Für eine tolerante Gesellschaft und gegen Rechtsextremismus: In Stuttgart demonstrieren 250 Menschen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Nach den Vorfällen in Chemnitz haben am Antikriegstag etwa 250 Menschen für eine tolerante Gesellschaft auf dem Stauffenbergplatz in Stuttgart demonstriert und damit ein Zeichen gegen Rechts gesetzt.

Stuttgart - Auf dem Stauffenbergplatz haben sich am Samstagnachmittag 250 Menschen versammelt, um an einer Gedenkfeier anlässlich des Antikriegstags teilzunehmen. Organisiert hatte das Gedenken der Stadtverband Stuttgart des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Viele andere Initiativen gaben sich mit Bannern, Fahnen und Transparenten zu erkennen, so etwa die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg (TGBW), die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die Partei Die Linke und das Bündnis „Kein Hass im Ländle“.

Am Antikriegstag erinnern Gewerkschaften seit 1957 an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, der am 1. September 1939 mit dem Überfall der Wehrmacht auf Polen seinen Anfang nahm. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse in Chemnitz riefen die Veranstalter dazu auf, gegen Fremdenhass aktiv zu werden und für Frieden, Demokratie und Toleranz auf die Straße zu gehen.

„Es darf nicht sein, dass Menschen in unserer Mitte beleidigt und bespuckt werden, nur weil sie anders aussehen“, sagte der DGB-Landesvorsitzende Martin Kunzmann. Die Bilder aus Chemnitz machten ihn traurig und wütend. Jetzt schlage die Stunde der Zivilgesellschaft: „Keiner kann nach Chemnitz noch sagen, er habe nichts gesehen und nichts gehört“, so Kunzmann.

„Abscheuliche Menschenjagd“ in Chemnitz

In der deutschen Gesellschaft gebe es einen Bodensatz rechten Gedankenguts, so der DGB-Mann. Er warnte außerdem vor einer Aufrüstungsspirale: nie sei seit dem Zweiten Weltkrieg so viel Geld für Waffen ausgegeben worden wie derzeit. „Geld für Rüstung ist immer da“, so Kunzmann, für wichtige andere Dinge wie Bildung fehle es aber.

Ilse Kestin, Landessprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), forderte die Teilnehmer auf, Verantwortung für eine freie, soziale und demokratische Gesellschaft zu übernehmen. „Wir müssen den Geist verteidigen, aus dem das Grundgesetz entstanden ist“, forderte Kestin. Die Nerven lägen blank in Deutschland, konstatierte sie. Als Beleg führte sie das aggressive Verhalten eines Polizisten in Stuttgart am Mittwochabend an. Er hatte die VVN-Bda-Geschäftsführerin Janka Kluge am Rande nach einer Demonstration an Hals und Haaren gepackt.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, sprach von einer „abscheulichen Menschenjagd“ im Chemnitz. Er beklagte, dass in der Berichterstattung die Opferperspektive zu kurz komme und die Täterperspektive die Wahrnehmung beherrsche. Die Veranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung.

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