Die Bilder der Waiblinger Künstlerin Sibylle Bross und die Figuren ihres Onkels, des Strümpfelbacher Kunstprofessors Karl Ulrich Nuss, ergänzen sich in einer so seltenen wie überraschenden Schau. Warum sich ein Besuch empfiehlt.
Weinstadt - Die richtige, quasi kreativ überschäumende Begeisterung für die familiäre Gemeinschaftsschau hat sich so richtig vor Ort eingestellt: Beim Arrangieren, beim Um- und Zusammenstellen der Kunstwerke, die sich plötzlich auf ganz überraschende Weise und jeweils spezielle Art ergänzt und sogar künstlerisch geähnelt hätten, berichtet Sibylle Bross vom Gastspiel als Waiblinger Malerin in der Skulpturenhalle des Strümpfelbacher Bildhauers Karl Ulrich Nuss. Es ist ein ziemlich einmaliges Zusammenspiel. Obwohl: einmal, das bestätigt der Skulpteur, Kunstprofessor und Bross’ Onkel, haben die beiden schon einmal zusammen ausgestellt. Das ist aber schon eine künstlerische Ewigkeit her – es war die erste Ausstellung der Malerin und Nuss-Nichte Sibylle Bross einst in München.
Symbiose aus Skulptur und Malerei
Es sei eine absolut spannende Symbiose aus Skulptur und Malerei , sagen beide beim Treffen vor Ort mit großer Überzeugung zu ihrem Zusammenspiel in der Nuss’schen-Skulpturenhalle in der Strümpfelbacher Ritterstraße 8. Das kunstvolle Zusammenspiel der inzwischen auch leidenschaftlich Landschaft malenden Nichte Sibylle Bross mit ihrem für das opulent-figurative bekannten Skulpturen-Onkel Karl Ulrich Nuss ist noch am Wahlsonntag, 26. September, sowie am Sonntag, 3. Oktober, jeweils von 14 bis 18 Uhr zu bewundern.
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Der Bildhauer Karl Ulrich Nuss hat über die Jahrzehnte ein riesiges Oeuvre geschaffen. In der Skulpturenhalle stehen viele seiner meist lebensgroßen Skulpturen, die durch ihren oft hintersinnigen Humor, aber vor allem durch ihre Formkraft überzeugen. Sibylle Bross hat ihr Atelier in Leutenbach. Sie zeigt großformatige Landschaften, die während der letzten zwei Jahre entstanden sind, und Darstellungen des Menschen bis hin zum Porträt.
Gemeinsame Farbtöne und Motive
Bei dieser Ausstellung verbinden sich Malerei und Plastik auf ungeahnte Weise, sagt die Künstlerin. Sie sei beim Zusammenstellen selbst völlig überrascht gewesen, in welcher Dimension ihre aus visueller Erinnerung entwickelten Landschaften Formelemente der sie umgebenden Skulpturen aufnehmen. Manchmal verblüffen tatsächlich schon auf den ersten Blick gemeinsame Farbtöne und farbliche Stimmungen oder auch die Ähnlichkeiten in den Motiven. Paare im Bild treffen auf sich umschlingende Körper in der Skulptur, die Bilderfolge „Die Ungeborenen“ stößt auf figurative kleine Menschen in aller Sinnlichkeit.
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Sibylle Bross ist 1959 in Stuttgart geboren, studierte Anfang der 1980er Jahre Malerei an der École des Beaux-Arts in Paris und danach freie Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Ihr Thema ist der Mensch in all seinen Facetten. In den letzten Jahren steht immer mehr die Natur im Fokus der Künstlerin. Karl Ulrich Nuss, 1943 quasi frisch geboren nach Strümpfelbach umgezogen, studierte von 1961 bis 1964 an der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe Schwäbisch Gmünd, dann an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und an der Hochschule für Bildende Künste Berlin.
Sie freue sich, dass in der Halle endlich auch ihre aus jüngerer Schaffenszeit stammenden großformatigen Landschaftsbilder zur Geltung kommen, sagt Sibille Bross. Und im Lauf der Zusammenstellung hat der Hausherr in spontaner Begeisterung fürs Projekt einige Skulpturen mehr beiseite geräumt als ursprünglich vorgesehen. Die Frage danach, was für ihn letztlich die Gemeinsamkeit oder den Unterschied im Werk von Onkel und Nichte ausmache, beantwortet der Kunstprofessor in gewohnt trockener Art: „Das muss der Betrachter entscheiden.“