Eine große Brustschleife der sächsischen Königin Amalie Auguste Foto: AP/Juergen Karpinski

Nach dem dreisten Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden fahndet die Polizei weiter nach den flüchtigen Tätern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Dresden - Was derzeit über den Kunstraub im Grünen Gewölbe in Dresden bekannt ist – und was Stuttgarter Experten dazu sagen.

Was wurde gestohlen?

Was genau entwendet wurde, ist noch nicht klar. Eine umfassende Bestandsaufnahme sei erst nach Ende der Spurensicherung möglich, erklärte Museumsdirektor Dirk Syndram. „Sobald der Tatort freigegeben ist, werden wir die Sachen schnellstmöglich bergen und wissen, wie viel von den knapp 100 Objekten, die insgesamt in der Vitrine waren, nicht mehr da sind.“ Klar sei aber, dass viel mehr als die zehn Teile der Brillant- und Diamantgarnituren fehlten. Er vermute, dass die Große Brillantschleife darunter sei. Syndram geht davon aus, dass Profis am Werk waren, aber: „Es sieht eher so aus, dass sie reingegangen sind und so schnell gegriffen haben, was sie konnten. Da ging es wohl eher um das Glitzern als um den Sammler mit speziellem Interesse.“

Sind die Schätze versichert?

Kulturgüter aus öffentlichen Museen sind im Prinzip nicht versichert, Schäden über die sogenannte Staatshaftung gedeckt. Für öffentliche Museen ist die Staatshaftung attraktiv, da sie keine Versicherungsbeiträge entrichten müssen.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, sagt Bernd Ziegenrücker, Makler für Kunstversicherungen in Berlin. Leihgaben seien meistens versichert. Auch der Grüne Diamant aus der Dresdner Sammlung, der zur Zeit im Metropolitan Museum of Art in New York gezeigt wird, ist für die Präsentation in Übersee versichert. Sobald er an seinen angestammten Ort zurückkehrt, entfällt der Schutz, der Staat haftet dann wieder.

Was machen die Täter mit der Beute?

Philipp Freiherr von Hutten, der Geschäftsführer des Stuttgarter Auktionshauses Nagel, rechnet nicht damit, dass die Dresdner Beute irgendwann in den Kunsthandel kommt. „Das waren keine Laien“, meint er. Deshalb wüssten die Täter, dass sie das Diebesgut weder in Deutschland noch im Ausland anbieten könnten. Nach einem solchen Diebstahl seien alle Händler mehr als hellhörig. Unabhängig davon ist es bei Nagel und in den meisten anderen Häusern aber auch Standard, vor einem Verkauf abzufragen, ob das eingereichte Objekte in der weltweiten Datenbank gestohlener Werke auftaucht. Von Hutten ist überzeugt, dass die Stücke „umgeschliffen und umgearbeitet“ werden. „Das einzige, was passieren könnte, ist, dass sie uns kleine Steine anbieten.“

Droht den Dresdner Kunstwerken also das gleiche Schicksal wie der in Berlin gestohlenen Riesenmünze, die nach Meinung der Ermittler zerstückelt und einzeln verkauft wurde?

Anders als bei der Zwei-Zentner-Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Bodemuseum, die sich leicht als Gold verwerten lässt, behalten die Dresdner Juwelen nur als ganze Stücke ihren einzigartigen Wert. Zwar lässt sich etwa eine Brosche oder ein Diamant zerlegen. Händlern würde aber etwa durch die alte Schleiftechnik ein Diamant zweifelhaften Ursprungs sofort auffallen.

Was wissen wir über die Täter?

Die Täter sind flüchtig. Auf den Aufnahmen der Überwachungskamera sind zwei Männer zu sehen, die Polizei geht aber von weiteren Tätern aus. Der Diebstahl war nach Überzeugung der Ermittler „eine zielgerichtete und vorbereitete Tat“. Man gehe davon aus, dass der in einer Tiefgarage in Brand gesetzte Wagen ein Fluchtfahrzeug war und auch der Brand eines Stromverteilerkastens in Schlossnähe mit dem Einbruch in Verbindung steht. Der Verteilerkasten sei vorsätzlich in Brand gesetzt worden, woraufhin die Straßenbeleuchtung in der Umgebung des Tatorts im Residenzschloss ausfiel. Der Angriff sei in außergewöhnlicher Weise vor- und nachbereitet worden. Aus diesem Grund gehe man von Insiderwissen aus.

Haben die Täter Spuren hinterlassen?

Die Einbrecher haben bei ihrem Diebstahl offenkundig Spuren mit Feuerlöschpulver verwischen wollen, erklärte Syndram.

Was haben die Wachmänner getan?

Die Wachmänner haben wegen des brutalen Vorgehens der Täter nicht eingegriffen. Ein solcher Eingriff sei immer eine Ermessensfrage, teilte die Leitung der Staatlichen Kunstsammlungen mit. Im konkreten Fall hätten sich die beiden Wachleute entschieden, auf die Polizei zu warten. Anders als zunächst bekannt gegeben, sind die Wachleute bewaffnet. Statt den Alarmknopf zu drücken, wählten sie 110 – weil der Alarmknopf nur signalisiere, dass etwas nicht in Ordnung sei, erklärte, der kaufmännische Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Burghardt: Dank des direkten Drahts zur Polizei habe das Gespräch umgehend aufgezeichnet werden können.

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