So schön und noch schöner soll der Kursaal wieder sein, verspricht Föll. Foto: Zweygarth

Der erste Bürgermeister hat das Betreiberkonzept erläutert und Fragen beantwortet.

Bad Cannstatt - Die Diskussion um die Zukunft des Cannstatter Kursaals geht weiter. Am Mittwochabend hat der erste Bürgermeister Michael Föll Bürgerinnen und Bürgern das Betreiberkonzept für das denkmalgeschützte Ensemble vorgestellt, dessen Sanierung im Herbst nach sechseinhalb Jahren fertig werden soll.

Der Vorschlag der Stadtverwaltung sieht wie berichtet vor, den Kursaal als Bürgerzentrum zu führen, in dem förderungswürdige Nutzer wie Sport- und Bürgervereine, Kirchengemeinden, Schulen und kulturelle Vereinigungen Vorrang haben – wenn sie 18 Monate vor dem Termin unverbindlich und spätestens zwölf Monate vorher verbindlich reservieren. Um den Saal auszulasten und das finanzielle Defizit so gering wie möglich zu halten, soll aber die Veranstaltungsgesellschaft In Stuttgart den Kursaal betreiben und für kommerzielle Nutzungen vermarkten. „Um diese Interessenlagen unter einen Hut zu bringen, wird ein Nutzerbeirat unter dem Vorsitz des Bezirksvorstehers eingerichtet“, sagte Föll beim Informations- und Ausspracheabend. Noch seien die Eckpunkte des Betreiberkonzepts nicht in Stein gemeißelt, so Föll weiter: „Ich habe heute den ganzen Abend Zeit für Ihre Fragen.“

Und davon gab es reichlich. Anneliese Schick vom Turnerbund Cannstatt regte an, nicht nur Feiern und Veranstaltungen im Blick zu haben: „Als Sportverein sind wir immer dringend auf der Suche nach Räumen für den Übungsbetrieb.“ Manfred Schmid, Präsident des Turnvereins Cannstatt, kritisierte die langen Vorlaufzeiten für Terminvergaben: „18 oder zwölf Monate im Voraus planen wir ein großes Jubiläum, nicht aber eine Ehrung oder unseren Frühlingsball.“ Naemi Zoe Keuler wollte ebenfalls wissen, inwieweit der Kursaal als Übungsraum für das aus allen Nähten platzende Kulturkabinett genutzt werden könne. Außerdem befürchtet sie deutlich mehr Verkehr und noch mehr Parkdruck im Kurparkviertel, sollten die angepeilten bis zu 400 Veranstaltungen im Jahr im sanierten Kursaal stattfinden. Werner Schüle, stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung Cannstatter Vereine, forderte, den Spieß umzudrehen: „Die Verwaltung der Kursäle sollte beim Bezirksamt liegen, das bei der Akquise von Veranstaltungen von der In Stuttgart unterstützt wird.“ Nur dann könne der Kursaal ein echtes Bürgerhaus werden. Für diese Lösung plädierte auch Manfred Elser vom Verein Cultur in Cannstatt: „Wir brauchen kurze Wege, um über den Kursaal zu reden und ihn zu mieten.“

Der Kursaal als Chance

Michael Föll erinnerte während der Diskussion wiederholt an den finanziellen Aspekt eines Betriebs durch die In Stuttgart. „Den Kursaal wirtschaftlich zu vermarkten, ist auch eine Chance, dieses Juwel über Cannstatt hinaus bekannt zu machen.“ Die Parksituation dürfe dafür kein Hindernis sein – schließlich sei der Kursaal nicht nur gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, sondern habe nun auch eine Tiefgarage mit 87 Plätzen. Regelmäßige Nutzungen des Kursaals durch Vereine zuzulassen sei zwar nicht ausgeschlossen, aber schwierig zu realisieren: „Die Räume sind für Bewegungsangebote etwa nicht geeignet“, so Föll. Wenn die Cannstatter Vereine zusätzliche Räume für ihren Übungsbetrieb brauchten, müssten andere Lösungen gesucht und gefunden werden. Die Verwaltung habe in der Vorlage mit Bedacht von einem Bürgerzentrum statt von einem Bürgerhaus gesprochen.

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