Versucht jetzt ihr Glück im Westernoutfit: Kylie Minogue Foto:  

Kylie Minogue feiert am 28. Mai ihren 50. Geburtstag. Im Interview spricht sie über ihren Besuch in Nashville, die Hochzeit von Prince Harry und ihr neues Album „Golden“, mit dem sie den Frust über ihre geplatzte Hochzeit weggetanzt hat.

Berlin - Kylie Minogue sitzt in rosa Rüschenbluse und gestreifter Clochard-Hose in der Suite eines Berliner Luxus-Hotels und ist bester Laune. Dass die australische Sängerin und Schauspielerin schon 50 Jahre alt ist, sieht man ihr nicht an. Wenn man von ein paar Augenfältchen absieht. Und mit ihrem neuen Album „Golden“ hat die 1,52 Meter große Sängerin den Frust über ihre geplatzte Hochzeit weggetanzt.

Ms. Minogue, „Golden“ ist Ihr 14. Studioalbum. Ist es überhaupt noch aufregend für Sie, eine neue Platte zu veröffentlichen?
Und wie! Ich habe fast einen Herzinfarkt bekommen, als ein britischer Radiosender das erste Mal die Single „Dancing“ gespielt hat. Ich konnte mich gar nicht beruhigen. Und das Feedback war so großartig, dass es mich fast zum Weinen gebracht hätte. Daran gewöhnt man sich nie! Aber es ist auch eine sehr besondere Platte für mich.
Inwiefern?
Wir haben uns am Anfang sehr viel Zeit genommen, um nach der Richtung für den Sound zu suchen. Schließlich landeten wir in Nashville bei Countrymusik, was erheblichen Einfluss auf die Songs nahm. Wenn du an diesem magischen Ort bist, mit so vielen musikhistorischen Stätten, gibt dir das eine erfrischend andere Perspektive auf das Handwerk des Songwriting. In allen Cafés und Clubs triffst du auf junge Liedermacher, die von ihrer Musik erzählen, und das Publikum hört aufmerksam zu. Die Zeit dort war unglaublich inspirierend für mich.
Da ist jede Menge Herzschmerz in den neuen Songs. Mussten Sie sich nach der Trennung von Ihrem Verlobten Joshua Sasse den Liebeskummer von der Seele schreiben?
Nun ja, die Songs handeln generell über mein Leben mit der Liebe, nicht explizit über die letzte Liebe. Ich habe viel Mist in Liebesdingen erlebt. 2016 war kein gutes Jahr für mich. Es ist schlimm, wenn du dich selbst verlierst, wenn du dich alleine und hilflos fühlst und nicht mehr weißt, was Liebe eigentlich bedeutet. Ich will nicht übertreiben, aber es war schon recht traumatisch nach der letzten Trennung. Die Arbeit im Studio war da wie Therapie.
So schlimm?
Jetzt nicht mehr! Aber am Anfang kamen nur weinerliche Lieder dabei raus. Zum Glück waren die nicht gut, sodass wir sie verwarfen. Sonst wäre ich jetzt wieder und wieder mit dem Kummer konfrontiert. Erst als das Stück „Lifetime to repair“ entstand, konnte ich diese schlimme Phase langsam hinter mir lassen. Ich hatte dann schon genug Distanz, um das Ganze realistisch zu betrachten – und auch mit ein bisschen Humor.
Wie stecken Sie Liebeskummer weg?
Da fragen Sie eine Expertin! Es gibt ja verschiedene Arten von Herzschmerz: Es gibt den Herzschmerz, bei dem du denkst, den einzig Wahren verloren zu haben, über den du nie hinwegkommen wirst. Das hat es in meinem Leben auch gegeben. Aber so war es nicht bei meiner letzten Trennung. Danach fühlte ich mich als Mensch gebrochen, das ist etwas anderes als Liebeskummer. Es ging also diesmal darum, mich selbst wieder aufzubauen. Und es war großartig, dass im Studio tun zu können. Gerade, wenn du an einem Song wie „Dancing“ arbeitest, der davon handelt, rauszugehen und zu tanzen, bringt dich das fast automatisch an einen emotional besseren Platz.
Wie weit waren Sie denn schon mit Ihren Hochzeitsvorbereitungen?
Ich hatte zumindest noch kein Kleid. Und wenn ich zurückblicke, war es irgendwie klar, dass die Hochzeit nicht passieren würde. Ich habe nie angenommen, dass ich mal die Person sein werde, die zum Altar hinab schreitet.
Aber inzwischen hat ja zum Beispiel auch jemand wie Prinz Harry geheiratet!
Glückwunsch an ihn! Ich habe ihn zwar getroffen, kann aber nicht behaupten, dass ich ihn besonders gut kenne. Ich weiß noch, wie ich als Zwölfjährige das erste Mal in England mit der Familie Urlaub machte. Damals war gerade die Hochzeit von Charles und Diana. Und die Briten druckten ihre Gesichter auf T-Shirts und Becher. Ich habe das damals nicht verstanden. Aber 2012 war ich in die Zeremonie zum Thronjubiläum der Queen beteiligt. Alle wedelten mit ihren kleinen Union-Jack-Fähnchen. Ich liebe Hochzeiten der anderen! Nur mit meiner eigenen ist das etwas schwierig.
Am 28. Mai werden Sie 50. Macht Ihnen diese Zahl Angst?
Ich habe keine Angst, ich bin einfach nur realistisch, wo ich im Leben stehe. Im Titel-Song der Platte gibt es die Zeile: „Wir sind nicht jung, wir sind nicht alt. Wir sind ‚Golden’!“ Monate lang spuckte das in meinem Kopf herum. Denn genau so fühlt es sich mit 50 für mich an: Ich bin irgendwo dazwischen. Was ich aber mit Bestimmtheit sagen kann, ist: Ich fühle mich heute definitiv besser als noch vor einigen Jahren – viel positiver und entspannter mit mir selbst.
Madonna wird ihr Alter ja immer wieder zum Vorwurf gemacht. Da wird dann gern gesagt, ihre Auftritte schicken sich nicht für eine Frau Ende 50.
Wenn es eine Frage des Geschmacks ist, bitteschön. Aber jeder hat einen anderen, oder? Die Fixierung auf das Alter ist nervig, und es ist langweilig. Mir war aber klar, dass ich nach meinem Alter gefragt werden würde. Das war ja schon bei meiner letzten Platte vor vier Jahren so. Darauf zu antworten, wird nicht einfacher. Und es zeigt auch, wie viel Sexismus in der Branche immer noch herrscht.
Haben Sie den Sexismus in der Musik- und Medienbranche selbst schon zu spüren bekommen?
Na, klar! „Sie sieht schlimm aus.“ „Sie sieht zu gut aus für ihr Alter.“ „Oh Gott, wie konnte sie das tun!“ – Das ganze Spektrum gab es über mich zu lesen. Die Wahrheit ist: Ich kann mich selbst nicht jünger machen, ich kann mich nicht älter machen. So jung, wie ich gerade vor Ihnen sitze, werde ich definitiv nie wieder sein.
Wird es Ihnen fehlen, nicht mehr in den ­„Sexiest Woman Alive“-Listen der Männermagazine aufzutauchen?
Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber schönen Dank auch für den Hinweis! Doch wer weiß: Vielleicht machen die Herren für mich eine 50-Plus-Kategorie auf?
30 Jahre ist es jetzt her, als Ihr Debütalbum erschien. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ich war noch sehr grün hinter den Ohren und total nervös. Ich tat einfach, was mir die Produzenten sagten. Es war nicht so weit entfernt von dem, was ich bei der Seifenoper „Nachbarn“ machte, wo es immer hieß: Lerne deine Zeilen, sage sie auf, und weiter geht’s mit der nächsten Szene. Alles musste schnell passieren.
Aber es waren Ihre ersten Gesangsaufnahmen?
Ich war zwar zuvor schon öfter im Aufnahmestudio gewesen, aber nie mit der Ansage, ein Album aufzunehmen. Ich bemühte mich, trotz der Aufregung gut zu sein. Es waren nur zwei Termine in London, und schon war die Platte im Kasten. Die Produzenten Stock, Aitken, Waterman arbeiteten sehr schnell. Die sagten nur: „So, hier sind die Texte, dann sing mal.“ Nach ein paar Jahren frustrierte mich das, ich wollte mehr eingebunden werden in den Prozess, ich wollte nicht mehr nur Marionette sein. Wenn ich mich zurückerinnere an die Kylie von damals, denke ich: Oh, was für ein Baby sie war. Sehr niedlich!

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