Bündnis 90/Die Grünen: Immer schon die besseren Gutmenschen. Foto: dpa

Die Grünen haben sich seit ihrer Gründung 1980 in Karlsruhe alle Mühe gegeben, neue Ideen einzubringen. Hier – neben dem Autofasten – einige der kuriosesten Vorschläge aus den Reihen der Öko-Partei.

Stuttgart - Alle Jahre wieder beginnt mit Aschermittwoch die Fastenzeit. 40 Tage auf liebgewonnene Speisen und aufheiternde Getränke zu verzichten gilt traditionell als Symbol der Buße und spirituellen Erneuerung. Früher ging es beim Fasten um das Seelenheil. Heute spricht man – ganz säkular – von guten Vorsätzen. Im Prinzip bleibt es sich gleich: Ob Verzicht oder Vorsatz – man will es durchziehen und meint es ernst mit dem Motto „Weniger ist mehr“.

Das ist auch das Credo der Grünen. Die Partei hat sich seit ihrer Gründung am 12./13. Januar 1980 in Karlsruhe alle Mühe gegeben, kreative und ungewöhnliche Ideen in Politik und Gesellschaft einzubringen. Auch wenn die Republik dem grünen Projekt sehr viel verdankt, haben in den basisdemokratischen Grundsatzdebatten auf Parteitagen und sonstigen Treffen doch so manche kuriose Vorschläge das Licht der Welt erblickt.

b>Verzichten – Fasten – Autofasten

Verzichten: Ja! Aber aufs Auto?

Die Deutschen haben klare Vorstellungen, was sie reduzieren wollen: etwa Bier, Wein oder Schokolade. Den meisten Fasten-Fans fällt das offenbar nicht sonderlich schwer, weshalb ihr Fasten auch gar kein wirklicher Verzicht ist. Aber was ist, wenn es um des deutschen Mannes Lieblingsspielzeug geht? Um das Auto? Und ums Autofasten?

Autofasten, erst die Kirchen und jetzt die Grünen

Seit 20 Jahren gibt es die Idee, der Umwelt zuliebe das Auto während der Fastenzeit stehen zu lassen: www.autofasten.de. Hinter dem Projekt stehen katholische Bistümer und evangelische Landeskirchen, die den Fastengedanken in die Moderne übertragen wollen.

„Immer mehr – immer weiter – immer schneller – dieses Leitbild des zu Ende gehenden fossilen Zeitalters verliert seine Gültigkeit in einer an Nachhaltigkeit orientierten Welt und mit ihr der Zukunft der Mobilität“, heißt es im Flyer der 20. Autofasten-Aktion.

Die Grünen finden den Vorschlag so gut, dass sie ihn sich als Verhaltensvorschlag zu eigen gemacht haben.

Deutschland, einig Autoland

45 Millionen Fahrzeuge – und kein Ende in Sicht

Rund 45 Millionen Fahrzeuge drängeln sich hierzulande auf den Straßen, häufig staut es sich. Kaum hinterfragt werden Nebenwirkungen unserer „autogerechten“ Städte: Viele Plätze und Grünflächen werden zum Parken gebraucht, Kinder können vielerorts nicht allein aus dem Haus, Gespräche an Hauptstraßen sind wegen des Lärms schwer möglich.

Bahn statt Auto

Angesichts der hohen Luftverschmutzung appellieren das Umweltbundesamt und die Grünen an alle Autofahrer, während der diesjährigen Fastenzeit ihren Wagen bewusst stehen zu lassen. Freiwilliges „Autofasten“ von Aschermittwoch bis Ostern könne dazu motivieren, auch dauerhaft auf Bus, Bahn oder das Rad umzusteigen – der Umwelt zuliebe.

Während der 40 Fastentage sollten die Bahn und regionale Verkehrsträger allen „Autofasten“ Sonderrabatte gewähren, um neue Kunden anzulocken, sagen Katrin Dziekan vom Umweltbundesamt und der Grünen-Verkehrsexperte im Bundestag, Stephan Kühn.

Auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) unterstützt die Aktion. Es gehe nicht darum, das Autofahren gänzlich zu verbieten. „Aber wir können unsere Perspektiven ändern, wenn wir ganz bewusst und zumindest in der Fastenzeit auf andere Verkehrsmittel umsteigen“, erklärt die SPD-Politikerin.

Autofasten: Was bringt’s?

Was bringt es, wenn ich 40 Tage den Wagen stehen lasse?

Zunächst einmal: weniger gesundheitsschädliche Abgase, weniger Lärm. Aber angestoßen werden kann auch ein Nachdenken über die eigenen Gewohnheiten: Welche Wege muss ich unbedingt mit dem Auto machen? Würde es sich nicht auch finanziell rechnen, das Auto zu verkaufen und stattdessen auf Bus und Bahn, das Taxi und Carsharing-Angebote umzusteigen? Täte mir persönlich nicht mehr Bewegung auf dem Fahrrad gut?

Auch ein E-Bike kann interessant sein: Das Umweltbundesamt rechnet vor, dass Elektrofahrräder im Stadtverkehr bis zu zehn Kilometern das schnellste Verkehrsmittel sind. Die Hälfte aller Autofahrten ist aber sogar kürzer als fünf Kilometer.

Und das Klima?

Auch wenn es bald viel mehr Elektroautos geben soll: „Dicke Luft“ ist weiter ein Problem. Die Autos werden nach den Beteuerungen der Hersteller immer sauberer, doch bleibt die Belastung vielerorts kritisch. Besonders im Fokus zurzeit: Das Stickoxid der Diesel-Autos und -Lastwagen, die hierzulande immer zahlreicher werden. Zwischen 2008 und 2016 ist die Zahl der Diesel-Pkw um mehr als 44 Prozent gestiegen.

Auch 2016 war die Luft in deutschen Städten nach Messungen des Umweltbundesamts zu stark mit Stickstoffdioxid belastet. Und auch für Ozon und Feinstaub werden die empfohlenen Werte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich überschritten – diese sind strenger als die EU-Werte. Auch in punkto Klimagase bleibt es kritisch: Im Verkehrssektor sind diese Emissionen zuletzt angestiegen, weil mehr Kilometer gefahren werden. 2015 waren es 160,8 Millionen Tonnen.

Gibt es zu viele Autos in Deutschland?

Das ist Ansichtssache. Zumindest gibt es weltweit wenige Staaten, in denen es pro Kopf mehr Autos gibt. Hierzulande kommen 548 Autos auf 1000 Einwohner, die Zahl ist über die Jahre stetig gestiegen. Weltweit liegt Deutschland damit unter den Top 15. Autofahrer verbringen hierzulande zu Stoßzeiten pro Jahr durchschnittlich 30 Stunden im Stau, wie eine Studie des Instituts Inrix zeigt.

Stauhauptstadt Stuttgart

Dort ist schwarz auf weiß zu lesen: „Stuttgart überholt Köln als verkehrsreichste Stadt Deutschlands. In Stuttgart standen Fahrer im letzten Jahr stolze 73 Stunden im Stau, ein Anstieg von 8,5 Stunden im Vergleich zu 2014. Dadurch kletterte Stuttgart in der Liste der staureichsten Städte Europas vom fünften auf den zweiten Platz und überholte Köln als Deutschlands verkehrsreichste Stadt.“ http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.vorschlag-von-umweltbundesamt-und-gruenen-buerger-sollen-autofasten-bis-ostern.bf9ff255-6f62-476f-8cf8-a9bacc79e983.html

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