Sänger mit Seele: Ray Charles (Mitte) mit Dan Aykroyd (links) und John Belushi in einer Szene des Films „Blues Brothers“ Foto: mauritius images/United Archives

„I Got Rhythm – Kunst und Jazz seit 1920“ heißt die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum Stuttgart. Untersucht werden die Querverbindungen und Beeinflussungen zwischen Jazz und Kunst. In einer 13-teiligen Serie stellen wir Größen des Jazz vor. Folge 12: Ray Charles.   

Stuttgart - Obwohl er hauptsächlich Gospel, Blues, Soul, Pop-Songs und sogar Country-Titel interpretiert hat, war Ray Charles zeit seines Lebens dem Jazz eng verbunden. Er trat bei großen Festivals in Newport oder Montreux auf, ließ sich von Count Basies Swing­Orchester und der Bigband von Duke Ellington begleiten und nahm 1960 ein von Quincy Jones produziertes Album auf. Dessen programmatischer Titel lautete: „Genius + Soul = Jazz“.

Selbst wenn Ray Charles mit seiner ganz und gar unverwechselbaren Stimme Auszüge aus dem Telefonbuch gesungen hätte, wäre das gut angekommen. Denn diese ausdrucksvolle Stimme war reich an Ressourcen: Tragik und tiefes Leid waren darin aufgehoben, aber auch Sehnsucht, Glück, erotische Sinnlichkeit und eine kindlich anmutende Fröhlichkeit. Wie Charles das Tempo kaum merklich verschleppt, besonders wirksam ist das bei langsamen Nummern, mit wie viel Gefühl er den Blues singt und dazu Klavier, E-Piano oder Hammond-Orgel spielt – das hat jedes Publikum auf der Welt gebannt und in Atem gehalten.

Mit Quincy Jones verband Ray Charles eine lebenslange Freundschaft

Sein Erfolg als Musiker und Show-Star hat ihn reich und so berühmt gemacht, dass er in die Rock’n’Roll Hall Of Fame kam, in Florida sein Denkmal steht und eine US-Briefmarke sein Konterfei trägt. Ray Charles befreite sich aus dem tiefsten Südstaaten-Elend und endete als weltweit gefeierter „Genius“ und Ikone des Soul. 1930 kam er als Ray Charles Robinson in Georgia auf die Welt, wurde von seiner frommen Mutter Aretha in Florida erzogen, erlebte hilflos den Tod seines Bruders, der in einem Waschzuber ertrank, und erblindete mit sieben Jahren an einem Glaukom.

In der Schule offenbarte sich seine musikalische Begabung, und der kleine Ray spielte Bach und Beethoven auf dem Klavier. Als er 14 war, starb seine Mutter, eine weitere Katastrophe in dieser von großer Armut ­bestimmten Kindheit. Ray Charles zog als blutjunger Club-Musiker nach Seattle und traf den 15-jährigen Quincy Jones, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Nachdem ihn Ahmed Ertegün bei Atlantic Records unter Vertrag nahm, startete Ray Charles durch, und seine Karriere führte steil und unaufhaltsam nach oben.

Mit neun Frauen hatte er insgesamt zwölf Kinder. Songs wie „I Got A Woman“, „Georgia On My Mind“, „What’d I Say“ oder „Take These Chains From My Heart“ haben den 2004 in Beverly Hills im Kreis seiner großen Familie gestorbenen Ray Charles unvergesslich gemacht. Der ausgezeichnete Film „Ray“ mit dem großartigen Jamie Foxx aus dem Todesjahr von Ray Charles zeichnet dessen spannendes Leben nach.

Alles rund um die ­„I  Got Rhythm“-Schau, Hörbeispiele, ­Videoclips und alle Folgen unserer Serie sammeln wir auf: www.stn.de/igotrhythm

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