Kunsttag „Made in Münchingen“ Die Schatzkammer Münchingens öffnen

Von koe 

Gvido Esmanis lebt seit 35 Jahren in Münchingen. Dort hat er einen Pferdestall zu einem Atelier umgebaut. Foto: factum/Granville
Gvido Esmanis lebt seit 35 Jahren in Münchingen. Dort hat er einen Pferdestall zu einem Atelier umgebaut. Foto: factum/Granville

Beim Kunsttag am Sonntag öffnen ortsansässige Künstler im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen ihre Ateliers. Ganz strikt umgesetzt ist das Motto „Made in Münchingen“ aber nicht.

Korntal-Münchingen - Es sind 33 Frauen und Männer, die an 15 Orten zeigen, was alles Kunst ist: Malerei, Collagen, Drucke und Grafiken, Skulpturen, Installationen, experimentelle Fotografie, Musik und Literatur. Womit längst nicht alles aufgezählt ist von dem, was die Besucher beim Kunsttag „Made in Münchingen 2.0“ am 9. September in dem Korntal-Münchinger Stadtteil erwartet. Schließlich sind fast 700 Werke zu sehen. „Made in Münchingen“ heißt die Veranstaltung, weil fast alle Beteiligten in dem Stadtteil leben oder zumindest dort ihr Atelier haben. Bloß eine Handvoll ist von außerhalb, davon die Hälfte aus Korntal. Das „2.0“ besagt, dass der Kunsttag nach 2016 zum zweiten Mal stattfindet.

„Mit dem Kunsttag möchte ich die Schatzkammer Münchingens öffnen und verdeutlichen, welche Bandbreite an Kunst es hier gibt“, sagt Gvido Esmanis. Er ist der Organisator, er malt und stellt Plastiken her. Und er hat – konsequenterweise – Hobbykünstler, Autodidakten und Profis eingeladen. Das war schon bei der Premiere so. Mit dem Unterschied, dass die Veranstaltung wächst: Im September vor zwei Jahren nahmen noch 26 Künstler teil.

Ungewöhnliche Lokalitäten

Die Lokalitäten indes sind erneut so vielfältig wie die Künstler – und mitunter ungewöhnlich. Gvido Esmanis hat die Albert-Buddenberg-Halle und das Flattichhaus gemietet, die Künstler stellen zudem in ihren eigenen Ateliers aus, die da zum Beispiel Gärten, Scheunen und einstige Pferdeställe sind. Die Fotografin Ursula Plocher hat im Schloss Wohn- samt Arbeits- und Ausstellungsräume, und bei Elisa Thiel verschwimmt die Grenze zwischen Wohnen und Arbeiten sogar. „Ihr komplettes Haus ist zugleich auch ihr Atelier“, sagt Esmanis.

Das Atelier des 64-Jährigen war einmal ein landwirtschaftlicher Hof mit Kühen und Pferden. Was ziemlich gut passt, denn Gvido Esmanis liebt Pferde. Mit Mitte 20 fing er zu reiten an, sein eigenes Pferd stand mal dort, wo er heute arbeitet. In seinen Werken tauchen immer wieder Pferde auf – auf den ersten Blick oder versteckt auf den zweiten. Gvido Esmanis malt und formt aber auch Abstraktes. Dabei hat er ein ganz eigenes Verständnis von Kunst.

Ein Nicht-Künstler mit hohen Ansprüchen

Er definiert sie mit einer Art zehn Gebote: Kunst, das ist Emotion, Besessenheit, handwerkliches Können, das Wissen um Materialien, Mut und Ausdauer, unbegrenzte Fantasie. „Was ich unter Kunst verstehe, kann ich aber nicht erfüllen beziehungsweise erreiche ich die Kriterien nur in einem geringen Maß“, sagt Esmanis. Weshalb er sich als „malender und plastizierender Freiwerker“ bezeichnet, nicht als Künstler. Gleichwohl stellt der 64-Jährige derart hohe Ansprüche nur an sich selbst und nicht an die Künstler, die Münchingen am Sonntag in eine rund zwei Kilometer lange Kunstmeile verwandeln. „Der Betrachter soll entscheiden, was es ist, was er sieht“, findet Gvido Esmanis.

Sein Anliegen ist es, „die Menschen zu ermutigen, sich zu präsentieren“. Wie am Kunsttag. „Meine Werke drücken die pure Freude am Leben aus – das will ich weitergeben“, sagt der gelernte Kaufmann, der mit Anfang 30 zur Kunst fand: Als Vize-Geschäftsführer eines Tochterunternehmens des Software-Giganten IBM gestaltete er mit einer Kunstpädagogin Seminare für Führungskräfte. Einmal, beim gemeinsamen Tonen – ja, er formte einen Pferdekopf – merkte er: „Anfassen und gestalten macht Freude.“ So viel, dass er seinen Job kündigte, um fortan zu tonen und zu malen. Ob sie die Werke Kunst, Nicht-Kunst, Anti-Kunst oder ganz anders nennen, das entscheiden die Besucher dann am Sonntag.

Eröffnung
Der Kunsttag beginnt am Sonntag, 9. September, um 9.45 Uhr mit einem Gottesdienst in der Johanneskirche, Kirchgasse 1. Die Ateliers und die weiteren Lokalitäten öffnen von 11 bis 18 Uhr. Ebenfalls um 11 Uhr gibt es ein Weißwurst-Frühstück im Atelier Freiraum des Künstlers Gvido Esmanis, Ziegeleistraße 23/29, es folgt um 13.30 Uhr Musik. Von 14.15 Uhr an gibt es im Schloss Kaffee und Kuchen sowie Musik. Diese erwartet die Besucher auch im Heimatmuseum von 15.30 Uhr an. Elisa Thiel lädt für 16.30 Uhr zur Lesung „Gespräche mit dem Wind“ ein (Butzengasse 3). Im Atelier Freiraum klingt der Kunsttag von 18.30 bis 21 Uhr bei Getränken und Häppchen aus.

13 Künstler auf einmal „Art meets History“ – die Gemeinschaftsausstellung von Münchinger Künstlern – öffnet um 11 Uhr im Heimatmuseum. Sie geht bis 28. Oktober und ist in der Zeit sonntags von 11 bis 12 und 14 bis 17 Uhr sowie dienstags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Am Kunsttag ist die Schau bis 18 Uhr offen.

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