Auf ein Bier in der Lobby: Katharina Wulffs „Grand Hotel Tazi“, 2016 Foto: Katharina Wulff

Die rätselhaften Bilder von Katharina Wulff lassen sich kaum entschlüsseln. Liegt das an ihrer DDR-Vergangenheit? Ihre Bilder sind derzeit in Baden-Baden zu sehen.

Rätsel können eine unterhaltsame Angelegenheit sein. Sie fordern das Oberstübchen heraus und kitzeln den Ehrgeiz. Sie schließlich zu knacken, ist ein befriedigendes Gefühl. Wenn Katharina Wulff Rätsel auf der Leinwand formuliert, kann man sich allerdings die Zähne daran ausbeißen. Da sitzt dann ein Mann in Badehose etwas ungelenk auf einem Mäuerchen über den Dächern von Marrakesch – umgeben von Satellitenschüsseln, einem Schaf und einem Hund. Da kann man noch so lange grübeln und wird doch keine befriedigende Antwort finden: Was will die Künstlerin uns damit sagen?

 

Ihre Figuren wirken blutleer

Katharina Wulff ist eine durchaus erfolgreiche Malerin, wird von internationalen Galerien sogar in New York vertreten und ist Professorin an der Düsseldorfer Kunstakademie. Das überrascht, denn ihre Bilder passen so gar nicht zu den aktuellen Trends. Oft malt sie, als beherrsche sie ihr Handwerk nicht. Sie lässt die Figuren steif und blutleer wirken. Es ist nicht leicht, die Künstlerin zu fassen zu bekommen, der die Kunsthalle Baden-Baden nun auch eine große Sonderausstellung widmet. Katharina Wulff, heißt es in der Ausstellung gebe „präzise Beobachtungen in einer zeitgenössischen Form des Realismus“ wieder. Die Kunsthalle Baden-Baden zeigt nun Bilder aus den vergangenen dreißig Jahren, bei denen einem Begriffe wie surreal und grotesk in den Sinn kommen können. Da greift einer mit der Hand in den Rücken eines Mädchens, das innen hohl zu sein scheint. Wenn eine Frau wie eine Erscheinung mitten in der Natur steht, fühlt man sich in eine Märchenwelt versetzt. Lange Kleider oder Kutschen aus vergangenen Jahrhunderten tauchen auf, dann wieder hat Wulff Freundinnen porträtiert in nüchternem Stil – Ute, Silke, Frieda, die irgendwo auf der Straße mit Schirm oder vor Gebäuden stehen.

Katharina Wulff, „Der Tagträumer“, 2005 Foto: Katharina Wulff

Katharina Wulff kombiniert auf der Leinwand Motive aus verschiedensten Zeiten und Kontexten. Das kann die Fantasie der Betrachter stimulieren, die durch fremdartige Landschaften wandern können oder sich fragen, warum Personen in Badekleidung an einer Hausruine im Park unterwegs sind. Aber warum wirken die Menschen oft statisch, eingefroren wie Staffagefiguren?

Dieses Vage und gänzlich Offene könnte der Herkunft von Katharina Wulff geschuldet sein. Sie wurde 1968 geboren und wuchs in der DDR auf, wo viele Künstler sich auf verklausulierte Motive zurückzogen und Privatmythologien entwickelten. Auch Werner Tübke, einer der bekanntesten DDR-Künstler, hat realistisch wirkende Szenen gemalt, die sich aber doch nicht erklären lassen und wie Fabeln wirken, bei denen Gegenwart und Geschichte, Alltägliches und Religiöses ineinanderfließen. Mit zwanzig Jahren konnte Katharina Wulff mit einem Touristenvisum ausreisen, kehrte aber nicht mehr zurück in die DDR, sondern war fortan viel auf Reisen. In Marokko ließ sie sich schließlich nieder. Auch heute pendelt sie zwischen Marrakesch, Düsseldorf und Berlin. Marokko liefert ihr viele Motive. Sie begeistert sich für Mosaikbögen und marokkanische Laternen. Auch der Titel der Baden-Badener Ausstellung „Arabesken in Arabesken“ spielt auf die arabische Architektur an. Für die Kunsthalle hat Katharina Wulff auch Sofas gestaltet mit aufwendiger Holzeinfassung mit gedrechselten Pfosten und Geländersprossen. Die hohen Rücken- und Armlehnen wirken fast wie Fassaden von Häusern.

Nach der DDR ging es raus in die Welt

Das Grand Hotel Tazi ist einer der wenigen Orte in Marrakesch, an denen Alkohol ausgeschenkt wird. Katharina Wulff hat die Hotellobby gemalt. Einzelne Männer sitzen an kleinen Tischen vor marokkanischem Bier, so richtig fröhlich scheint die Stimmung aber nicht zu sein. Man kann die aufwendig gestaltete Dekoration des Hotels studieren, die schönen Lampen – und doch schleicht sich auch hier ein Gefühl von Belanglosigkeit ein. Denn wenn man alles im Vagen lässt und jeglichem Inhalt, selbst unpolitischem, ausweicht, bleibt am Ende höchstens ein müder Augenkitzel.

„Katharina Wulff – Arabesken in Arabesken“ bis 10. Mai, Di bis So 10 bis 18 Uhr