Der Hermann-Schlotterbeck-Platz in Welzheim war gut besucht. Foto: Chris Lederer

Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt“ haben sich Bürger am Montagabend in Welzheim zu einer Kundgebung gegen Hass und Hetze versammelt. Die Appelle waren deutlich.

Am einstigen Ort des Schreckens wächst die Hoffnung: Mehr als 300 Bürger sind am Montagabend der Einladung des Historischen Vereins Welzheimer Wald und der Stadtverwaltung gefolgt. Sie haben sich am Hermann-Schlotterbeck-Platz, wo einst das sogenannte KZ Welzheim stand, zu einer Kundgebung für Demokratie und Menschenrechte versammelt, „um ein Zeichen gegen Hass und Hetze zu setzen und für die Grundrechte zusammenzustehen“, wie der Bürgermeister Thomas Bernlöhr in seiner Ansprache betonte.

 

Welzheims unrühmliche Geschichte

Heinrich Lindauer vom Historischen Verein erinnerte in seiner Rede an die Schreckensherrschaft der Nazis in Welzheim und an die Schließung des Konzentrationslagers, die sich dieser Tage zum 79. Mal jährt. Er zitierte aus dem Buch „Stationen der Hölle“ des ehemaligen Häftlings Julius Schätzle: „Es ist unsere Pflicht, darüber zu wachen, dass wir die seit 1945 gewonnenen Freiheiten und Rechte nicht wieder durch falsche Propheten verspielen.“ Wer den Nationalsozialismus und den Rechtsradikalismus heute wieder verherrliche, „der muss unser Gegner sein, nicht nur zum Schutze unserer Demokratie, sondern auch zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus“.

Sterbende Demokratien

„Eine Wiederholung dieser Ereignisse darf es nicht geben“, sagte Ilse Kerstin von der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes. „Es ist die gemeinsame Aufgabe der Gesellschaft, gegen jede Form der Ausgrenzung aufzustehen.“ Deutschland sei es „in 79 Jahren nicht gelungen, den Faschismus an seiner Wurzel auszurotten“.

Der ehemalige Regierungspräsident Johannes Schmalzl machte in seinen Worten deutlich, wie wichtig es sei, Flagge zu zeigen. So wie etwa einer der Teilnehmer, der „Grundgesetz – find’ ich gut“ auf sein Schild geschrieben hat. „Das ist mein Lieblingsschild“, sagte Schmalzl. Aufstehen für Demokratie, Freiheit, Toleranz und Vielfalt führe alle zusammen an diesem Montag. Das Grundgesetz habe 75. Geburtstag, „es ist Garant für Frieden und Freiheit“. Doch „wiegen wir uns nicht in der Sicherheit, dass sich 1933 nicht wiederholt“, mahnte er. „Die Freiheit stirbt scheibchenweise. Schauen Sie nach Russland, wo Andersdenkende drangsaliert werden und am Schluss die Opposition erstickt wird“, so Schmalzl. „Demokratien sterben“. Nur noch 45 Prozent der Weltbevölkerung lebten in einer Demokratie. „Sind Feinde der Demokratie erst mal an der Macht, schaffen sie sie ab.“

Appell: „Gehen Sie zur Wahl“

Ebenso wie Stadtpfarrer Thomas Stürmer in seiner Rede und Welzheimer Schüler in ihren Impulsen ermutigte auch Landrat Richard Sigel die Zuhörer: „Es ist unsere Aufgabe, klar die Grenzen aufzuzeigen: Extremistische und menschenfeindliche Gedanken oder Parolen erhalten hier bei uns keinen Raum. Es ist unsere Aufgabe der Demokratie, Toleranz und Vielfalt eine Stimme zu geben“, sagte er und lud die Zuhörer in den Kreistag ein, wo Demokratie gelebt werde. „Gehen sie auch zur Europa- und Kommunalwahl“, appellierte er. „Nutzen Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, alle ihre Stimmen und setzen Sie ein Zeichen für die Demokratie und gegen Extremismus.“