L’Artista Pizza wird bald eine zweite Filiale in Stuttgart-Mitte eröffnen. Mit welchem Konzept wollen sie die schwierige Location in der City wiederbeleben?
Am 31. Juli hat die Enchilada-Filiale, die zuvor 27 Jahre lang in der Stuttgarter Innenstadt für Tex-Mex-Food und Cocktail-Happy-Hours gestanden hatte, ihre Tore geschlossen. Grund dafür seien standortspezifische Gründe gewesen, wie der Geschäftsführer Michael Anders der Zeitung gegenüber gesagt hatte.
Ein knappes halbes Jahr später ist bekannt, wer die Nachfolge an dem vermeintlich schwierigen Standort in der Eberhardstraße antritt: L’Artista Pizza aus Plieningen. Das Restaurant mit einem goldenen Händchen für Social Media und italienischen Sauerteig ist weit über die Stadtgrenze hinaus für seine neapolitanische Pizza bekannt.
Plieningen und Stuttgart-City: L’Artista Pizza vergrößert sich
Die Übernahme kündigen seit vergangener Woche bereits knallig-rote Poster am ehemaligen Enchilada-Eingang mit der Aufschrift „L’Artista. The Takeover is coming.“ an. Am 20. Dezember soll der Laden offiziell eröffnet werden. Für die Bespielung des zweiten, gar nicht mal so kleinen Standorts mit 130 – ehemals sogar 200 – Plätzen, haben sich L’Artista-Chef Nico Zingariello und der Würzburger Gastro-Unternehmer Daniel Soriano zusammengetan. Soriano betreibt bereits mit Giuseppe Niceforo – seines Zeichens Sauerteigflüsterer – in Würzburg und Erlangen gemeinsam das Franchise Pepe Pizza und wurde über ihn, den eine innige Freundschaft mit Zingariello verbindet, auf das L’Artista-Konzept aufmerksam.
„Wir versuchen in unserer [Unternehmens-]Gruppe solche Konzepte ein bisschen größer zu machen und auf den Weg zu bringen“, erklärt Daniel Soriano. Vor knapp zwölf Jahren hatte der Würzburger Unternehmer auch die in Stuttgart bekannte Burgerkette „Burgerheart“ mitgegründet, die diesen Sommer mitsamt 17 Standortfilialen an Ruff’s Burger verkauft worden ist.
Ein Konzept, das zu jungen Foodies spricht – jetzt auch in der Innenstadt Stuttgart
Was beide Parteien, Stuttgart und Würzburg, verbindet, ist nicht nur ihre fast schon nerdhafte Expertise in Sachen neapolitanische Pizza – „wenn Giuseppe und Nico anfangen, über Teig zu sprechen, dann muss man eine halbe Stunde einplanen“, gibt Soriano schmunzelnd zu – sondern auch ihr frischer, direkter Zugang zur jungen Zielgruppe. Mit einem knalligen visuellen Konzept, passendem Merch, niedrigschwelligen Events und einem furchtlosen Zugang zum italienischen Nationalgut (Stichwort Cheddar auf der Pizza Napoletana) sprechen sie schon in ihren bisherigen Läden die Sprache der jungen Foodie-Generation.
Dementsprechend wird die Gäste auch am zweiten L’Artista-Standort, in Mitte, eher keine klassische Trattoria di Napoli erwarten. Eher ein bisschen was Lauteres, Lockeres, mit mehr Scatenamento und dem Esprit eines modernen Szenelokals – „aber mit Fokus auf Qualität“, betont Daniel Soriano. Es sei immer noch ein Restaurant, an dem Leute gut essen, sich wohlfühlen und ihre Auszeit genießen sollen und keine Bar. Die eine oder andere Veranstaltung sei durchaus in Planung, etwa ein Afterwork nach Würzburger Vorbild („Disco Aperitivo“) und auch die Getränkekarte würde auf das Ausgehpublikum der Innenstadt mit verschiedenen Spritz’ angepasst. Das Hauptaugenmerk bleibe aber auf dem kreisrunden Soulfood allo Nico.
Dabei wird die Plieninger Speisekarte in ihrer Niederlassung in Mitte noch um ein paar Positionen ergänzt werden, verraten die Gastronomen. Etwa um einige italienische Vorspeisen, wie Arancini in verschiedenen Varianten.
Pizza Napoletana, aber unkonventionell
Auch beim Thema saisonale und wechselnde Kreationen will man sich in der Innenstadt noch mehr austoben: „Um immer wieder Abwechslung auf der Karte zu haben und den Leuten neuen Input zu liefern, wird es regelmäßig ‚besondere Pizzen‘ geben, die entweder ein saisonales Thema aufgreifen oder eines, das große Viralität hat und das jeder mal probieren möchte“, erklärt der Pepe-Chef.
„Vielleicht wird es hier und da auch mal verrückt“, fügt er schmunzelnd hinzu. „Aber das macht das Konzept aus, dass man immer im Wandel ist und neue Komponenten mit reinbringt.“ Den Gästen und Stammgästen, die man an einem großen Lokal wie dem ehemaligen Enchilada in einer gewissen Regelmäßigkeit und Menge braucht, soll es nicht langweilig werden.
Ist neapolitanische Pizza die neue Fajita?
Im Sommer soll auch der Außenbereich des Ladens wiederbelebt werden, wie in den 2000er- und 2010er-Jahren, als noch massenweise junger Menschen mit Strawberry Daiquiris vor dem Laden standen und sich Tex-Mex-Franchises in Deutschland noch nicht in der Krise befunden haben. Goldene Zeiten, an die man mit einem neuen Konzept anknüpfen könnte, hat die vermeintlich schwierige Location also durchaus durchlebt, auch wenn die Eberhardstraße als Verlängerung der früheren Theodor-Heuss-Straße nicht mehr viel von ihrem alten Partymeilencharakter behalten hat. Vielleicht ist neapolitanische Pizza aber auch das neue Tex-Mex und Essengehen das Partymachen von heute.