwendigen Veränderungen mit dem Festival weitergehen wird. „Die Leute waren auch diesmal wieder begeistert, was den Wunsch einer Fortsetzung natürlich verstärkt“. Vielleicht hilft dabei ja auch die gut gefüllte „Spendentuba“. In das von den Vereinsmitarbeitern umfunktionierte Musikinstrument wanderten am Wochenende aus dem Publikum jede Menge Geldscheine.