StN-Kolumnist KNITZ über journalistische Quellen und warum das Personal in den Stuttgarter Bädern ein Recht auf Mineralwasser hat.
Stuttgart - Was hätte KNITZ schon für wunderbare Geschichten an Land ziehen können, würde er mehr aufs Kleingedruckte achten! Kurzmeldungen, Kleinanzeigen, Verpackungshinweise, öffentliche Ausschreibungen werden von ihm oft keines Blickes gewürdigt. Dabei sind gerade sie ein Quell von Kuriosem und Schrägem. Wenn es zutrifft, dass in der Kürze die Würze liegt, dann hier.
Aber zum Glück gibt es Menschen wie Herrn Schuster aus Botnang, der im „Amtsblatt“ der Stadt Stuttgart auf eine öffentliche Ausschreibung gestoßen ist, in der es um die „Lieferung von Mineralwasser für die Mitarbeiter der Bäderbetriebe“ geht.
Wie auf einem Rettungsboot auf offener See
Ha no, mag der Schwabe im ersten Moment denken, was muss man die Damen und Herren mit Sprudel versorgen? Sitzt das Personal der Bäderbetriebe nicht an der Quelle? Im Eingangsbereich vom Leuze, meint KNITZ sich zu erinnern, sah er mal ein Brünnlein mit reinstem Mineralwasser sprudeln. Freibier schmeckt zwar besser, aber gegen den Durst hilft auch Wasser.
Doch beim zweiten Drüber-Nachdenken kam KNITZ auf den Trichter, dass der Schein womöglich trügt und das Brünnlein die Ausnahme ist. Auch wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr oder weniger von Wasser umgeben sind, das wenigste davon ist trinkbar. Im Grunde ist das wie auf einem Rettungsboot auf offener See: So weit das Auge reicht, alles Wasser. Aber Ebbe, was die Getränke angeht.
Wollen wir solche Szenen sehen?
Tauchen wir in Gedanken einfach mal ein in einen brütend heißen Hochsommertag. Das Thermometer im Inselbad zeigt bereits am Vormittag 30 Grad. Auf den Liegewiesen geht der Getränkevorrat zur Neige, die ersten Kühlboxen melden landunter. Ein Schwimmmeister steht schwankend wie ein Zombie am Beckenrand, eigentlich, um den Badebetrieb zu beaufsichtigen, aber irgendwann geht er entkräftet in die Knie und nimmt einen Schluck vom Chlorwasser.
Hand aufs Herz: Wollen wir solche Szenen sehen? Wollen wir wirklich, dass die Bäderbelegschaft ohne Sprudellieferung auf dem Trockenen sitzt?
Ein Leser denkt schwäbisch
Ob Herr Schuster Schwabe ist, weiß KNITZ nicht, aber offenbar scheint er schwäbisch zu denken, erinnert er in seiner Mail doch an die „zahlreichen Brunnen, die teilweise auch öffentlich zugänglich sind“ und gerade in Bad Cannstatt „bestes Mineralwasser kostenlos“ offerieren. „Vielleicht“, schreibt er, „beteilige ich mich an der Ausschreibung und liefere den durstigen Mitarbeitenden der Bäderbetriebe das benötigte Wasser aus einem dieser Brunnen.“
Ab und zu die Quelle wechseln
Eine spritzige Idee, lieber Herr Schuster, keine Frage. Und eine mit Perspektive: Wer den Zuschlag erhält, darf von 1. 6. 2022 bis 31. 5. 2026 liefern. Nur einen Rat würde KNITZ Ihnen gern mit auf den Weg geben: Wechseln Sie ab und zu die Quelle. Der Vater von KNITZ hat in grauer Vorzeit mal die Familie mit Wasser aus einem Brunnen am Kursaal versorgt. Innerhalb kürzester Zeit bekamen die Flaschen eine rostrote Patina. Hätte er auf Rat eines Arztes nicht damit aufgehört, KNITZ wäre längst durchgerostet.