Bei diesen Kunstwerke ist anfassen ausdrücklich erlaubt. Foto: Gottfried Stoppel

Das Erfahrungsfeld der Sinne, das zur Laufenmühle nahe Welzheim gehört, bietet neue Stationen zum Staunen und Mitmachen. Ein Vernissage-Rundgang mit den Künstlern – auf dem knapp vier Kilometer langen Wunderweg.

Welzheim - Elfen, Feen, Könige, Tiere und andere kleine sowie größere Gestalten haben sich im Wald zwischen Welzheim und Rudersberg versteckt. Manche sind auf den ersten Blick sofort zu erkennen, andere müssen gesucht werden, zum Beispiel weit oben in den Baumkronen.

Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts des Erfahrungsfelds der Sinne, das zum Behindertenwohnheim Laufenmühle gehört, und von Kunststudenten der Alanus-Hochschule aus Alfter bei Köln sind zunächst Tonfiguren entstanden. Diese haben dann mehrere Teams aus Kunststudenten und Bewohnern der Laufenmühle inspiriert: In den vergangenen fünf Wochen sind auf diese Weise rund ein Dutzend neue Stationen des Wunderwegs entstanden. Der Wunderweg ist Teil des Erfahrungsfelds. Alle Gäste der Einrichtung – pro Jahr kommen fast 100 000 Besucher – können auf dem knapp vier Kilometer langen Pfad durch den Forst ihre Sinne schulen, etwa beim Balancieren. Sie können aber auch schlicht die Idylle genießen und vom Alltag abschalten.

„Schiefer-Klang“ mit schiefen Klängen

Eine der neuen sogenannten Landart-Stationen heißt „Schiefer-Klang“. Ein Wortspiel: die Künstler haben Schieferplatten an dicken Schüren aufgehängt. Die Besucher können kurz Stopp machen und musizieren – mitunter entstehen arg schiefe Klänge. Während der öffentlichen Vernissage zur Einweihung der neuen Werke machen die Teilnehmer des gut zweieinhalb Stunden dauernden Rundgangs regen Gebrauch von diesem Angebot. Ganz besonders groß ist die Freude bei einigen der behinderten Bewohner der Laufenmühle, die den Gästen erklären, was man so alles mit den Kunstwerken anstellen kann.

Bei dieser Kunstausstellung unter freiem Himmel ist nämlich erlaubt, was andernorts nicht so gerne gesehen wird: das Anfassen der Objekte. Viele der Akteure tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ – ein legendärer Ausspruch des Komikers Karl Valentin.

Eine Hütte, die wohl vom Himmel gefallen ist

Besonders imposant sind die hoch in den Wipfeln gespannten riesigen Stoffbahnen, die in der Abendsonne goldfarben glänzen. „Golddeckung“ haben die Künstler das Werk genannt. Ein kurzer Stopp – und schon setzt sich die Prozession von Werk zu Werk fort. „Ich sehe was, was Du nicht siehst“, ruft eine der Künstlerinnen und wartet ab. Bald entdecken die Vernissage-Gäste in den Bäumen bunte Blumen mit Gesichtern. „Wilfrieds Hütte“ ist ein Werk, an dem der Kunstdozent Jochen Breme maßgeblich beteiligt gewesen ist. Er habe diese Hütte „vom Himmel fallen lassen“.

Die Kunststudentin Sukyung Kim spricht mit Blick auf ihre Zeit in der Laufenmühle, die mit der Vernissage endet, von „einer schönen Reise“, von wunderbarer Natur und von einer tollen Interaktion „zwischen den hier lebenden Menschen und meiner Arbeit“. Ein Besuch des Wunderwegs sei wärmstens zu empfehlen.

Zehn Jahre Erfahrungsfeld

Jubiläum
Im Erfahrungsfeld kann man riechen, hören, tasten, balancieren, experimentieren. „Spielen Sie, lachen Sie, lassen Sie sich verzaubern“ – so wirbt die Einrichtung, die 2007 eröffnet worden ist. Zu den Mitarbeitern gehören behinderte Bewohner der Laufenmühle. Am Sonntag, 9. Juli, steigt ein Jubiläumsfest.

Eintritt
Das Erfahrungsfeld ist im Sommer täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für eine vierköpfige Familie 28 Euro.

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