Am 8. Mai 1945 wurde der Zweite Weltkrieg in Europa offiziell beendet. Damit das unbeschreibliche Grauen nicht in Vergessenheit gerät, gibt es Gedenkstätten wie in Bad Friedrichshall-Kochendorf.
Fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehen Krieg und militärische Auseinandersetzungen weiter, auch in Europa. Ihre Auswirkungen werfen lange Schatten und hinterlassen bereits tiefe Gräben. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, Frieden zu schaffen und zu erhalten.
Die KZ-Gedenkstätte Kochendorf Lebendig wird die Vergangenheit in der Gedenkstätte KZ-Kochendorf bei Bad Friedrichshall, die am ersten Mai – nach fünfjähriger Pause – wieder eröffnete. Beim Rundgang unter Tage kommen Besucherinnen und Besucher auch an der Erinnerungsstätte vorbei. Die Halle mit dem Betonboden, den die Gefangenen selbst betonieren mussten, sieht aus wie vor 80 Jahren. Die weiß gekalkten Wände reflektieren das wenige Licht, das es hier unten gibt. Rund 180 Meter unter der Erde mussten die Häftlinge des ehemaligen KZ Kochendorf von September 1944 bis März 1945 für die Rüstungsproduktion arbeiten. Denn der Bedarf an Waffen und kriegswichtigen Gütern wurde im Zeichen der drohenden Niederlage immer größer. Der Flugzeugkonzern Ernst Heinkel aus Stuttgart ließ hier Versuchsteile für eine Turbine bauen, die in ein Jagdflugzeug von Messerschmitt eingebaut werden sollte.
Bombensicher war die Verlagerung in unterirdische Hallen. „Vernichtung durch Arbeit“ hieß die Devise der Nationalsozialisten, die sogar den Endsieg noch ermöglichen sollte. In der Nähe des Salzbergwerks, in dem die Südwestdeutsche Salzwerke AG heute noch Salz abbaut, entstand ein Konzentrationslager (KZ) für die Gefangenen, ein Außenkommando des KZ Natzweiler-Struthof, das im heutigen Elsass liegt. Selbst jüdische Häftlinge wurden damals wieder ins Reich zurückgebracht. Sie entgingen zwar den Gaskammern, doch mehr als 440 Häftlinge starben in nur sieben Monaten qualvoll, mehr als die Hälfe auf dem Todesmarsch nach Dachau. Denn Ende März 1945 wurde das KZ Kochendorf geräumt. „Im authentischen Arbeitsumfeld der Zwangsarbeiter erinnern Fotos und Biografien an die Menschen, aber auch an einige Täter“, sagt Klaus Riexinger, Vorstand der Miklos-Klein-Stiftung, die für die Gedenkstätte verantwortlich ist. Infos: www.friedrichshall.de
Die KZ-Gedenkstätte Leonberg In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche weitere Gedenkstätten, die auf eindringliche Weise an das unmenschliche Leid des Nazi-Regimes erinnern. Regelmäßig ist das Dokumentationszentrum im Alten Engelbergtunnel in Leonberg geöffnet, das zur KZ Gedenkstätte Leonberg gehört. Die Nussbäume vor den alten Tunnelröhren waren vielleicht schon hier, als die ersten Zwangsarbeiter im Frühjahr 1944 eintrafen, um in den beiden rund 300 Meter langen Tunnelröhren in 12- Stunden-Schichten an sieben Tagen die Woche zu schuften. Mehrere tausend Männer aus mehr als 20 Ländern wurden in dem Außenlager von Natzweiler-Struthof zum Bau eines Düsenflugzeugs von Messerschmitt gezwungen. Im Frühjahr 1945 wurden die Verbliebenen auf einen Todesmarsch nach Bayern getrieben, das mehr als ein Viertel der Menschen nicht mehr erreichte.Infos: www.kz-gedenkstaette-leonberg.de
Die Stauffenberg-Gedenkstätte Die Ausstellung in der Stauffenberg-Gedenkstätte im gleichnamigen Schloss in Albstatt-Lautlingen ist dem Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg gewidmet. Sie dokumentiert den Werdegang von Stauffenberg, angefangen von seinen Jugendjahren, seiner Ausbildung, seiner Einstellung zum Nationalsozialismus bis hin zu seinem Wandel. Denn der anfängliche Befürworter der NS-Politik wurde zum erbitterten Widerstandskämpfer, der am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Hitler ausübte.Infos: www.albstadt.de
Die Gedenkstätte Grafeneck Ebenfalls auf der Schwäbischen Alb liegt die Gedenkstätte Grafeneck bei Münsingen. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges – im Oktober 1939 – wird Schloss Grafeneck für „Zwecke des Reichs“ beschlagnahmt. Mehr als 10 500 Menschen wurden anschließend Opfer des nationalsozialistischen Euthanasie-Programms in Südwestdeutschland. Heute sind die offene Kapelle und das Dokumentationszentrum zentrale Erinnerungs- und Mahnstätte der Euthanasie-Verbrechen der Nationalsozialisten.Infos: www.gedenkstaette-grafeneck.de
Die KZ-Gedenkstätte Natzweiler-Struthof
Beim KZ Natzweiler-Struthof, linksrheinisch und mitten in den Vogesen, befindet sich eine rund 40 Meter hohe Gedenkstätte sowie das Europäisches Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers. Vor 20 Jahren wurde die turmartige Erinnerungsstätte gegenüber des KZs eröffnet, dessen Außenlager in Baden-Württemberg verstreut waren. Die Stätte symbolisiert das Grab aller Deportierten, deren Leichname hier im Krematorium zu Asche verbrannt wurden.Infos: www.struthof.fr/de/