Rutschen, springen, schwimmen – für den Spaß im Freibad, braucht es laut Karin Rudolph von den Bäderbetrieben Stuttgart im Hintergrund viel Personal. (Symbolfoto) Foto: dpa

Der Spätsommer glänzt mit Höchsttemperaturen und Hitzerekorden. Eigentlich bestes Schwimmbadwetter, doch die Freibadsaison ist beendet. Karin Rudolph von den Bäderbetrieben Stuttgart erklärt im Interview, warum das so ist und wo Sie doch noch draußen schwimmen können.

Stuttgart - Die Freibadsaison beginnt immer Mitte Mai und endet am letzten Sonntag vor Schulbeginn. Das war es also für dieses Jahr mit dem kühlen Nass unter freiem Himmel, trotz spätsommerlicher Hitzerekorde. Bei vielen Badegästen in Stuttgart und Region sorgt das für Unverständnis.

Karin Rudolph von den Bäderbetrieben Stuttgart erklärt im Interview, warum die Freibäder ausgerechnet jetzt schließen und was sich in Zukunft ändern muss.

Der Sommer war enttäuschend, der Spätsommer umso schöner. Warum haben die Freibäder dann nicht einfach länger geöffnet?
Seit Winter gibt es einen Personalengpass, der sich zum Beispiel auch auf die Öffnungszeiten auswirkt. Wir mussten oft überlegen: Wie schaffen wir es, die Bäder zu öffnen? Deswegen hat das Höhenfreibad Killesberg im Stuttgarter Norden dieses Jahr keine verlängerte Saison, ohne Personal geht es nicht. Im Süden ist das Freibad Möhringen geöffnet.
Aber wenn der Personalmangel doch schon seit Winter bekannt ist, warum wurde bisher nicht mehr Personal eingestellt?
Der Markt ist leer gefegt. Fachkräfte für Bäderbetriebe sind hoch qualifiziert und selten. Und es muss immer eine Fachkraft im Bad sein, da geht es auch um die Sicherheit der Gäste, erst dann kann zum Beispiel mit DLRG-Leuten besetzt werden. Auch das gehört zum Fachkräftemangel in Deutschland. Viele Fachkräfte gehen in Rente und wir bilden zwar aus, aber wir könnten noch mehr ausbilden. Dieses Jahr haben bei uns vier Azubis angefangen. Wir sind also weiter auf der Suche und wollen für 2017 andere Verhältnisse schaffen. Wir brauchen ein Personal- und ein Öffnungszeitenkonzept, und dafür werden gerade Ideen gesammelt.
Das Problem mit der Saisonzeit gibt es in die andere Richtung auch, wie flexibel sind Sie, was den Beginn der Freibadsaison angeht?
Wir sind kaum flexibel. Wir betreiben 16 Bäder und die sind miteinander verzahnt. Schließen wir zum Beispiel ein kleines Hallenbad für Besucher, wandern die Mitarbeiter in die Freibäder. Außerdem müssen wir viele Saisonkräfte gewinnen, aber das ist außerhalb der Ferienzeiten schwierig. Die Kräfte von diesem Jahr versuchen wir auch für nächstes Jahr zu gewinnen und wir wollen neue Mitarbeiter finden. Das ist unsere Aufgabe für den Herbst und Winter, denn wir müssen jetzt die Saison für nächstes Jahr planen, ohne jegliche Kenntnisse über das Wetter.
Welche Rückmeldung bekommen Sie von den Badegästen oder eben denjenigen, die es in diesem Spätsommer gerne gewesen wären?
Die Leute sind anfangs verärgert. Ein Mitarbeiter in Vaihingen hat mir erzählt, wie er von einem Gast angegangen wurde. Daraufhin hat er den Gast gefragt, wie oft dieser in diesem Jahr schon im Urlaub gewesen sei. Zweimal. Unsere Mitarbeiter nehmen kaum Urlaub und sind nach der Saison erschöpft. Auf dieser persönlichen Ebene haben die meisten Gäste dann Verständnis. Wir würden unseren Gästen auch eine längere Saison gönnen, aber wir können nicht. Ich wünsche mir, dass wir ausreichend Personal finden und auch Killesberg wieder länger geöffnet lassen können. Es ist ja auch ein schöner Arbeitsplatz, das Freibad.

Wo man jetzt noch baden gehen kann

In unserer Karte sehen Sie, welche Freibäder noch geöffnet haben und welche Hallenbäder mit Außenanlagen auch im Herbst noch Badespaß für draußen bieten.

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