Foto: Leif Piechowski

Lichtband wird ersetzt: Millionen-Ausgaben und jährliche Folgekosten beim Kunstmuseum.

Stuttgart - Das traurige Kapitel mit dem Oberlicht des Kunstmuseums soll geschlossen werden. Am Dienstag fassten die Stadträte den Baubeschluss, um dem Pfusch auf dem Kleinen Schlossplatz mit viel Geld ein Ende zu machen – nachdem seit März 2005 von 50 Glaselementen 23 kaputt gegangen waren. „Mutwillige zerstört“, wie die städtische Hochbauverwaltung sagt. Zwei andere Ausschüsse des Gemeinderats müssen auch noch zustimmen – eine Formsache.

1,85 Millionen Euro wird es in alles in allem wohl kosten, die beschädigten Glaselemente auszutauschen und sämtliche Elemente mit Edelstahlplatten abzudecken. Tageslicht fällt vom Kleinen Schlossplatz künftig dann zwar nicht mehr in die darunter liegenden Räume des Kunstmuseums. Stattdessen wird es im Museum eine abgehängte Decke mit Lichtstrahlern geben. Der Museumsleiterin kommt das sogar zupass. Tageslicht passt nicht in ihre Museumskonzept – ganz im Gegensatz zu ihrem Vorvorgänger, der sich bei der Planung des Museums für das Tageslicht eingesetzt hatte.

Farbige Lichtstrahlen durch kleine Glasquadrate

Oben wird es künftig Lichteffekte geben. Nach Einbruch der Dunkelheit werden von unten, also aus dem Bereich zwischen der neuen Museumsdecke und den Glasplatten, farbige Lichtstrahlen durch kleine Glasquadrate in den Edelstahlplatten nach oben geschickt. Neben den einmaligen Kosten kommen auf die Stadt auch Folgekosten von 21 000 Euro pro Jahr zu. Denn der Betrieb und die Wartung der LED-Lichtanlage oben werden voraussichtlich 11 000 Euro kosten, Betrieb und Wartung der Lichtdecke im Museum unten rund 10 000 Euro.

„Das ist alles andere als erfreulich“, sagt Alexander Kotz (CDU) im städtischen Technik-Ausschuss. Es gehe aber nicht anders, um die Situation zu bereinigen. Kotz und andere Stadträte nahmen noch einmal das Berliner Architekturbüro Hascher und Jehle aufs Korn, das von vielen für die Misere mit dem Oberlicht im ehemaligen Autotunnel und der heutigen Museumsröhre neben dem markanten Museumsneubau verantwortlich gemacht wird. Das Büro, meinen die einen, hätte voraussehen müssen, dass die Glasplatten durch Skater und andere Beanspruchungen auf dem Kleinen Schlossplatz ständig kaputt gehen würden. Auch dass die Architekten auf ihr Urheberrecht pochten und die Schließung des Oberlichts mit Betonelementen verhinderten, wird dem Büro vorgehalten. Jetzt könnten die Architekten im Zuge der Sanierung auch noch mit einem Planungshonorar von 180 000 Euro rechnen, ärgern sich manche Stadträte. „Das ist grenzwertig“, meinte Roswitha Blind (SPD).

Auf dem Kleinen Schlossplatz werden demnächst drei Edelstahlplatten liegen

Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold, der selbst Architekt ist, wollte den Fehler aber nicht nur bei Hascher und Jehle suchen. Die Nutzungsbeschreibung, die die Stadt dem Büro gab, war seiner Meinung nach nicht präzise genug. Pätzold: „Das ist, wie wenn man einen Fiat 500 kauft. Dann kann man auch nicht erwarten, dass eine ganze Fußballmannschaft damit in den Urlaub fahren kann.“ Aus der lückenhaften Ausschreibung müsse man für andere Gelegenheiten lernen.

Ulrich Klenk, der Chef des städtischen Hochbauamts, warb ebenfalls um Mäßigung. „Klar, das Honorar ist hoch, aber wir planen hier auch kreuz und quer durch die Landschaft.“ Die planerische Ausgangslage sei schwierig, der Planungsgegenstand bundesweit einmalig, das Honorar bereits denkbar niedrig angesetzt. Außerdem: „Ein Prozess hätte dem Image der Stadt auch geschadet.“ Insofern handle es sich bei dem Vorgehen, das dem Ausschuss empfohlen werde, um die beste Lösung.

Damit man nicht erneut auf die Nase fällt, hat das Hochbauamt einen Praxistest anberaumt. Auf dem Kleinen Schlossplatz werden demnächst drei Edelstahlplatten liegen wie jene, die über dem Glasband montiert werden sollen. Die Testexemplare sollen all jenen Belastungen ausgesetzt werden, die es an dem Ort so gibt: Skateboards, Vandalismus, Hitze und Regen. Gegebenenfalls, so das Hochbauamt, wird das Material verbessert und bis September 2013 installiert.

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