Foto: Hörner

Berliner Architekten lenken ein - Marode Platten am Kleinen Schlossplatz werden versiegelt.

Stuttgart - Es war kein Tagesordnungspunkt. Und nur ein Nebensatz, der unverdächtig daher kam. Aber in der Sache hatte die Aussage von Technik-Bürgermeister Dirk Thürnau im Umwelt- und Technik-Ausschuss (UTA) des Gemeinderats große Tragweite. Denn der lange Streit zwischen den Architekten Hascher und Jehle sowie der Stadt um das marode Glasband auf dem Kleinen Schlossplatz scheint beendet. Thürnau: "Letzte Woche gab es ein Gespräch mit dem Architekten (Anm. d. Red.: Sebastian Jehle). Dabei hat man eine Lösung gefunden, die darauf hinausläuft, dass die Glasbänder verschwinden. Dass die Lösung möglich war, hing auch mit dem Druck durch die Medien zusammen."

Gleicher Meinung ist der Fraktionsvorsitzende der CDU im Rathaus, Alexander Kotz. Die Berichterstattung dieser Zeitung habe der Sache sehr geholfen, merkt Kotz an. Tatsächlich ist das nur die halbe Wahrheit. Denn die CDU-Fraktion selbst hat sich beim Thema Glasplatten und Kunstmuseum regelrecht festgebissen. Kotz und seine Parteifreunde legten immer wieder mit Anfragen und Anträgen nach. So zeichnete sich nach und nach ein Bild ab, aus dem klar wurde: Die kosmetische Ausbesserung (35000 Euro Kosten) der mutwillig zerstörten Glasplatten ist ebenso wenig sinnvoll wie ein kompletter Austausch. Den Preis für diese Sanierung bezifferte das Hochbauamt mit etwa 400000 Euro. Zudem hätte man das Problem so nicht dauerhaft gelöst. Vandalen hätten die Glasplatten wahrscheinlich wieder zerstört. Die einzige Alternative war: Die Glasplatten, die im Winter bei Eisglätte eine große Rutschgefahr für Passanten darstellen, komplett zu versiegeln. Übrigens: Ein Vorschlag, der im Sinne aller war. Die Verwaltung, Teile des Gemeinderates und zuletzt Kunstmuseums-Chefin Ulrike Groos favorisierte diese Lösung. "Tageslicht in Nachbarschaft zu künstlichem Licht, so wie es an diesem speziellen Ort im Kunstmuseum der Fall ist, ergibt kein einheitliches und damit für die Kunst optimales Licht, was wir uns wünschen würden", sagte Ulrike Groos. Doch die Berliner Star-Architekten kümmerte das zunächst nicht.

Ende März teilte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster mit: "Die Architekten haben Lösungsansätze vorgelegt, die im Wesentlichen von der Beibehaltung des Glasbands ausgehen. Dies wurde aber von der Verwaltung abgelehnt."

Hascher und Jehle erklärten, dass das Glasoberlicht ein wichtiges Gestaltungselement sowohl für den Platz als auch für die untere Ausstellungsebene sei - und sie pochten auf ihr Urheberrecht. Bis zuletzt. Erst in der vergangenen Woche kam der Sinneswandel. "Wir werden am 10. oder 17. Mai eine Lösung per Power-Point präsentieren, die alle zufriedenstellt", sagte Hochbauamtschef Ulrich Klenk gegenüber dieser Zeitung. Eine Nachricht, die Alexander Kotz mit Vorbehalten aufnahm: "Wenn es so kommt, dann freut uns das natürlich. Aber wir müssen auch für die Zukunft lernen." Kotz fordert, dass sich die Stadt bei neuen Projekten, wie beispielsweise am Mailänder Platz, nicht mehr vom Urheberrecht der Architekten einschränken lasse: "Wir müssen solche Fälle bereits im Wettbewerb ausschließen. Öffentliche Gebäude dürfen nicht zur Geisel von Architekten werden."

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