Yosef Bakir ist Bildhauer und Maler. In Weil der Stadt arbeitet er passend zum Strandsommer mit einem vergänglichen Material: Sand. Seine Skulptur hat einen bekannten großen Bruder.
Strandfeeling mit den Füßen in 200 Tonnen Sand: das können die Weil der Städter Bürger sowie Besucher aus Nah und Fern beim inzwischen fünften Strandsommer auf dem Marktplatz genießen. Liegestühle und Sonnenschirme stehen parat, Gastronomen und die örtlichen Vereine bieten Speis und Trank an. Für die Unterhaltung der Gäste sorgt ein reichhaltiges Programm – von Konzerten, Lesungen und Theater bis hin zu sportlichen Darbietungen. An diesem Wochenende konnten Besucher dabei zuschauen, wie neben dem Rathaus dessen kleiner Bruder aus Sand entstand.
Yosef Bakir ist Bildhauer und Maler. Der seit Langem in Köln lebende Künstler, der aus Syrien stammt, ist vielseitig tätig. Seine Gemälde werden in Ausstellungen gezeigt, für seine Skulpturen verwendet der 53-Jährige verschiedene Techniken und Materialien wie Stein oder Zement. Bekannt geworden ist er aber auch mit seinen Sandskulpturen. Begonnen hat alles 1997 bei der Kieler Woche, erzählt er, damals schuf er sein erstes Gebilde aus Sand. Dieses Material sei damals eine Art Notlösung für ihn gewesen, weil es billig gewesen sei. Inzwischen hat Bakir sich in diesem Metier etabliert, an internationalen Sandskulpturen-Festivals teilgenommen und auch großformatige Sandkunstwerke geschaffen.
Skulptur ist vor Regen geschützt
In Weil der Stadt gilt es, das historische Rathaus mit seinen Arkaden in 1,40 Metern Höhe nachzubilden. „Klein aber fein“, sagt der Sandbildhauer schmunzelnd. Zwei Tonnen Rheinsand – „der ist dafür besser geeignet als Meeressand“ – kann Yosef Bakir dafür verwenden. Ein Pavillon schützt die Skulptur und ihren Erbauer vor Regen. Am Samstagmittag, als die Besucher noch die Polster der Sitzgruppen auf dem Marktplatz daraufhin testen, ob sie nach den heftigen Regenfällen und dem Gewitter am Freitag schon wieder trocken sind, ist der untere Teil der Sandversion des Rathauses noch mit Holz eingeschalt, damit es in der Bauphase stabil bleibt.
„Yosef Bakir hat bei uns angefragt und wir haben zugesagt, denn zu unserem Strandsommer passt der Bau einer Sandskulptur ideal“, sagt Markus Wagner, der die Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing und Tourismus leitet. Er und der Künstler wissen, dass der sandige kleine Bruder im Gegensatz zum echten steinernen Vorbild von 1669 vergängliche Kunst ist. „Am Anfang hat mich das schon traurig gemacht, etwas Schönes zu schaffen, das dann wieder zerstört wird“, sagt Bakir. Deswegen dokumentiert er jedes Werk sorgfältig. Gefährdet wird diese spezielle Kunst auch durch Vandalismus oder das Wetter.
Keine Probleme mit Vandalismus
Während die Strandsommer-Macher Letzteres hinnehmen müssen – „bei Sonnenschein ist es richtig voll, bei Regen kommt niemand“, sagt Markus Wagner – gibt es mit Vandalismus bisher keine Probleme. „Aber wir gehen jeden Morgen über den Platz und sammeln Müll ein und zwar so viel, dass wir inzwischen auch in den sozialen Medien an die Besucher appellieren, dass doch jeder ein Auge darauf haben möge“, fügt er hinzu.
Für die kleinen Strandsommer-Besucher hingegen zählen vor allem der viele Sand, mit dem sie ihre eigenen Skulpturen bauen können, sowie die neue Matschanlage beim Brunnen. „Die ist superbeliebt“, freut sich der Stadtmarketing-Manager.
Der Weiler Strandsommer dauert noch bis 11. August. Das ganze Programm gibt es auch zum Download auf: www.weil-der-stadt.de.