Die L-Bank stärkt mit Rekordzahlen Wirtschaft, Wohnraumförderung und Familien im Südwesten. Als anhaltendes Problem erweisen sich die Corona-Soforthilfe-Rückforderungen.
Die Landeskreditbank, finanzieller Förderer der Entwicklung Baden-Württembergs in vielen Lebensbereichen der Menschen, blickt auf ein „sehr gutes Jahr 2025“ zurück. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen „verzeichnen wir Wachstum in allen Förderbereichen“, betonte die L-Bank-Vorstandschefin Edith Weymayr am Freitag.
2025 hat die L-Bank Unternehmen, Kommunen, Familie und Gesellschaft mit rund 9,4 Milliarden Euro unterstützt. Existenzgründungen, die das Land besonders im Fokus hat, wurden mit 773 Millionen Euro finanziert – ein Rekord. Die Bilanzsumme bleibt bei 91,8 Milliarden Euro, der Jahresüberschuss beträgt 158 Millionen Euro.
Lob vom Finanzminister Der Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) ist voll des Lobes: „Unsere Förderbank ist Stabilitätsanker und Wachstumsmotor für das Land“, sagte er als Verwaltungsratsvorsitzender. Mit rund 9,4 Milliarden Euro Fördervolumen habe die L-Bank Unternehmen, Kommunen und Familien stark unterstützt und wichtige Zukunftsinvestitionen ermöglicht. Die Programme kämen genau dort an, wo sie gebraucht werden: bei Mittelstand, Gründern und innovativen Betrieben. Trotz des Transformationsdrucks vielerorts sorge die L-Bank dafür, dass Investitionen möglich bleiben, Innovationen entstehen und Arbeitsplätze gesichert werden. „Diese Dynamik wollen wir weiter stärken.“
Wohnungsbauförderung ungebrochen Ein Bereich, wo quasi jeder Bürger vom Geld des Landeskreditinstituts profitieren kann, ist der Wohnungsbau. Da haben Land und L-Bank ihre Förderung auf gut 1,8 Milliarden Euro hochgeschraubt. Die Nachfrage nach Förderung von Wohnungsbau sei ungebrochen, sagt Weymayr. „Wir haben sehr viel mehr Anträge auf Finanzierung von Mietwohnungsbau und auf Förderung zur Anschaffung von Eigentum vorliegen, als wir an Fördermitteln ausreichen können.“ Dies führe zu langen Wartezeiten – teils müssten Anträge auf das Folgejahr übertragen werden. Das Volumen der vorliegenden Anträge entspricht dem Förderumfang eines ganzen Jahres, wobei das Geld mehr vom Bund als vom Land kommt.
Der Wohnungsmarkt bleibe aber angespannt, einen Abbruch der Bautätigkeit erwartet Weymayr trotz Rezession daher nicht. Die Zunahme der Baugenehmigungen werde dazu führen, „dass die Anträge bei uns weiter im Eingang sprudeln werden“. Dank der Förderung konnte auch der Bestand an Sozialwohnungen weiter wachsen. Ende 2025 gab es demnach 56 072 Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung im Land, was zum vierten Mal in Folge einen Anstieg bedeutete.
Weniger Elterngeld-Anträge Eine weitere Säule ist das Elterngeld als größtes Einzelprogramm, für das rund 1,1 Milliarden Euro bereitgestellt wurden. Fast 134 000 Anträge wurden voriges Jahr bewilligt, gut 2100 weniger als 2024. Väter werden zu 46 Prozent begünstigt. Pro Tag würden 700 Anträge bearbeitet, sagt Vorstandsmitglied Johannes Heinloth. Das sei „zwar ein leichter Rückgang, bedingt durch die Programmeinengung seitens des Bundes, ist aber noch eine beeindruckend hohe Anzahl“. Zwei von drei Anträgen werden online gestellt. Seit dem Vorjahr kann das weitere Verfahren komplett digital abgewickelt werden. „Wir erreichen damit perspektivisch kürzere Bearbeitungszeiten und einen besseren Service für die Eltern als Antragsteller.“ Neu sei auch ein Online-Tool zur Elterngeldplanung.
Corona-Antragsportal noch in Vorbereitung Zu den noch lange anhaltenden Problemen der L-Bank dürften die Corona-Hilfen gehören. Anfang März ist das im Landtag nach viel Streit verabschiedete Ausgleichsgesetz zur Rückabwicklung der Soforthilfe-Rückforderungen in Kraft getreten. Im Parlament wurde die Hoffnung geäußert, dass Anfang September schon die ersten Beträge fließen könnten. Daraus wird ziemlich sicher nichts: Zunächst mal hat das Wirtschaftsministerium die L-Bank noch nicht offiziell mandatiert, weil es nach formalen Vorgaben auch andere mögliche Institutionen in Betracht ziehen muss. Doch dürfte an der seit sechs Jahren für die Corona-Anträge hauptzuständigen L-Bank kein Weg vorbei führen. Die Entscheidung stehe in Kürze an, sagt ein Sprecher des Ministeriums dazu.
Heinloth zufolge bereitet sich die L-Bank „seit Wochen“ auf die Mandatierung und den noch nicht im Detail vereinbarten Prüfungsprozess vor. Der Zeitplan wackelt jedoch: „Wir tun uns inzwischen schwer, den September-Termin zu halten.“ Das Vorstandsmitglied verweist auf das „potenzielle Anspruchsvolumen“ von mehr als 90 000 Betroffenen und schlussfolgert: „Ohne externe Unterstützung werden wir dieses Programm nicht abarbeiten können.“ Denn die Ressourcen der L-Bank steckten im Landesprogramm und seien ausgelastet.
Nun werden sechs Monate unter anderem für die Ausschreibung des Dienstleisters benötigt, der die konkrete Bewilligung der Anträge vornimmt. Dazu soll ein digitales Antragsportal eingerichtet werden, das laut Heinloth mit sehr viel Sorgfalt entwickelt werden muss, um die Zahl der manuellen Eingriffe niedrig zu halten und das Verfahren zu beschleunigen. Dies alles bedeutet einen Prozess von einem Jahr: Sechs Monate werden benötigt, um voraussichtlich bis Oktober das Portal auf den Weg zu bringen – und weitere sechs Monate, in denen die Hilfeempfänger ihre Ansprüche erheben können.
100 Millionen Euro sind im Landtag als mögliche Verwaltungskosten genannt worden, die insbesondere für den externen Personaleinsatz anfielen. „Von der L-Bank kommt diese Zahl nicht“, sagt Heinloth. „Nach unserer vorläufigen Einschätzung werden wir erheblich darunter liegen.“