Kunsttag in Münchingen Eine Flaniermeile, die es in sich hat

Von Franziska Kleiner 

Beim Kunsttag in Münchingen ist viel los gewesen. Aber auf den Straßen war es still – ganz im Sinne des Veranstalters.

Ein ehemals landwirtschaftliches Gebäude ist heute ein Atelier. Foto: factum/Weise

Korntal-Münchingen - Abstrakt und gegenständlich, zweidimensional und dreidimensional, bunt oder monochrom, Bild oder Skulptur. Für die Arbeiten, die beim Kunsttag „Made in Münchinen 2.0“ am Sonntag zu sehen waren, gab es keine Grenzen. Gezeigt wurde, was zum allergrößten Teil in Münchingen entstanden ist. Manch’ einer der Besucher blieb erstaunt stehen: „Schau’ mal“ – zwei Worte, die häufig zu hören waren in der Münchinger Ortsmitte. Auf zwei Kilometern flanierten die Besucher an diesem Tag durch die Straßen, von Ausstellungsort zu Ausstellungsort. Mancher wurde zudem zum Konzertraum: Die Auftritte zweier Chöre und der Handharmonika-Club standen auf dem Programm.

Die Besucher sahen an 14 Orten Werke von Künstlern, die häufig ausstellen und Arbeiten von Menschen, die bisher nicht an die Öffentlichkeit gegangen waren. Wie etwa Margit Kraft. Die Lehrerin, die in Hemmingen unterrichtet, zeigte ihre abstrakten Bilder. Der Weg hin zur Abstraktion sei eine Entwicklung gewesen, erzählte sie. Nun überraschte sie so die Besucher, die bisher nicht die Künstlerin in ihr gekannt hatten.

Vielfältiger hätten die Ausstellungsorte nicht sein können. Die Albert-Buddenberg-Halle, das Heimatmuseum, umfunktionierte Scheunen und das Johann-Friedrich-Flattich-Haus wurden für diesen Tag zur Ort der Kunst. Manches davon – wie das Werkstatt-Atelier der Künstlergemeinschaft von Gvido Esmanis – war vorher schon von Kunst erfüllt und wird es auch weiterhin bleiben. Manches aber war nur für diesen einen Tag zur Galerie geworden. Im Heimatmuseum etwa hatten neun Künstler ihre Werke ausgestellt. Hans -Peter Weidle erinnerte an das einstige Bauerndorf mit seinen Kühen und Pferden. Die Verbindung von Kunstmotiven und Ausstellungsort war indes nicht überall gegeben. Aber die Skulpturen von Karl-Heinz Schäf, die etwa in der Buddenberg-Halle zu sehen waren, brauchten Platz, um zu wirken. „In Demut“ nannte er die Arbeit aus gekalktem Schwemmholz, schlanke Figuren mit ausdrucksstarker Körperhaltung.

Die meisten Künstler sind aus Münchingen

2500 Flyer hatte der Organisator Gvido Esmanis nach eigenen Angaben verteilen lassen und dies weit über die Stadtgrenzen Korntal-Münchingens hinaus. Von den 33 Ausstellern leben 27 in Münchingen oder haben dort ihr Atelier.

Bei dem nach 2016 zweiten Kunsttag „Made in Münchingen“ zeigte der Ort, was in ihm steckt. Esmanis wollte ein Bewusstsein schaffen für Kunst und Kultur, die in Münchingen beheimatet ist. In gewisser Weise sei ihm das schon gelungen, sagte er. Eine für Oktober geplante Stadtführung trägt das Motto „Vom Bauerndorf zum Künstlerdorf?“ Dieser Frage wolle Ewald Gaukel nachgehen, der stellvertretende Vorsitzender des Heimatvereins.

Möglich wurde der Kunsttag durch Spenden, darunter zwei Großspendern. Dazu zählte Esmanis auch die Stadt, die ihm einerseits die Halle zur Verfügung stellte, andererseits Unterstützung durch den Bauhof gewährte. Über seine eigene Motivation musste er nicht nachdenken: „Ich lebe seit 35 Jahren in Münchingen.“ Er sei damals so wunderbar aufgenommen worden. „Nun will ich etwas zurückgeben.“

Kunsttag, kein Straßenfest

In den Straßen selbst war es still, auch wenn vergleichsweise viele Menschen unterwegs waren. Die meisten flanieren alleine oder zu zweit an dem Spätsommertag durch den Ort. Der ein oder ander blieb mal stehen, vergewisserte sich auf dem Plan, ob er richtig war, fragte nach bei Leuten, die in dem Moment des Wegs kamen. Bewusst habe er im Faltblatt kaum Straßennamen genannt, sagte Esmanis, der damit die Kommunikation der Menschen provozierte. Ansonsten war es auf den Straßen ruhig, kein Trubel, kein Rummel, keine Verkaufsstände. So wollte es der Organisator. Die Menschen sollten bewusst zur Kunst,zur Kultur kommen. „Straßenfest? Never ever“, sagte Esmanis. Anders formuliert: Ein Straßenfest wird es mit ihm nie geben. Erweiterungsmöglichkeiten sieht der Veranstalter vielmehr in einem Mehr an klassischer Musik und literarischen Angeboten.