Die Kunstschaffenden aus Vietnam gehen nur selten ins Abstrakte. Foto: Ines Rudel

In der Adelberger Klostervilla sind noch bis zum 11. November die Werke von 22 Künstlerinnen und Künstlern aus Vietnam zu sehen. In ihren Aussagen unterscheiden sich diese vom westlichen Kunstverständnis.

Adelberg - Die kleine Schurwaldgemeinde Adelberg hat Besuch aus der großen Ho-Chi-Minh-Stadt. In den Räumen der Klostervilla sind noch bis zum 11. November knapp sechzig zeitgenössische Exponate von 22 Künstlerinnen und Künstlern aus Vietnam zu sehen. Beim Gang durch die Ausstellung wird schnell deutlich, dass sich die Werke aus Fernost von den meisten Arbeiten europäischer Kunstschaffender fundamental unterscheiden. „Die Menschen dort haben, wenn man den künstlerischen Ausdruck zugrunde legt, offensichtlich keine Scheu vor dem Schönen und Angenehmen“, erklärt die Kuratorin der Schau, Britta Ischka, die zugleich auch die stellvertretende Vorsitzende des örtlichen Kultur- und Kunstvereins ist.

Auf den Bildern sind oft Motive aus dem Stadt- oder Dorfleben und Landschaften wie das Mekong-Delta zu sehen. „Die Inhalte bleiben im Realen, das ist für uns ungewöhnlich“, sagt die Kuratorin. Der Holzdruck eines Studenten zeigt beispielsweise eine Erntesituation, andere Bilder sind Ausschnitte mit einfachen Hütten, wie sie in Vietnam auf dem Land noch zu finden sind. „Abstraktes gibt es hingegen eher wenig“, sagt Ischka. Entweder seien die Bilder figurativ oder realistisch. Die Motive stünden aber meist nicht für sich allein, sondern für etwas Umfassenderes. Die Blüte des Pflaumenbaums im Hintergrund eines Mädchens mit einem Vogelkäfig sei beispielsweise der Hinweis auf eine bestimmte Region des Landes, die wiederum von einer bestimmten Ethnie bewohnt werde, erklärt sie ein anderes Werk.

Ulrich Klieber hat den Kontakt hergestellt

Die Bilder von Menschen durchzieht das Schemenhafte in den Gesichtern. Details und Dreidimensionalität rücken in den Hintergrund. Emotionen sind ebenso nur schwer auszumachen. Die gemalten Personen hinterlassen meist den Eindruck einer melancholischen Gleichgültigkeit. Von der Technik her sind es meist Drucke auf Seide, Ölgemälde, Siebdrucke und Lithografien. Es wird aber auch mit Lack gearbeitet.

Der hintergründige Inhalt der Exponate erschließt sich Besuchern mit einem westlichen Kunstverständnis nur schwer. Zunächst ist auf den Bildern aber wesentlich mehr zu sehen als auf vielen Bildern europäischer zeitgenössischer Künstler. Kritik, Sarkasmus, Ironie und Provokation wird aber vergeblich gesucht. Es ist also genau umgekehrt, wie bei vielen Exponaten europäischer Künstler der Gegenwart, auf denen zunächst wenig zu sehen ist, dafür aber umfassende Reden über den Inhalt der Werke gehalten werden. Zustande kam die Ausstellung über Ulrich Klieber. Der Adelberger Künstler pflegt Kontakte nach Fernost. Er war Gastprofessor an der Tan Duc Thang Universität in Ho Chi Minh City und hat sein Atelier im Obergeschoss der Klostervilla.

Die Bildauswahl haben die Kunstschaffenden getroffen

Wichtig ist es der Kuratorin, dass es die vietnamesischen Künstler gewesen seien, die die Bilder für die Ausstellung in Adelberg ausgewählt hätten. Zwar sei sie mit ihrem Mann zur Vorbereitung der Ausstellung in Ho Chi Minh Stadt gewesen, eine Auswahl der Bilder für die Schau im Schurwald habe sie aber nicht getroffen. Es sei ihr wichtig gewesen, nicht den westlichen Blick auf die vietnamesische Kunst zu zeigen, sondern die vietnamesische Kunst, wie sie ist. „Es ist authentisch“, betont Ischka.

In einem 30-minütigen Film im Obergeschoss der Villa geben die ausstellenden Künstler kurze Interviews zu ihrer Arbeit. Zudem sehen die Besucher einige Eindrücke, die die Ischkas bei ihrem Besuch in der Ho Chi Minh Stadt gesammelt haben.

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