Als Rektorin lenkte Petra Olschowski die Kunstakademie Stuttgart seit 2011 Foto: Kunstakademie

Ein Paukenschlag in der Hochschullandschaft Baden-Württembergs: Hartmut Weber ist als Vorsitzender des Hochschulrates überraschend zurückgetreten. Er hatte Petra Olschowski abgelöst.

Stuttgart - Ein Paukenschlag in der Hochschullandschaft Baden-Württembergs: Hartmut ­Weber, bekannt vor allem aus seiner Zeit als Präsident des Bundesarchivs (1999-2011) und seit Juli 2008 Mitglied und Vorsitzender des Hochschulbeirates der Kunstakademie, ist zurückgetreten. „Herr Weber hat diese Entscheidung am 27. Mai getroffen“, bestätigte eine Sprecherin am Donnerstag die entsprechende Anfrage unserer Zeitung.

Olschowski-Wechsel als Auslöser

In zeitlichem Zusammenhang steht Webers Rücktritt mit dem Wechsel der seit 2011 amtierenden Kunstakademie-Rektorin Petra Olschowski auf die Position der Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Olschowski, deren Amtszeit als Rektorin am 30. September dieses Jahres geendet hätte, hatte sich 2015 für eine zweite Amtszeit beworben. In diesem Verfahren hätte Olschowski am 23. Mai für eine zweite Amtszeit vorgeschlagen werden sollen – am 12. Mai aber wurde sie zur Staatssekretärin in der neuen Grün-Schwarzen Landesregierung ernannt.

Weber war Vorsitzender der Findungskommission des Bewerbungsverfahrens – und wäre in dieser Funktion auch in einem nun notwendigen neuen Verfahren gefragt gewesen. Wie geht es weiter? Ohne Führung ist die Kunstakademie nicht. Kanzler Martin Böhnke, Mitglied auch im Senat und im Hochschulrat, leitet die Amtsgeschäfte. Das Verfahren für die Neubesetzung des Rektoramtes aber stockt. Die Regelungen ­sehen vor, dass der Hochschulrat, neben Rektorat und Senat drittes Gremium der Akademie und damit beauftragt, die Geschäftsleitung des Rektorats zu beaufsichtigen, vollständig besetzt sein muss. Erst dann kann ein Vorsitz gewählt werden – und erst dann ein Bewerbungsverfahren für das Rektoramt in Gang gebracht werden.

Weber wollte mehr Tempo

Eine mögliche Folge des Rücktritts, die Hartmut Weber nicht gefallen kann. Wie Kanzler Martin Böhnke auf Anfrage bestätigte, hatte gerade eine Auseinandersetzung des bisherigen Hochschulratsvorsitzenden mit dem Senat über die möglichst schnelle Umsetzung des neuen Bewerbungsverfahrens zum Bruch und zum Rückzug Webers geführt.

Böhnke sieht jedoch die Akademie auch in der Frage der Neubesetzung der Rektorenstelle handlungsfähig. Barbara Bader, Professorin für Kunstdidaktik und Bildungswissenschaft an der Akademie und somit internes Mitglied des Hochschulrates, werde als Stellvertreterin Webers das Verfahren in Gang halten. An die Stelle von Weber solle erneut eine Persönlichkeit von außerhalb rücken.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hält sich zurück: „Die ­Angelegenheit“, sagte ein Sprecher am ­Donnerstag auf Anfrage, „ist eine rein ­hochschulpolitische Causa, in der das Ministerium nicht beteiligt ist, weswegen wir uns ­dazu auch nicht zu äußern haben. Im Übrigen hoffen wir natürlich, dass sich im Sinne der Hochschule die Situation so zügig wie möglich klären lässt.“