Kunstprojekt zum 200-Jahr-Jubiläum Korntals Fast 500 Menschen wollen Teil des Ganzen werden

Von Stefanie Köhler 

Für das „Gesicht Oberschwabens“ hat der Künstler Foto: Wolf Nkole Helzle/Archiv
Für das „Gesicht Oberschwabens“ hat der Künstler Foto: Wolf Nkole Helzle/Archiv

Für das 200-Jahr-Jubiläum von Korntal wird das Fotoprojekt „Das sind wir“ realisiert. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Viele Bürger sind begeistert – aber es ist offenbar harte Arbeit, sie für eine verbindliche Zusage zu gewinnen.

Korntal-Münchingen - Zwei Stühle, eine schwarze Wand als Hintergrund, eine Kamera mit Blitz, ein Tisch samt Laptop: Sein „mobiles Fotostudio“, wie der Medienkünstler Wolf Nkole Helzle es nennt, besteht aus kaum mehr als einer Handvoll Geräte – wobei Tisch und Stühle die Kommunen bereitstellen, in denen Helzle seine Kunstprojekte umsetzt. Natürlich sind auch die Bürger wichtig, denn ohne Menschen jeglichen Alters und aus allen Schichten geht es nicht bei Wolf N. Helzle.

Beim Fotoprojekt „Das sind wir“ anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Korntal-Münchinger Stadtteils Korntal wollen fast 500 Personen mitmachen – zumindest liegen dem Kunstverein bereits so viele Anmeldungen vor: Knapp 190 aus Korntal, 180 aus Münchingen, etwas über 100 aus Kallenberg. „Damit haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Ulli Heyd. Die Vorsitzende geht davon aus, dass einige Bürger zwar noch absagen, andere hingegen nach den Ferien aber zusagen, wenn die Fototermine näherrücken, und etliche spontan kommen. Von den 7500 Euro für das Projekt können 600 Personen fotografiert werden. Die Hälfte des Betrags ist von der Stadt. „Wir weisen keinen ab, wenn mehr als 600 Leute kommen“, betont der Projektleiter Albrecht Lannes.

Für ein Gespräch bleibt immer Zeit

Hinter dem Vorhaben steckt die Idee, dass Helzle Korntal-Münchinger wie auch Menschen mit Bezug zur Stadt fotografiert, etwa weil sie dort arbeiten. Die Einzelporträts werden mit einem speziellen Computerprogramm hochtransparent aufeinandergeschichtet, sodass sie zu einem Gesicht verschmelzen. Für ein zweites Kunstwerk werden alle Einzelporträts wie Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengefügt. Helzle hat für seine Projekte weltweit schon mehr als 40 000 Gesichter fotografiert.

Pro Person brauche er rund eine Minute, sagt der Künstler. „Wenn es einer eilig hat, ist das also kein Problem.“ Ebenso wenig, wenn jemand noch mit ihm plaudern will. „In der Regel mache ich eine Aufnahme. Diese schaue ich direkt mit dem Fotografierten an – und wiederhole das Ganze, wenn das Bild nicht gefällt“, sagt Helzle. Was selten passiere. Denn bei diesem Projekt steht die Fotogenität im Hintergrund. „Es geht darum zu zeigen, dass jeder Mensch verschieden ist und seine Eigenart hat“, meint Helzle – „und auf einer bestimmten Ebene sind wir alle gleich, nämlich Menschen.“ Der Künstler beschreibt seine Arbeit als „partizipatives Projekt“: Jeder wird ein Teil davon – und des Ganzen.

Heyd und Lannes hoffen, dass das Projekt unter den Bürgern das Wir-Gefühl verstärkt. „Wir sehen uns als Brückenbauer“, sagt Lannes – zumal das Jubiläum Korntals sich mit Heimat und Brücken zwischen den Stadtteilen beschäftigt. „Es wäre schön, wenn wir einen Effekt erzielen und mehr Verbindung und Zugehörigkeit schaffen.“ Das geschieht im Idealfall schon während des Projekts. „Der Prozess des Werdens ist wichtig“, sagt Lannes: Die Teilnehmer verbinde das Gleiche, weil sie gemeinsam darauf warten, fotografiert zu werden oder sich bei der Ausstellung des Ergebnisses in der Galerie 4/1 wieder treffen. Am letzten Tag können die Beteiligten ihre Porträts von der Wand ziehen. Lannes: „Wie wir die Einzelaufnahmen anordnen, ist noch offen. Vielleicht wild, vielleicht gerade.“

„Das Projekt ist kein Selbstläufer“

Bis dahin haben die Mitglieder des Kunstvereins noch allerhand zu tun. So müssen sie einen zeitlichen Ablauf planen, da manche Bürger eine konkrete Uhrzeit angegeben haben. „Wir haben jetzt schon Herzklopfen“, gesteht Heyd angesichts des „turbulenten Septembers“. Viel Arbeit liegt auch schon hinter ihnen. „Das Projekt ist kein Selbstläufer“, stellt Lannes fest. Man habe viel erklären und werben müssen. Über den persönlichen Kontakt habe man mehr Teilnehmer gewinnen können als über schriftliche Anfragen. „Von den Vereinen und Unternehmen haben wir kaum Reaktion erhalten, auch nicht auf unsere Anfragen nach Spenden“, bedauert Heyd.

Auch die städtischen Mitarbeiter halten sich bisher zurück. Auf Anfrage teilt die Sprecherin mit, dass der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) und der Erste Beigeordnete Alexander Noak voraussichtlich den Fototermin am 28. September wahrnehmen. „Die Verwaltung freut es sehr, dass sich bereits so viele Bürger und Freunde Korntal-Münchingens für dieses einmalige Projekt angemeldet haben.“ Man habe im Juli alle Mitarbeiter der Stadt eingeladen, am Projekt teilzunehmen. „Eine verpflichtende Teilnahme gibt es aber nicht.“

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