Ruoff Stiftung in Nürtingen Dunkle Träume und ein Diebstahl

Von Kai Holoch 

Die renommierte Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung stellt ihre Pläne für das Ausstellungsjahr 2018 vor. Es gibt spannende Werkschauen und eine Überraschung.

Nürtingen - Das Verbrechen liegt lange zurück. In den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben Diebe das Gartenhaus des Bildhauers und Malers Fritz Ruoff in Nürtingen aufgebrochen. Aus ihrer Sicht gelohnt hat sich die Tat wohl nicht. Denn viele der entwendeten Druckstöcke für die Holzdrucke des Künstlers schmissen sie auf Bahngleise. Dort wurden sie von Zügen überrollt und zerstört.

Welche Odyssee die dazugehörigen und ebenfalls gestohlenen Holzschnitte erlebt haben, weiß Hildegard Ruoffnicht. Vor einigen Jahren entdeckte sie aber etliche der längst verloren geglaubten Werke im Auktionshandel – und kaufte sie zurück. 15 dieser Werke stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Die verlorenen Bilder“, mit denen die Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung am Sonntag, 28. Januar, um 11 Uhr das Ausstellungsjahr in der Räumen der Stiftung in der Nürtinger Schellingstraße 12 eröffnet.

Ein Solist als Fotograf

Das Spektrum der 2018 in Nürtingen gezeigten Kunstrichtungen ist breit gefächert. Gleich zwei Ausstellungen beschäftigen sich mit dem Thema Fotografie, das die Ruoff-Stiftung im vergangenen Jahr erstmals aufgegriffen hatte. Zunächst sind vom 11. März bis zum 29. April des international renommierten Fotokünstlerrs Ralf Cohen. Im Anschluss können die Besucher den Ersten Solisten des Stuttgarter Balletts Roman Novitzky, der mittlerweile auch als Choreograf arbeitet, einmal auf eine ganz andere Weise kennenlernen: Schon seit vielen Jahren tanzt Novitzky nicht nur, sondern er fotografiert auch Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit. Diese Arbeiten hat er bisher öffentlich noch nicht gezeigt. Jetzt ist er dem Wunsch der Ruoff-Stiftung gefolgt und gewährt vom 6. Mai bis 24. Juni Einblicke in sein fotografisches Schaffen.

Am 15. September soll es in Nürtingen erstmals eine „Lange Kulturnacht“ geben. Auch daran wird sich die Ruoff-Stiftung mit einer Vernissage beteiligen. Dass die in der Türkei geborene und in Berlin lebende sehr eigenwillige Künstlerin Emel Geris ihre Ausstellung „Die Nacht ist ein anderer Tag“ nennt, ist aber rein zufällig. Vielmehr geht die Künstlerin in ihren Werken der Frage nach, ob gerade die dunklen Träume die Befreiung bringen. Emel Geris wird ebenso wie Roman Novitzky während ihrer Ausstellungen zu Künstlergesprächen nach Nürtingen kommen.

Spannende Begegnung mit Ernst Barlach

Zum Jahresabschluss gibt es dann eine spannende Begegnung mit einem der wichtigsten deutschen Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, Ernst Barlach. „Existenz Mensch“ heißt die Ausstellung, bei der Werke des 1938 gestorbenen Bildhauers und Zeichners in den Dialog mit denen von Fritz Ruoff treten.

Dass das renommierte Ernst-Barlach-Haus in Hamburg zu einer Kooperation mit der Ruoff-Stiftung bereit ist – und dass der Leiter der Einrichtung nach Nürtingen kommen wird, um die Eröffnungsrede zu halten, wertet der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich als Beweis dafür, wie weit der Ruf der Ruoff-Stiftung mittlerweile über die Region hinaus in die gesamte Republik hallt. „Ich bin mir sicher, dass wir mit diesem hochkarätigen Ausstellungsangebot die Erfolgsgeschichte der Ruoff-Stiftung auch in diesem Jahr fortsetzen können“, sagt Otmar Heirich.

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