Die Polizei hat alle Hände voll zu tun, um Gewalttäter bei den kurdisch-türkischen Krawallen festzunehmen Foto: dpa

Eigentlich sind Wasserwerfer für die Polizei in Stuttgart seit den Ereignissen des Schwarzen Donnerstags ein absolutes Tabu . Nach den Krawallen zwischen Kurden und Türken am Sonntag aber schlagen die Beamten Alarm.

Stuttgart - Es ist die Bilanz einer Schlacht, die am Montag nach den Krawallen zwischen kurdischen und türkischen Demonstranten in Stuttgart auf den Tisch kommt: Mehr als 50 verletzte Polizeibeamte, vier davon dienstunfähig, dazu zehn verletzte Demonstranten, zertrümmerte Polizeiautos, 26 ermittelte Tatverdächtige. Dabei war die Polizei am Sonntag mit 800 Beamten im Einsatz – eine vergleichsweise hohe Zahl, die dennoch kaum ausreichte.

„Wir sind entsetzt, was sich in Stuttgart abgespielt hat und waren überrascht über den hohen Grad der Aggression“, sagte der Stuttgarter Polizeisprecher Stefan Keilbach unserer Zeitung. Er bestätigte unserer Zeitung Überlegungen der Polizeiführung, bei künftigen Demonstrationen, die den kurdisch-türkischen Konflikt zum Inhalt haben, auch wieder die umstrittenen Wasserwerfer einzusetzen.

Nach Ansicht der Polizei lässt sich das „massive Ausmaß“ der Gewalt kaum mehr anders bewältigen. Die verletzten Beamten wurden Opfer von Böllern, Steinen und Tritten. Wasserwerfer würden deshalb ins Kalkül gezogen, weil sie einen Schutz vor Angreifern böten, aber auch die Konfliktparteien auseinander halten könnten, so die Polizei. Dies wäre ein Tabubruch: Beim Schwarzen Donnerstag hatte es beim Einsatz gegen Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 am 30. September 2010 im Schlossgarten mindestens 164 Verletzte gegeben. Dafür wurden später hochrangige Polizeibeamte wegen Körperverletzung im Amt belangt.

Die damals eingesetzten Fahrzeuge sind indes nicht mehr im Einsatz. Inzwischen ist die Wasserwerferflotte des Landes modernisiert worden.

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