Über die Platzierung der Arbeiten entscheiden die Teilnehmer gemeinsam. Foto: Sabine Schwieder

Der Kunsttreff Christ König in Stuttart-Vaihingen hat sich mit dem Thema „Der Augenblick ist Ewigkeit“ beschäftigt. Die Ausstellung wird am Samstag, 5. Mai, eröffnet.

Vaihingen - Jubiläen gibt es beim Kunsttreff Christ König in diesem Jahr gleich zwei: Die katholische Kirche in der Fanny-Leicht-Straße feiert das 90-jährige Bestehen, der Kunsttreff veranstaltet seine 15. Ausstellung seit seiner Gründung im Jahr 2002. Das Thema, das die Mitglieder in den vergangenen Monaten bearbeitet haben, verbindet die Naturwissenschaften mit der Religion: Es geht um „Zeit und Raum“. Zur näheren Verdeutlichung haben die Ausstellungsmacher der Schau den Untertitel „Der Augenblick ist Ewigkeit“ gegeben.

„Wir waren sehr gespannt, was diesmal mitgebracht wurde“, sagt Michael Gabel, Sprecher der Gruppe, die sich nur zwei-, dreimal im Jahr trifft: um das Thema für die nächste Ausstellung festzulegen und um gemeinsam die Werke zu platzieren. Eine Zusammenarbeit, die sehr harmonisch verläuft, finden die Beteiligten.

Sehr persönliche Beiträge

In diesem Jahr sind die Beiträge vielfach sehr persönlich gehalten. Gabel selbst hat das Modell eines Brunnens beigesteuert, der eines Tages in seinem heimischen Garten stehen soll. Für ihn ist ein Wassertropfen wie ein Augenblick in der Ewigkeit. Agnieszka Engelmann hat den Tod von nahen Verwandten zum Anlass genommen, aus alten Familienfotos Jahreszeiten-Bilder zu gestalten. Angelika Sachs hat ein Gemälde des verstorbenen Vaters um eigene Erinnerungen erweitert.

Andere haben sich mehr mit der wissenschaftlichen Seite von Zeit und Raum beschäftigt. Roland Bergers farbige Plexiglasscheibe weist auf die Entdeckung von durchsichtigen Galaxien hin. Im Foyer des Gemeindezentrums begrüßt Albert Einstein die Besucher: Jörg Huber erinnert mit seiner Collage an den berühmten Physiker, dessen ausgestreckte Zunge zur Ikone wurde. „Er löste das Geheimnis von Zeit und Raum“ hat Huber seine Arbeit genannt. Die menschliche Figur, die bei Hubers zweiter Arbeit „Bewegung im Raum“ in einem Meer von Grau und Blau verschwindet, versinnbildlicht die bedeutsamen Koordinaten des Lebens: Zeit und Raum. Im Treppenhaus hängt ein Mobile aus Draht, alten Brillengestellen und Uhren. Mit seinem Objekt und dem dahinter aufgehängten Bild mit altertümlich anmutenden Zifferblättern hat Waldemar Schenk, die Bewegung im Fortschreiten der Zeit beschrieben.

Totentanz

Dieter Groß geht einen Schritt weiter und verweist mit seinen zwei farbigen Zeichnungen aus einem Totentanz-Zyklus auf das Ende des Lebens. Zu sehen ist ein Narr, der beobachtet, wie die Zeit verrinnt („Heute ist Morgen schon gestern“). Ein Skelett („Der ständige Begleiter“) erscheint als Schatten an der Wand. „Die Uhr sagt uns, wie spät es ist. Sie sagt uns nicht, was die Stunde geschlagen hat“, meint der Künstler dazu.

Eine Puppe ohne Kopf

Im kleinen Saal des Gemeindezentrums verlockt eine schwarz verhüllte Puppe ohne Kopf zur näheren Betrachtung. Sie trägt ein filigranes Gestell aus Holzstäben und eine Sanduhr in den Händen, ihr Kleid ist mit Schaumstoffkugeln geschmückt, die das Sonnensystem zeigen. Für ihren Erschaffer verkörpert die Figur das Göttliche.

Der größte Teil der Beiträge hat wie diese einen religiösen Bezug. Vom oberen Treppenabsatz leuchtet den ankommenden Besuchern die Hand Jesu entgegen („Follow me“ von Béatrice Mitry). Barbara Berger abstrahiert einen Ausschnitt aus dem Altar-Ensemble der Vaihinger Kirche. Als Reliquie hat sie ein Röntgenbild in einer Lücke angebracht, von der aus feine Fäden kreuz und quer verlaufen.

Ingrid Kempf hat mit Ton einen Augenblick in einem abgebrannten Kloster für die Ewigkeit gebannt. Und Ursula Freys schmale Linoldrucke zeigen zarte Rosen, unter denen die Gesichter der Madonna und ihres Sohnes aufscheinen. Auf die Tore des Neuen Jerusalems weisen die Bilder von Günter Kreuzer hin.

Ohne spirituelle Sinnstiftung nicht zu ertragen

Den rasanten Wandel der vergangenen Jahrzehnte hat Detlev Schulze-Fehrenbach dokumentiert, dessen Interieur alte Fotoalben und ein altmodisches Telefon mit einem modernen Smartphone kombiniert. Populärwissenschaftliche Zeitschriften auf dem alten Schreibtisch versuchen, Erklärungen für den Urknall oder das Universum zu bieten. „Aber“, so warnt der Künstler, „bei aller Faszination für die physikalischen Deutungen der Ewigkeit: ohne spirituelle Sinnstiftung ist die Grenzenlosigkeit nicht zu ertragen.“

Zeit und Raum – Der Augenblick ist Ewigkeit 14 Mitglieder des Kunsttreffs Christ König zeigen ihre Arbeiten zum Thema „Zeit und Raum – Der Augenblick ist Ewigkeit“. Die Ausstellung im Gemeindezentrum an der Fanny-Leicht-Straße wird am Samstag, 5. Mai, um 19.30 Uhr mit Jazzmusik von Frank Mayer & Friends eröffnet. Sie ist bis zum 6. Juli montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr, samstags von 17.30 bis 20 Uhr und sonntags von 10 bis 13 Uhr zu sehen.

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