Sportler und Zuschauer im Schottenrock: Organisator Andreas Deuschle mit den Besuchern Stewart Buchannan, James Gerren und Kenneth Buchannan (von links) bei den Nürtinger Highland Games. Foto: Kerstin Dannath

An den 16. Highland Games in Nürtingen (Kreis Esslingen) haben neun Männer und eine Frau teilgenommen – freilich alle im Schottenrock. Dabei zeigte sich, dass der Wettkampf nicht einfach ein Kuriosum ist. Neben Kraft müssen Sportler auch die Technik mitbringen.

Echtes Schottland-Feeling auf dem Sportgelände des SV Hardt – bei knackigen zwölf Grad und leichtem Regen maßen sich zehn Athleten aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich bei den 16. Nürtinger Highland Games in fünf Disziplinen: Steinstoßen, Hammerwerfen, Gewicht-Hochwurf, Distance und Baumstamm-Schleudern standen auf dem Programm. Einen Schottenrock zu tragen war dabei Pflicht – auch für Organisator und Ex-Highlander Andreas Deuschle. Er freute sich, dass das Teilnehmerfeld trotz starker Konkurrenzveranstaltungen gut bestückt war: „Von der Anzahl der Athleten sind zehn hervorragend, arg viel mehr dürften es gar nicht sein.“

 

Der ehemalige Kugelstoßer und Sportsoldat Deuschle blickt selbst auf eine lange und erfolgreiche Karriere als Highlander zurück – er entschloss sich zwar erst mit 40 Jahren dazu, Baumstämme und schwere Eisengewichte zu werfen, heimste aber trotzdem noch zahlreiche Deutsche Meistertitel ein. 2018 wurde er sogar Weltmeister und 2023 vom Weltverband in die Hall of Fame aufgenommen. Im selben Jahr beendete er mit 55 Jahren seine aktive Karriere: „Die Knochen haben nicht mehr mitgemacht“, erklärt Deuschle, der aber weiter kräftig in der Szene mitmischt.

19-Jährige Schweizerin bei den Nürtinger Highland Games

Denn die traditionsreiche Sportart fasziniert nicht nur ihn bis heute: Einst trugen die keltischen Könige die Highland Games aus, um die stärksten und schnellsten Männer Schottlands zu finden. Die wurden dann meist königliche Leibwächter, Boten oder Krieger. Heute hat sich das natürlich gewandelt und der fast 1000 Jahre alte Sport wird in verschiedenen Alters-, Gewichts- und Leistungsklassen ausgetragen. In ihrer Heimat sind die Highland Games Volksfeste für die ganze Gesellschaft und locken zum Teil Tausende von Zuschauern an. Ganz so viele waren es in Nürtingen zwar nicht, angesichts des miesen Wetters war aber dennoch eine stattliche Anzahl gekommen.

Die Schweizerin Jessica Mäder, 19, war in Nürtingen die einzige weibliche Teilnehmerin. Foto: Kerstin Dannath

Die verschiedenen Disziplinen stellen hohe Anforderungen an Kraft und Technik. Auch Frauenklassen gibt es. Eine der Highlanderinnen ist Jessica Mäder aus dem Züricher Oberland. Sie war bei der 16. Auflage der Nürtinger Highland Games allerdings die einzige Vertreterin ihres Geschlechts. Bei der 19-Jährigen sind die Spiele eine Familienangelegenheit – meist sind auch Vater Dominik und Bruder Mirco mit am Start. Ihren ersten Wettkampf bestritt Jessica Mäder mit 13 Jahren – sie ist bis heute von der Vielseitigkeit der Sportart begeistert: „Die verschiedenen Disziplinen sorgen für große Abwechslung.“ In dieser Saison will die junge Schweizerin auch erstmals auf europäischer Ebene ins Wettkampfgeschehen eingreifen.

Von den Sportlern ist nicht nur Kraft, sondern auch Technik gefragt

Ganz am Anfang seiner Highlander-Karriere steht dagegen Adrian Golenz aus Großbettlingen. Die Nürtinger Spiele waren die Premiere des 17-Jährigen, er trainiert erst sei ein paar Monaten beim SV Hardt. Andreas Deuschle habe ihn im Fitnessstudio aufgegabelt und ins Training eingeladen, erzählt der 1,90 Meter große und 120 Kilogramm schwere Hüne zwischen zwei Disziplinen. Aufgefallen sei Golenz ihm zuerst durch seine Statur, ergänzt Deuschle. Beim Probetraining habe er sich dann ganz gut angestellt. „Obendrein hat es einfach Spaß gemacht“, sagt Golenz. Als Kraftsportler haben ihn die verschiedenen Disziplinen gereizt, er müsse aber noch etwas an seiner Technik feilen: „Die ist noch nicht ganz ausgereift“, gibt er zu.

Mit Stewart und Kenneth Buchannan waren übrigens auch zwei waschechte Schotten bei den Nürtinger Highland Games. Zusammen mit ihrem amerikanischen Freund James Gerren waren sie eigens rund zweieinhalb Stunden aus Bad Mergentheim angereist. Aufmerksam geworden seien sie auf die Nürtinger Spiele übers Internet. Es sei fast ein Stückchen Heimat hier, freute sich Stewart Buchannan. Der einzige Unterschied: In Schottland seien die Athleten alle Profis und könnten gut von ihrem Sport leben. Aber die Disziplinen sowie das Drumherum mit Essens- und Bierständen sowie Dudelsackspieler seien tupfengleich, befand Buchannan.