Magier Topas (links) und der Pantomime Pablo Zibes beim Dreh für das Stuttgarter Kunstcaching. Foto: Martin V/gt

Geocaching ist ein Volkssport: Mit GPS-Geräten suchen Zehntausende Schätze. Der Pantomime Pablo Zibes überträgt diesen Trend auf die Kultur. Der Bund fördert sein „Kunstcaching“ als innovative Idee – und Stuttgarts Kulturszene macht begeistert mit.

Stuttgart - Das englische Wort „cache“ bedeutet Versteck oder geheimes Lager. Geocaching gilt als Schnitzeljagd mit modernen Mitteln. Auf Internet-Plattformen findet man die Infos zur Jagd nach einem Schatz mit dem Handy via GPS-Daten. Über 300 000 versteckte Schätze sind momentan in Deutschland gelistet. Bald kommt etwas völlig Neues hinzu. Der gebürtige Argentinier Pablo Zibes, der Mitte der 1990ern der Liebe wegen nach Stuttgart gezogen ist, hat im Lockdown das Kunstcaching erfunden. Für seine Idee gibt es nun viel Lob aus Berlin, aber auch Geld!

Der Pantomime schickte die Pläne seines Vorhaben an eine wichtige Adresse in der Hauptstadt. Die Bundesregierung hat ein milliardenschweres Rettungsprogramm unter dem Titel „Neustart Kultur“ aufgelegt, um kreative Menschen aus dem Kultur- und Medienbereich zu unterstützen, die genug vom Nichtstun in der Pandemie haben, die sich was einfallen lassen, um aus der Krise zu kommen. Das Stuttgarter Projekt Kunstcaching hat es bis an die Fördertöpfe geschafft – auch die ZAV-Künstlervermittlung und die Kulturgemeinschaft Stuttgart unterstützen die Idee.

Von Eric Gauthier bis zu Topas – Stuttgarts Kulturhelden machen mit

Der „Neustart Kultur“ läuft in Stuttgart nun auf Hochtouren. Von Ballettstar Eric Gauthier bis zu Monika Hirschle, dem Publikumsliebling der Komödie im Marquardt, von der Kabarettistin Tina Häussermann über Entertainer Roland Baisch bis zur der schwäbischen Girlsband DooWop Mädla, vom Magier Topas bis zur Musicalsängerin Maryanne Kelly aus New York, die einst zu „Miss Saigon“ nach Stuttgart kam – die heimische Kulturszene gibt alles, damit aus dem Kunstcaching ein Erfolg wird. Die Helden der Stuttgarter Kleinkunstbühnen haben im Studio von Patrick Fischer (Dosoni Veranstaltungstechnik) kurze Filme aufgenommen, die, sobald es losgeht, an noch geheimen Plätzen in der Stuttgarter City, die gesucht werden müssen, übers Handy via QR-Code abgespielt werden können.

„Dass die Bundesregierung mein Projekt ausgewählt hat, ist für mich eine große Auszeichnung“, freut sich Erfinder Pablo Zibes. In Kürze beginnen die Testläufe, die Dreharbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Auf der Tour soll die „Vielfalt der Stuttgarter Kulturszene den Menschen der Stadt nähergebracht werden“. Der 50-Jährige erklärt das Prinzip des Kunstcachings in einem Satz so: „Bei diesem spielerischen Stadtspaziergang geht es darum, einzelne Stationen zu suchen und zu finden, die jeweils mit einem QR-Code markiert sind.“

In der Stadtmitte wird nach den Schätzen gesucht

Die QR-Codes können dann mit einem Smartphone eingescannt werden, worauf ein etwa einminütiges Video erscheint, auf dem ein Künstler oder eine Künstlerin oder sogar eine ganze Gruppe eine Performance abliefert. Hinzu kommen Fun-Facts zu den Stationen, also unnützes und kurioses Wissen in der kompakten Form eines von einem Sprecher vorgetragenen 30-Sekunden-Beitrags (beteiligt daran ist unter anderem Patrick Mikolaj, der Macher des Unnützen Stuttgartwissen). Im Anschluss an die kurze Performance folgt ein Rätsel, mit dem man zur nächsten Station gelangen kann. Moderator dieser neuartigen Tour ist der Magier Topas.

Nach den Schätzen wird in der Stadtmitte gesucht. Alle Stationen können per Fuß erreicht werden. Von der Staatsoper bis zur Komödie im Marquardt, von den Innenstadtkinos bis zur Liederhalle, vom Literaturhaus bis zum Renitenztheater – genau 18 Kultureinrichtungen machen mit. Es wird zwei verschiedene Wege geben, die jeweils neun Stationen enthalten und jeweils etwa 90 Minuten dauern.

Nach dem Besuch der Schauspielschule in seiner Heimatstadt Buenos Aires war Pablo Zibes ein Jahr lang durch Europa und Asien gezogen und hatte sein Geld als Straßenkünstler verdient, mit dem Hut vor sich. Auf seiner Weltreise lernte er in den 1990ern in Malaga eine Geografin aus Amberg kennen, mit der er heute in Stuttgart lebt.

Auch Fans von Exit-Rooms werden angesprochen

Welche Art von Performance die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kunstcaching erwartet? „Wir haben regional ansässige Künstler und Künstlerinnen gewonnen, die von der Popmusik bis zur klassischen Musik reicht, aber auch Schauspiel, Kabarett und Clownerie beinhaltet,“ antwort Pablo Zibes. Nach den Sommerferien soll das Projekt starten, mit dem der Macher auch Leute ansprechen will, „die gern Exit-Rooms besuchen“. Deshalb hat er bei der Planung einen Exit-Room-Experten miteinbezogen, der beim Ausarbeiten der Rätsel und Verstecke tatkräftig geholfen hat. Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer freuen sich bereits darauf und wollen mit ihren Schulklassen zur Kulturtour aufbrechen. Die in Berlin hochgelobte Idee soll auch auf andere Städte in Deutschland übertragen werden.

Infos

Geocaching
Die Schnitzeljagd mit dem Handy ist seit über 20 Jahren ein beliebtes Spiel in Deutschland. Wer mitmachen will, verwendet das GPS des Smartphones und eine entsprechende App, um Standorte von physischen Geocaches, den Schätzen, zu finden.

Kunstcaching
Nach dem Vorbild des Geocachings startet nach den Sommerferien in Stuttgart das Kunstcaching, das sich der Pantomime Pablo Zibes ausgedacht hat. Die Testläufe beginnen in Kürze. Auch andere Städte sind an dem Projekt interessiert, das von der Bundesregierung mit dem Programm „Neustart Kultur“ gefördert wird.

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