In „Cool Place“ zu sehen: Daniel Richters „Kein Gespenst geht um“ (Ausschnitt) Foto: Kunstmuseum

An diesem Sonntag endet die Ausstellung „Cool Place“ im Kunstmuseum Stuttgart – Ein Gespräch mit dem Sammler Rudolf Scharpff.

Stuttgart - Herr Scharpff, die Schau „Cool Place“ mit Werken aus Ihrer Sammlung geht zu Ende. Verändert eine solche Ausstellung eigentlich auch Ihren eigenen Blick auf die Werke?
Natürlich, man sieht die Werke immer ­öfters, immer anders, immer tiefer. Dass die Kunstwerke in einem öffentlichen Museum präsentiert sind, ist ein anderer Kontext. Daher ist es für meine Frau und mich ein ­großes Erlebnis, unsere Sammlung am Ende unseres Sammlerlebens im Museum gehängt zu sehen.
Sie waren sehr häufig selbst in den Ausstellungsräumen – als Besucher, aber auch, um Auskunft zu geben. Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung bleiben wird?
Oh, da gab es viele. Vor allem aber war es uns immer ein besonderes Erlebnis, die Freude der Besucher zu erfahren, ein wirkliches ­Interesse zu spüren.
Wohin kommen die noch bis einschließlich ­diesen Sonntag im Kunstmuseum Stuttgart zu sehenden Arbeiten denn im Anschluss?
Entsprechend der Zusammenarbeit in unserer Vereinbarung „Offenes Depot“ mit vier öffentlichen Museen gehen die Bilder ins Kunstmuseum Bonn, in die Staatsgalerie Stuttgart und in die Hamburger Kunsthalle. Es bleiben jedoch auch Arbeiten hier im Kunstmuseum.
Sie haben für die Wochenenden, also auch für diesen Samstag und Sonntag, freien Eintritt ermöglicht. War die Entscheidung aus Ihrer Sicht richtig?
Unbedingt. Kunst muss gesehen werden. Vor der Eröffnung von „Cool Place“ habe ich gesagt: „Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern, die kein Geld haben, die Möglichkeit bieten, eine solche Ausstellung sehen zu können, Museen besuchen zu können.“ Ich habe die Freude der Besucher angesprochen. Darum geht es doch. Und von dieser Freude und Begeisterung braucht die Kunst mehr.
„Cool Place“ geht, Ute und Rudolf Scharpff bleiben. Das Kunstmuseum freut sich über drei Arbeiten von Michel Majerus. Wieder gehen Sie mit einer Stiftung in die Offensive. Dürfen wir das als Ihre Antwort auf die Frage des Verhältnisses zwischen Privatsammlern und öffentlichen Museen verstehen?
Sie spielen auf die sechsteilige Diskussionsreihe zu diesem Thema in den vergangenen Wochen an. Das waren für uns ungemein spannende Abende. Aber nicht nur für uns. Ich glaube, man nimmt das Kunstmuseum Stuttgart jetzt noch einmal anders wahr. Ob die Majerus-Stiftung unsere Antwort ist? Ja, wir sind der Meinung, Sammler sollen Museen unterstützen, und zwar zielgerichtet. Wie das im Jahr 2000 entstandene ­Meisterwerk „gold“ von Majerus die begonnene Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart sehr bewusst ergänzt.
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