An der Initiative beteiligen sich Beschäftigte der Stuttgarter Gastronomie und die Organisation „Solidarität und Klassenkampf“. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Von Politik und Wirtschaft fühlen sie sich vergessen: Bei einer Kundgebung der Initiative #SaveGastro am Rotebühlplatz in Stuttgart-Mitte fordern die Demonstranten 100 Prozent Kurzarbeitergeld für Beschäftigte in der Gastronomie.

Stuttgart - Rund um den Stuttgarter Hans-im-Glück-Brunnen befinden sich zahlreiche Bars und Restaurants. An einem Samstagnachmittag ist hier normalerweise viel los. Doch am zweiten Wochenende des Teil-Lockdowns dient der Brunnen als Startpunkt einer Kundgebung der Initiative #SaveGastro. An der Initiative beteiligen sich Beschäftigte der Stuttgarter Gastronomie und die Organisation „Solidarität und Klassenkampf“. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat nach Angaben von Hartmut Zacher, NGG-Geschäftsführer in der Region Stuttgart, „einen kleinen Kreis“ mobilisiert.

100 Prozent Kurzarbeitergeld

Die Beteiligten stemmen sich nicht gegen die Schließung der Gastronomie, während die Infektionszahlen weiter steigen. Aber sie fordern 100 Prozent Kurzarbeitergeld – auch für Minijobberinnen und Minijobber. Rechte Bewegungen würden sich ihre missliche Situation zu Nutze machen. Darum müssten sie endlich für sich selbst sprechen. Die Veranstalter rechneten mit 20 bis 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Gekommen sind rund 120. Gemeinsam ziehen sie vom Hans-im-Glück zum Rotebühlplatz, wo die eigentliche Kundgebung stattfindet.

Zukunft bleibt ungewiss

„Die Gastronomie ist ohnehin ein Niedriglohnsektor“, sagt Hanna Wolf, Teilzeit-Beschäftigte in der Bar Oblomow. „Wir brauchen das Trinkgeld, um über die Runden zu kommen.“ Das Kurzarbeitergeld reiche momentan nicht zum Leben – vor allem angesichts der hohen Mieten in Stuttgart. Reiner Bocka, Inhaber des Cafés Galao, bestätigt das. 80 Prozent der 30 Angestellten sind Minijobberinnen und Minijobber. „Wir unterstützen uns momentan gegenseitig, aber das geht auf Dauer nicht.“ Noch habe er kein Personal entlassen müssen. Aber er rechne nicht mit einer Öffnung der Gastronomie im Dezember. Die Zukunft bleibt ungewiss.

Von Politik und Wirtschaft fühlen sich die Demonstranten vergessen. In Großbetrieben werde weiterhin gearbeitet, die U-Bahnen seien nach wie vor voller Menschen. Aber trotz umfangreicher Hygienekonzepte werde der Kampf gegen die Pandemie auf dem Rücken der Gastronomie ausgetragen.

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