Die Sitzbank soll weg, die Gedenktafel hinter Stacheldraht. Foto: Simon Granville

Die Stadt Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg) will Beschädigungen an der KZ-Gedenkstätte nicht weiter tatenlos hinnehmen. Aber wie soll der Schutz aussehen?

Ist Stacheldraht der richtige Weg? Die Stadt Vaihingen an der Enz will den massiven Sachbeschädigungen an der KZ-Gedenkstätte nahe dem Bahnhof entgegenwirken. Der Vorschlag, die jüngst beschädigte Gedenktafel einzuzäunen, dürfte Diskussionen auslösen.

 

Die Infotafel war zuletzt mehrfach beschädigt worden. Unklar ist, ob es gelangweilte junge Leute waren oder Täter mit rechtsradikaler Gesinnung. Die Vorfälle ereigneten sich jedenfalls wenige Wochen vor der 80-Jahr-Feier zur Befreiung des ehemaligen KZ-Außenlagers, in dem rund 1500 Menschen ihr Leben verloren.

Ein runder Tisch mit OB Uwe Skrzypek (rechts) erarbeitete ein Konzept zum Schutz der KZ-Gedenkstätte. Foto: Martina Fischer/Stadt Vaihingen

Entfernt wird jetzt auf jeden Fall die Sitzbank an der Stelle, an der die deportierten Menschen auf den Schienen der alten WEG-Bahn ankamen. „Wir wollen dem Ort den Charakter des Aufenthaltsortes nehmen“, erklärt Martina Fischer, Sprecherin der Vaihinger Stadtverwaltung, nach der Sitzung eines runden Tisches, an dem auch die Polizei teilnahm.

Banner und Streetworker sollen Vandalismus verhindern

Mit einem Banner wird die Stadt in einer zweiten Stufe darauf hinweisen, dass die Vorgänge inakzeptabel sind und strafrechtliche Folgen haben, teilt die Stadtsprecherin weiter mit. Ein Streetworker werde in das Projekt eingebunden. Eine Video-Überwachung scheide hingegen aus. Sie dürfe nur installiert werden, wenn sich massiv Fälle in einem engen Zeitfenster ereigneten.

Zum Schutz der Gedenkstätte will die Stadt in einer dritten Stufe etwas Ungewöhnliches wagen. „Vorgeschlagen wurde, die Infotafel symbolisch mit Stacheldraht einzuzäunen – sozusagen als künstlerisch-politisches Statement“, sagt Martina Fischer. Damit greife die Stadt die Geschichte des Lagers hinter dem Stacheldraht auf.

Kunstverein könnte bei der Installation mithelfen

Dieser Vorschlag sei aber noch nicht mit dem KZ-Gedenkstättenverein besprochen worden und deshalb auch noch nicht in Stein gemeißelt, betont die Stadtsprecherin. „Wir waren uns einig, dass manche dies als ,krasse’ Idee bezeichnen würden. Aber wenn sie gut erklärt wird und man etwa mithilfe des Kunstvereins eine optisch ansprechende Lösung fände, dann könnten wir uns viel Zustimmung vorstellen.“

Der Vorstand des Gedenkstättenvereins tagt Mitte Mai und wird sich dann wohl mit dem Vorschlag befassen.