In seinen Bildern beschäftigt sich Nanz mit der menschlichen Figur. Foto: Linsenmann

Eine reizvolle Ausstellung mit Arbeiten von Horst O. Nanz ist im Gemeindehaus zu sehen.

Botnang - Wenn ein Künstler Arbeiten der vergangenen zehn Jahre zeigt und wenn er diese Arbeiten im achten und neunten Jahrzehnt seines Lebens geschaffen hat, dann ließe sich eigentlich vom Spätwerk eines Künstlers sprechen. Jedenfalls in biografischer Hinsicht. Bei Horst O. Nanz aber ließe sich durchaus auch an „Frühwerke“ denken. Und dies nicht nur aus einer emphatischen Perspektive, also angesichts der Frische und experimentellen Neugierde, mit denen sich der Stuttgarter seinen Sujets auch in formaler und technischer Hinsicht widmet. Denn im engeren Sinne ist Horst O. Nanz, 1928 in Stuttgart geboren, in der freien Kunst ein Spätberufener.

Seine Begabung war schon in der Schule aufgefallen. Der direkte Weg zur Kunst hing denn auch „lange in der Schwebe“. Und noch in amerikanischer Kriegsgefangenschaft belegte Nanz einen Malkurs. Doch im Gegensatz zu seinem – inzwischen verstorbenen – Klassenkameraden Manfred Oesterle, der das Kreative zum Beruf machte und dabei nicht zuletzt als Karikaturist Berühmtheit erlangte, wurde Nanz Architekt. Ein Hinweis, den er mit dem Zusatz versieht: „Ich gehöre zu einer Generation von Architekten, die noch viel von Hand gezeichnet hat.“ So kommt das „Spätwerk“ von Nanz denn auch nicht aus dem Nichts, wie ein Blick auf den konventionellsten Teil der Schau zeigt, auf die Aquarelle. Landschaften, Bäume, Buchten, auch in extremer Draufsicht mit souveräner Raumerfassung und in großer Leichtigkeit wie hingetuscht. Mit einer Farbgebung, die stark ins Abstrakte drängt. Allesamt sind es kleine, herrlich malerische Blätter!

Meisterstücke der Ausstellung bietet aber auch die Aktmalerei, mit der sich Nanz in den vergangenen zehn Jahren systematisch beschäftigt hat. Ein Hintergrund, der seinen Tanzstudien eine eigene Qualität verleiht. Bilder voller Dynamik und Grazie, eine einzige Hommage an den bewegten, der Schönheit Ausdruck verleihenden Körper. Von feiner, diskreter Sinnlichkeit bei den Frauen, von Wucht und fast unheimlicher Präsenz, gelegentlich auch Bedrohlichkeit bei Männerkörpern. Und stets ist die Komposition der variierenden Gruppen fein justiert und voller natürlicher Spannung. Mal locker bewegt oder in sich ruhend, mal virtuos verdichtet in geballter Bewegung. Das Glanzstück der Schau bildet so ein Blatt mit einem Sextett, das die Posen mit Tusche und Kohle auf fasziniert reduzierte Weise und doch wie abschließend und vollkommen fasst.

Zu sehen sind wunderbar jung, lebhaft und vital wirkende „Spätwerke“

Und durchweg spannungsvoll sind auch die verschiedenen Serien und Einzelblätter von Monotypien. Hier zeigt sich, wie jung und neugierig der „spätberufene“ Künstler geblieben ist. Ein durchweg experimenteller Zugang zu dieser delikaten Technik, bei der das Werk quasi über das Negativ auf der Rückseite eines Blattes entsteht, das auf einer eingefärbten Platte liegt. Faszinierend ist die Räumlichkeit der Farbe, die Nanz in den mehrfarbigen Monotypien entwickelt, mit einer unendlich scheinenden Fülle an Nuancen. Und auch hier zeigt sich, was den Künstler nachhaltig beschäftigt: die menschliche Figur. Gelegentlich solistisch und nachdenklich, in der Regel aber in kommunikativen Situationen. Und auch hier gelingt Nanz eine überaus beredte und spannungsvolle Kombination aus Figürlichkeit und Abstraktion, die sich als eine ganz eigene, unverwechselbare Bildsprache zeigt.

Kurzum: Zu sehen sind wunderbar jung, lebhaft und vital wirkende „Spätwerke“ eines Spätberufenen, dem sich die Kunst wie eine Art Jungbrunnen zu zeigen scheint. Und darin einen Ernst und eine Reife beweist, die wahrhaft berühren.

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