Monika Schreiber hört mit ihrer Galerie Wendelinskapelle auf. Doch die umtriebige Marbacherin bleibt der Kunst und Stadtbelebung treu – mit neuen Projekten und kreativen Ideen.
Sie will etwas mehr Zeit für sich und deshalb ihre Galerie Wendelinskapelle in Marbach nach 24 Jahren schließen. Von Juli an wird der Raum über der Buchhandlung Taube jedenfalls neu genutzt. Ob Monika Schreiber das mit der „Zeit für sich“ gelingt, stellt sie allerdings sogar selbst infrage. Denn die umtriebige Marbacherin hat auch weiterhin viel vor.
Das liegt zum einen daran, dass sie ihren ursprünglichen Plan, Ende 2025 komplett mit der Galerie aufhören zu wollen, nochmals überdacht hat. Irgendwas mit Kunst muss schon sein, warum also nicht an Ort und Stelle? Deshalb wird sie auf der kleinen Empore ganz oben in der Galerie auch künftig weiter Rahmungen und kleine Geschenke anbieten. Allerdings zu deutlich abgespeckten Öffnungszeiten.
Einsatz für die Kunst in Marbach
In den vergangenen 24 Jahren war Monika Schreiber quasi nonstop in ihrer Galerie Wendelinskapelle, auch an den eigentlich freien Tagen, um große Bilder zu rahmen oder Ausstellungen vorzubereiten. An den Wochenenden fuhr sie zu Künstlern oder auf Messen.
Zum anderen könnte es mit „mehr Freizeit“ schwierig werden, weil Moni Schreiber eben jemand ist, der nur so vor kreativen Ideen sprüht. Einmal angestupst, entwickelt sie ein charmantes Vorhaben nach dem anderen. Gerade plant sie etwa ein Kinderfest zu Ostern, eine Genusstour durch Marbach und ein Revival der Lokalrunde. Warum? Weil sie Marbach beleben will, weil sie Leute einfangen will, „dass sie hierbleiben“.
Und weil sie es kann. Weil sie weiß, wie es geht. Das hat Moni Schreiber in den vergangenen vielen Jahren so häufig bewiesen, dass die Liste an Projekten, die sie anstieß, organisierte oder bei denen sie beteiligt war, nur unvollständig sein kann.
Ein ganz großes Ding war zum Beispiel die Walzenkunst. Mitten während der Großbaustelle in der Fußgängerzone Marbach initiierte die Galeristin ein Kunstprojekt mit Straßenwalzen. Eine Künstlergruppe druckte mit dem schweren Gerät großformatige Holzschnitte auf Stoff und Papier.
Oder die Bemalung des oberen Decks des Marbacher Parkhauses, noch heute zu sehen. Ebenso wie die Lichtpyramide am Seniorenstift, nur eines ihrer Projekte, bei dem sie gemeinsam mit ganz jungen und ganz alten Menschen Kunst schuf. Stichwort Kunstwerkstatt beim Sommerferienprogramm.
Oder die vielen, vielen Benefizveranstaltungen für „Stückchen Himmel“, einem Hilfsprojekt in Brasilien. Oder die Bildhauersymposien, die Sunrisepartys, die verkaufsoffenen Sonntage... Wo Moni Schreiber überall mitmischte – es könnte Bücher füllen.
Apropos. Auch die riesigen Schillerbücher, die einst zum Geburtstag des Dichters in der ganzen Stadt aufgestellt waren, gingen mit auf die Kappe der Marbacherin. Hinzu kommen zahllose Ausstellungen, Vernissagen, Aktionen für Kinder und Erwachsene, umhäkelte Straßenlaternen, bunte Besen, gelbe Liegestühle vor den Geschäften und vieles mehr.
„Ich hab nur so verrückte Sachen machen können, weil ich Leute hatte, die mich unterstützt haben.“
Monika Schreiber, Galeristin
Einfach nur acht Stunden in ihrer Galerie zu verbringen, war nicht ihr Ding. „Das hat nur funktioniert, weil ich draußen so viel gemacht habe“, sagt Moni Schreiber. Und sie betont: „Ich hab nur so verrückte Sachen machen können, weil ich Leute hatte, die mich unterstützt haben.“ Ein dickes Dankeschön geht deshalb unter anderem an den städtischen Bauhof, Martina Sieber und Gabi Vosseler, die von der ersten Vernissage bis zur letzten immer dabei waren, sowie an ihren Mann Gerhard.
„Die Ideen kommen einfach“
Wie sie auf all diese Ideen immer kam? „Ich weiß es nicht“, sagt Moni Schreiber lachend. „Die kommen einfach.“ Sie plant ja auch schon die nächsten Aktionen. „Mir fällt sicher noch mehr ein.“
Zum 1. Juli verlegt sie ihre verkleinerte Galerie auf die Empore der Wendelinskapelle, bis dahin läuft auch die Benefiz-Kunstaktion weiter. Was in den unteren Galerie-Räumlichkeiten also im Stockwerk der Buchhandlung Taube, entsteht, ist noch ein Geheimnis. Es soll bald gelüftet werden.