Der Künstler Boris Hauck symbolisiert in dem Stück „Ich lasse Paris auf mich regnen“ die französische Metropole, in der Romy Schneider sich als Schauspielerin neu erfand. Foto: privat

Das Kulturamt unterstützt die Theatertage in Klein-Paris im Bohnen- und Leonhardsviertel künftig mit einer Summe. Die neue Saison der Veranstaltungsreihe widmet rebellischen Künstlern.

S-Mitte - Der Künstler Boris Hauck hört sich an, als habe das eigene Kind gerade Laufen gelernt. „Ich habe mit Nichts die Theatertage vor vier Jahren angefangen und nun bekommen wir jedes Jahr eine feste Summe, mit der wir planen können. Das ist eine enorme Steigerung“, sagt er. Die Unsicherheit, ob die Kosten für die Organisation der seit 2016 im Frühling und Herbst ausgerichteten Veranstaltungsreihe „Theatertage in Klein-Paris“ gedeckt werden können, scheint nach dem positiven Bescheid des Kulturamts über eine regelmäßige Förderung vorbei zu sein.

Der Künstler geht nicht weiter ins Detail, wie hoch die finanzielle Förderung des Kulturamts ist. Er zählt aber auf, was er mit der zugestandenen Summe finanzieren kann: Werbekosten, die Gebühren der Gema und einen Grundstock von 100 Euro für jeden Schauspieler unabhängig von den Erlösen. Hauck kann sich erstmals auch eine Aufwandsentschädigung auszahlen.

Künstler atmet auf

Ganz ohne Sponsoren wird es laut Hauck wohl auch in Zukunft nicht gehen. Das von ihm als mühsam beschriebene Prozedere beim Einreichen von Förderanträgen an diverse Träger dürfte allerdings viel weniger Zeit in Anspruch nehmen als bisher, glaubt er. Das sei für ihn eine Erleichterung, meint der Künstler. „Die vielen Absagen schmerzen. Jedes Nein deprimiert mich“, erzählt er.

Die achte Saison der Theatertage steht derweil in den Startlöchern. Sie knüpft laut Hauck an die vergangenen Theatertage im Herbst 2019 an. Damals stand die Philosophin Hannah Arendt im Fokus. „Hannah Arendt war überzeugt, dass Sein sich ausdrücken muss. Wir beschäftigen uns diesmal mit Menschen, denen das gelungen ist und die dabei auf große Widerstände trafen“, verrät Hauck.

Franco-Anhänger ermordeten Lorca

Zum Auftakt gibt es am kommenden Samstag, 14. März, das Stück „Gespräch mit dem Mond“ in der Buchhandlung Erlkönig an der Nesenbachstraße 52 zu sehen. Es handelt von dem spanischen Lyriker und Dramatiker Federico García Lorca. Lorca war homosexuell und wurde als Republikaner 1936 in der Nähe von Granada nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs von Anhängern General Francos ermordet. Am Donnerstag, 19. März, beschäftigt sich das Stück „Ich lasse Paris auf mich regnen“, mit einer in Deutschland kontrovers wahrgenommenen Künstlerin. Romy Schneider galt in den 50erJahren als Gesicht des unpolitischen Kinos Nachkriegsdeutschlands. Die Schauspielerin wurde in Deutschland lange mit ihrer Rolle im Historienfilm „Sissi“ von 1955 über die frühen Jahre der österreichischen Kaiserin Elisabeth identifiziert.

Presse kritisierte Schneider

Besonders die deutsche Boulevardpresse kritisierte Schneider nach ihrem Karriereneustart in Paris für ihre als freizügig empfundenen Rollen im französischen Film. „Dass Romy Schneider nach Paris ging und im französischen Kino die moderne Frau neu erfand, mochte ihr das Publikum in Nachkriegsdeutschland lange nicht verzeihen“, sagt Hauck.

Hauck mimt in dem Stück die französische Hauptstadt als Sehnsuchtsort einer Schauspielerin, die den Ballast von „Sissi“ hinter sich zurücklassen und sich neu erfinden wollte.

Das dritte Projekt dieser Saison der Theatertage in Klein-Paris widmet sich am Freitag, 27. März, im Theatersaal des Bischof-Moser-Hauses an der Wagnerstraße 45 Friedrich Hölderlin. Laut Hauck handelt es sich bei dem 1770 in Lauffen am Neckar geborenen Dichter um einen Künstler, der sich von einer falschen Außenwahrnehmung emanzipieren musste. Das Stück „Ich bin ganz anders als ihr denkt“ stellt dar, wie Hölderlin als Unterstützer der Französischen Revolution sich mit der Etikettierung als verträumter Romantiker auseinandersetzt.

In der Uhu-Bar gibt es Chansons

Die von Hauck als „Klein-Paris“ bezeichnete Leonhardsvorstadt mit ihren kleinen Gassen im Bohnenviertel und den Etablissements im Leonhardsquartier erwartet außerdem am Sonntag, 29. März, ein Abend mit französischen Chansons in der Uhu-Bar an der Leonhardstraße 4. Das Motto des Abends lautet frei nach Frankreichs wohl berühmtester Chansonnière Édith Piaf: La vie en rose.

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