Mehrere Künstler aus dem Bottwartal und der Region haben sich zusammengetan, um Werte wie Vielfalt und Freiheit zu bestärken. Sie stellen sich unter anderem gegen Rechtspopulismus.
Themen wie Vielfalt und Freiheit in der Gesellschaft ein besonderes Gewicht zu verleihen – das ist das Ziel einer neu formierten Gruppe von 13 Künstlerinnen und Künstlern aus der Region.
Holzbildhauer Otto Beer aus Murr ist Initiator des Treffens, das auf künstlerische Weise Bewusstsein schaffen und die Mitmenschen in die Verantwortung nehmen will, „um zu erkennen, was auf dem Spiel steht, wenn sich eine rechte Gesinnung politisch immer stärker etabliert“. Er habe hierfür rund 20 Kollegen kontaktiert und war überrascht, „wie positiv und zahlreich das Echo“ war.
Angst vor negativen Entwicklungen
Beer positioniert sich gemeinsam mit fünf anderen Künstlern bereits seit Längerem gegen Rechtspopulismus und setzt sich etwa in der Ausstellung „Lasst die Volksseele kochen!“ gezielt mit den Kernelementen Angst, Egoismus, Nationalismus und Hass auseinander. Wie viele andere Künstler wolle er nicht parteipolitisch agieren, sondern als Mensch „und mit unseren Mitteln“.
Diese Aussage fällt nicht nur einmal in der sich als Liberale bezeichnenden Künstlergruppe, die sich laut Günther Raupp „schon rein beruflich mit dem Menschen und dem Humanismus“ auseinandersetze. „Toleranz und Offenheit sind ein großes Thema bei uns“, so Fotokünstler Klaus Flachsbarth. „Wir haften nicht irgendwelchen Ideologien an.“
Nun will die Gruppe Aufmerksamkeit erregen – um schlimme Entwicklungen zu verhindern. „Etwa, dass uns die Freiheit genommen wird, das zu machen, was wir wollen“, wie Beate Ludwig, Installations- und Performancekünstlerin aus Marbach, betont. Sie habe zwar Angst, dennoch sei Humor „ganz wichtig“, um den „verbissenen Ernst“ herauszunehmen.
„Die Menschen sollen wieder ins Gespräch kommen und sich bewusst machen, wie viel bunte Vielfalt uns im Alltag umgibt.“
Otto Beer, Holzbildhauer und Initiator der Künstlergruppe
Geschichtsverharmlosung und -klitterung sind Aspekte, um die sich auch der Steinbildhauer Till Failmezger sorgt. Sein Vorname weise zwar auf Till Eulenspiegel hin, dennoch sei er kein Possenreißer. Er wolle aber mit seiner Kunst „wie in einem Zerrspiegel spezielle Seiten darstellen“. Für seinen Vater Jörg ist es wichtig, „keine kommerzielle Darstellung zu zeigen, sondern gesellschaftskritisch zu handeln“.
Der Fotograf und Medienkünstler Günther Raupp erinnerte daran, dass „wir in der Bundesrepublik in den vergangenen 50 Jahren eine neue Gesellschaft mit besonderen Werten geschaffen haben. Und jetzt kommt eine größere Gruppe von Leuten, die das alles umkehren will und mit Rufen wie ‚Frauen an den Herd’ unsere Errungenschaften bedroht“. Doch nicht allein gegen Rechts will sich die Gruppe positionieren. Auch das „kleinkarierte Bürgertum“ wolle man aufrütteln.
Skulpturen in verschiedenen Gemeinden
Dass sich die Künstler mit Verve engagieren wollen, steht fest. Die Frage ist nur: Wie? Den Beteiligten sei klar, dass sie „rasch Präsenz zeigen müssen“. Momentan ist die Gruppe zwar noch in der Findungsphase, Otto Beer sorgte aber bereits für erste klare Impulse.
Der Holzbildhauer hatte sechs etwa 30 Zentimeter große Skulpturen mitgebracht. Jede mit anderer Farbe und Aussage. Die Skulpturen hofft Beer, im Großformat zentral in den Gemeinden platzieren zu können. „Die Menschen sollen wieder ins Gespräch kommen und sich bewusst machen, wie viel bunte Vielfalt uns im Alltag umgibt.“
Das nächste Treffen der Künstlergruppe ist für Dienstag, 24. März, um 17 Uhr geplant. Treffpunkt ist das Alte Schulhaus, Obere Gasse 5, in Ludwigsburg.