Mitten in der Leonberger Altstadt befindet sich das Geschäft „Bild und Rahmen“ von Carina Straub. Der Laden war zuvor 20 Jahre in der Alten Schuhfabrik. Mit dem Umzug schließt sich ein Kreis.
Das Gröbste ist erst einmal geschafft: Mit der Unterstützung vieler helfender Hände wurde das gesamte Inventar von der Alten Schuhfabrik in der Eltinger Straße 11 hinüber in die Leonberger Altstadt, genauer gesagt in die Zwerchstraße 6, umgezogen. Dort hat Carina Straub neue Räume für ihr Geschäft „Bild und Rahmen“ bezogen, weil sie nach mehr als 20 Jahren aus der Alten Schuhfabrik rausmusste. Auch ihre angegliederte Galerie im Künstlerhaus ist seit dem 31. Oktober geschlossen.
Alle Mieter müssen raus
Die Stadt als Vermieterin hatte der Geschäftsfrau bereits vor einem Jahr gekündigt, weil sie mit dem historischen Industriegebäude anderes vorhat. Wohnraum soll hier künftig entstehen, genaueres weiß man noch nicht. Lange hatten sich die Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Ateliers ebenfalls in der Schuhfabrik untergebracht waren, für den Erhalt und für eine Sanierung des historischen Backsteingebäudes engagiert. Der Verein Kulturfabrik, wo auch Carina Straub mitwirkt, hatte sich seit dem Jahr 2021 für die Umwandlung der Schuhfabrik in einen Kulturort eingesetzt. Letztendlich gab es keine Rettung. Alle Mieter mussten ausziehen.
„Ich habe lange nach etwas Ausschau gehalten, was die entsprechende Größe hat und bezahlbar ist“, sagt Carina Straub. Auch die Stadt habe ihr bei der Suche geholfen. Fündig geworden ist die 53-Jährige letztendlich im historischen Kern von Leonberg, in einer kleinen Parallelstraße zum Marktplatz, wo zuvor Michael Schönpflug sein Atelier und seine Galerie hatte, bevor er in die Schlossstraße 2 umzog. Eine Woche waren dann die Elektriker am Werk. „Wir brauchen gutes Licht zum restaurieren und viele Steckdosen, daher wurden einige neue Leitungen gelegt“, sagt die Geschäftsfrau.
Längst ist nicht alles an Ort und Stelle
Noch müssen sich Carina Straub und ihre langjährige Mitarbeiterin Birgit Bofinger selbst in den neuen Räumen zurechtfinden, weil längst nicht alles Ort und Stelle ist, wo sie es haben wollen. Auf den Arbeitsflächen türmt sich Material, das verstaut werden will. In der Alten Schuhfabrik wussten die beiden Handwerkerinnen genau, wo welche Musterwinkel hängen. Allein davon hatten sie etwa 4500 zur Auswahl gehabt. Mehr als 1000 sortierten sie in den vergangenen Wochen aus. Und auch sonst misteten sie kräftig aus. „Das ist der Vorteil eines Umzugs, da kann man Dinge entrümpeln, die man längst nicht mehr benötigt.“
Im Vergleich zur Schuhfabrik sind ihre Geschäftsräume jetzt um einiges kleiner. Auch mit der geringeren Deckenhöhe werden sie sich arrangieren müssen. „Das wird bei großen Aufträgen eine Herausforderung, wir hatten schon Aufträge in Arbeit, die fast drei Meter hoch waren“, sagt Straub, die sich jetzt darauf freut, mit ihrem Geschäft zur Belebung der Altstadt beitragen zu können.
Der Name „Bild und Rahmen“ wird dem künstlerischen Handwerk von Carina Straub eigentlich gar nicht gerecht. Erst der zweite Blick zeigt, welche Detailarbeit dahinter steckt. Egal ob ein Druck, ein Foto, eine Leinwand oder ein anderes Produkt: „Wir rahmen alles ein und behandeln jeden Auftrag wie ein wertvolles Einzelstück, denn wir wissen um den emotionalen Wert jedes einzelnen Werkes“, sagt Straub. So hat sie bereits Textilien, Figuren, Feuerzeuge oder auch Fließen hinter Glas wirkungsvoll in Szene gesetzt. „Wenn ein Kunde mit einem Auftrag kommt, habe ich schon genaue Vorstellungen, was ihm gefallen könnte.“ Für ein Kundengespräch nimmt sie sich dann auch viel Zeit. „Wir legen sehr viel Wert auf eine professionelle Beratung, das erfordert höchste Konzentration.“
Schwerpunkt der Arbeit bildet die konservierende und werterhaltende Einrahmung von Kunstwerken. Dabei verarbeiten die beiden Frauen säurefreie und alterungsbeständige Materialien. Sie führen auch Kaschierungen sowie Oberflächenveredelungen von Reproduktionen aus. „Und wenn es zu speziell ist, haben wir Experten für die jeweiligen Arbeiten zur Hand.“
Das Handwerk von der Pike auf gelernt
Corinna Straub kommt ursprünglich aus dem Marketingbereich, hatte für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft gearbeitet. In den 1990er-Jahren betrat sie erstmals den Laden ihres Onkels, dem in der Zwischenzeit verstorbenen Galeristen Dieter Hausner, der ursprünglich auf dem Leonberger Marktplatz ein Café und das Geschäft „Bild und Rahmen“ betrieben hatte – und später in die Alte Schuhfabrik umgezogen war. Die Nichte fand auf Anhieb Gefallen an dieser künstlerischen Tätigkeit, liebte den Geruch von Holzleim, Farbe und Papier. Irgendwann hatte sie selbst ihren ersten Rahmen gefertigt, was sie mit großem Stolz erfüllte. „Ich habe dieses Handwerk von der Pike auf gelernt.“
„Wir sind ein tolles Team“
Ein Berufsbild oder eine Ausbildung für diese Tätigkeit gibt es nicht. „Früher haben sich Schreiner, Glaser oder Buchbinder um das Rahmen von Bildern gekümmert“, sagt Straub, die das Geschäft ihres Onkels im Jahr 2004 übernahm – und Birgit Bofinger, die schon so lange dabei ist, gleich mit. „Wir sind ein tolles Team“, sagt Carina Straub. Und mit dem aktuellen Umzug in die Nähe des Marktplatzes schließt sich für „Bild und Rahmen“ in gewisser Weise der Kreis.