Barbara Bader als Gast der StN-Reihe „Über Kunst“ Foto: Steffen Schmid

„Es herrscht Aufbruchstimmung“, sagt Barbara Bader den „Stuttgarter Nachrichten“. Die neue Rektorin der Kunstakademie Stuttgart sieht den Rundgang, der an diesem Freitag um 18 Uhr eröffnet wird, als Teil des „Nachdenkens über den Akademiecampus am Weißenhof“

Stuttgart - Jedes Jahr zum Ende des Sommersemesters bittet die Kunstakademie Stuttgart zum Rundgang. Eine in Stuttgart traditionell unterschätzte Veranstaltung offener Türen zu allen Fachrichtungen – Architektur, ­Design, Kunst und Kunstwissenschaften/Restaurierung. Eröffnet wird der Rundgang an diesem Freitag um 18 Uhr mit der Vergabe der Akademie-Preise.

Diskussionen im „sink tank“

Lässt sich dieses parallele Denken nicht auch räumlich vernetzen? Das ist die nicht offizielle, aber leicht auszumachende Ausgangsfrage für den Rundgang 2017. Zur Klärung kann man sich in einen „sink tank“ begeben – und auf dem zum Wasserrund umfunktionierten Turm eines Kampfpanzers diskutieren. Wer baden will, muss reden – das ist schon mal eine klare Ansage.

„Campuslösung“ soll kommen

Deutliche Worte findet denn auch die ­Rektorin. „Die Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“, sagt Barbara Bader den „Stuttgarter Nachrichten“, „ist ein wichtiger Stadtbaustein auf dem Killesberg, umgeben vom Forum K, dem Augustinum und der weltberühmten Weißenhofsiedlung, deren Le Corbusier Häuser seit neuestem zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Zum 100-jährigen Bestehen der Weißenhofsiedlung, das 2027 mit einer Internationalen Bauausstellung gefeiert werden soll, streben wir für unsere Hochschule Am Weißenhof 1 eine Campuslösung an“. Und weiter: „Ziel ist die ­Realisierung eines zukunftsweisenden Hochschulstandorts für unser vielseitiges Lehr- und Forschungsprogramm“. Die Kunstakademie will offensichtlich zurück in die Offensive. Mit gutem Grund. War man bis vor wenigen Jahren noch selbst städtebaulich dominierend, wird die Hochschule heute von hochpreisigen Wohn- und Geschäftsarealen bedrängt.

Rundgang mit „räumlichen Erweiterungen“

Der nächste Investor ist schon da und ­wird in der unmittelbar benachbarten früheren Poststelle exklusive Lofts realisieren. Seit Freitag und noch diesen Samstag und ­Sonntag (jeweils 12 bis 20 Uhr) aber ist das Gebäude tatsächlich Bühne der Kunst: Florian Model und Michael Schramm präsentieren unter dem Titel „Eventual Encounters“ Werke von Studierenden aus ganz unterschiedlichen Klassen und Bereichen. Mit ermöglicht hat das Projekt der Verein Freunde der Akademie.

Barbara Bader nennt weitere „räumliche Erweiterungen, die den diesjährigen Rundgang auszeichnen“ – allen voran die „wortwörtlichen Autokinos“ der Klasse von ­Ricarda Roggan zwischen Altbau und Bildhauerbau.

Internationalität sichern

Dabei geht das Interesse, die Campus-Ideen – und damit auch eine mögliche bauliche Neuordnung zu forcieren, offenbar Hand in Hand mit dem Interesse, die erreichte Internationalität zu sichern. „Die Präsenz und Wichtigkeit unserer internationalen Studierenden“, sagt Barbara Bader, „ist beim Rundgang nicht zu übersehen. Sie ­leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur sozialen und künstlerischen Identität unserer Hochschule. Dies wollen wir erhalten, weshalb wir mit Hochdruck am Aufbau von Stipendien und Förderlinien arbeiten.“

Baders Fazit ist knapp: „Es herrscht Aufbruchstimmung!“. Diese spürt man tatsächlich an vielen Stellen und in vielen Räumen auf dem Weißenhof – und bis hinauf in den zweiten Stock des Neubau I, wo sich das Architektur-Studio der Klasse Fabienne Hoelzel mit der Diskussion von Städtebaufragen für Lagos präsentiert.