Der Betreiber Ludwig Essig (links) in seiner Kneipe: Das Pony Bonackel ist zunächst ein bisschen skeptisch. Foto: Simon Granville

Das Shetland-Pony Bonackel hat Pferdemarkt-Vergangenheit. Der Vierbeiner war nun auch Teil eines PR-Termins in einer der Leonberger Kultkneipen schlechthin. Um was ging es genau?

Pferde sind häufig Protagonisten in mal besseren, mal schlechteren Witzen. Einer geht wie folgt: Kommt ein Pferd in ’ne Bar. Fragt der Barkeeper: „Warum so ein langes Gesicht?“ Ein Brüller, nicht? Dass genau dieses „Pferd in Bar“-Szenario jetzt in der Leonberger Kultkneipe Alte Amtei Realität werden würde, hätten allerdings die wenigsten erwartet.

 

Und doch kam es so. Allerdings hatte es der Vierbeiner, das Shetland-Pony Bonackel, nicht auf ein kühles Bier abgesehen. Zwischen Theke, Sitznischen und ein paar Gästen waren es vielmehr die gereichten Leckerli, auf die er sein Auge geworfen hatte.

Leckerlis helfen Bonackel gegen Hunger – und gegen die Nervosität

Die Snacks halfen einerseits gegen den Hunger des Ponys, andererseits gegen die Nervosität, die man dem Tier anfangs ziemlich deutlich anmerkte – und die in Form dreier nicht eben kleiner Hinterlassenschaften auf dem Kneipenboden auch sichtbar wurde. Jedoch machte Bonackel seine Sache erstaunlich gut, inklusive Gang die Treppe hinunter und später wieder hinauf.

Ob auch er spürte, dass es in Leonberg mit großen Schritten auf den Pferdemarkt zugeht? Der Amtei-Betreiber Ludwig Essig jedenfalls merkt es ganz gewaltig. Daher hatte er auch zu jenem Termin eingeladen. „Der Pferdemarkt findet in diesem Jahr zum 333. Mal statt, und die Alte Amtei wird 675 Jahre alt“, sagt er. „Das ist ein Grund, gemeinsam zu feiern.“

Leonberger Pferdemarkt: nicht nur Party, es gibt nach wie vor echten Pferdehandel auf dem Marktplatz. Foto: Simon Granville

Die 675 Jahre beziehen sich auf jenes Datum, an dem das Gebäude mit Keller erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die ältesten Teile des Hauses stammen sogar aus dem frühen Mittelalter. Zwischen 1800 und 1870 wohnte in dem Gebäude der herzogliche und später königliche Oberamtmann. In den Keller derweil passten einst mächtige 18 000 Liter Wein.

Da ist es fast logisch, dass in jenem Keller noch immer eine Kneipe zu finden ist. Die hat natürlich auch zum Pferdemarkt geöffnet, Ludwig betreibt sie seit Mai 2025. Er präzisiert: „Genau genommen ist es der einzige Altstadtkeller, der das ganze Jahr über geöffnet hat.“ Die restlichen Locations – zum Beispiel Ruff-, ZWO-, oder Kleinfelder-Keller, um nur einige zu nennen – öffnen lediglich zu Leonbergs größter, fünftägiger Party. Los geht’s in diesem Jahr am Freitag, 6. Februar.

Zurück zum Pferd in der Bar. Bonackel, der sein Zuhause in einem Stall im Leonberger Teilort Gebersheim hat, posierte gemeinsam mit Ludwig Essig für Fotos und Videos. Das Ross selbst hat übrigens auch eine Pferdemarkt-Vergangenheit. Das mehrfach prämierte Pony wurde vor 20 Jahren beim traditionellen Pferdehandel auf dem Leonberger Marktplatz gekauft. Man kann zwar nicht sagen, dass er solche Auftritte wie jenen in der Amtei gewöhnt ist – sie sind ihm allerdings nicht fremd: Bonackel hat in der Vergangenheit auch mal bei Seniorinnen und Senioren im Altenheim vorbeigeschaut und ist sogar schon Aufzug gefahren.

Die Alte Amtei – ein wunderbares Fachwerkhaus in der Leonberger Altstadt

Zum Kneipenkeller der Alten Amtei führt indes eine Treppe hinab. Über dem Rundbogen der Zugangstür spannt sich ein prächtiges Fachwerk. Dazu – wie auch zu fast allen historischen Orten und Gegebenheiten – kennt auch die Lokalhistorikerin und Stadtführerin Roswitha Brand unzählige Geschichten. Auf Essigs Einladung ist sie deshalb mit zum Termin mit Pferd gekommen. Und sie muss gestehen: Ein Pony in einer Leonberger Gaststätte hat sie noch nie erlebt.

Für Ludwig Essig ist der Pferdemarkt etwas ganz Besonderes. Der Weissacher, der in der Strudelbachgemeinde für die Unabhängige Liste auch im Gemeinderat sitzt, ging in Leonberg zur Schule. So kam früh eine Verbindung zu den großen Festtagen zustande. „Ich war als Kind schon mit dabei“, sagt er.

Da passt es nur zu gut, dass 2025 auf dem Pferdemarkt auch die Idee reifte, die damals pächterlose Alte Amtei zu übernehmen. Zu jenem Zeitpunkt hatten die Leonberger Waldhexen die Lücke gefüllt und die Lokalität zum Pferdemarkt bewirtet. Das war einigermaßen spontan, nachdem zuvor klar geworden war, dass die Fasnetzunft das alte Gasthaus Sonne nicht mehr nutzen kann. „Die Waldhexen sind auch in diesem Jahr herzlich bei uns willkommen“, sagt Essig, „und alle anderen Fasnetzünfte auch.“

Alte Amtei: Spezielle Öffnungszeiten am Pferdemarkt

Am Pferdemarkt hat die Alte Amtei nicht nur zu den regulären Zeiten von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Am Montag ist ab 18 Uhr offen, am Pferdemarkt-Dienstag schon ab 10 Uhr.

Bonackel hat derweil genug von diesem PR-Termin. Die Treppe nach oben nimmt er im Laufschritt. Mal sehen, ob es beim Pferdemarkt ein Wiedersehen gibt.