Auch zur zweiten Kundgebung gegen die AfD gehen hunderte Menschen auf die Straße. Oberbürgermeister Bernd Hornikel sieht das als ein starkes Zeichen – auch wenn die Resonanz zahlenmäßig nachgelassen hat.
Der Protest gegen eine Veranstaltung der AfD hat in Schorndorf am Montag erneut mehrere hundert Menschen auf die Straße gebracht. Zwar erreichten die Teilnehmerzahlen der Kundgebung vor der Barbara-Künkelin-Halle längst nicht die Größenordnung der vor knapp drei Monaten veranstalteten ersten Anti-Rechts-Demo in der Daimlerstadt. Ende Januar hatten sich unter dem Eindruck der Empörung über die bei einer Machtübernahme in Deutschland geplanten Massenabschiebungen gut 3000 Menschen zum Protest versammelt.
„Es sind fast mehr Polizisten in der Stadt als Demo-Teilnehmer“
Jetzt waren es noch annähernd 500 Frauen, Männer und Kinder, die Flagge gegen rechtes Gedankengut zeigen wollten – was durchaus auch bei den Demonstranten selbst für Ernüchterung sorgte. „Es sind ja fast mehr Polizisten in der Stadt als Demo-Teilnehmer“, schwang bei einer Mutter, die bei fast sommerlichen Temperaturen mit ihren zwei Kindern zur Kundgebung vor der Veranstaltungshalle gekommen war, durchaus Enttäuschung über die nachlassende Resonanz mit. Die bei den bundesweiten Demonstrationen im Januar und Februar noch bejubelte Botschaft, dass endlich auch die schweigende Mehrheit in Deutschland für den Erhalt der Demokratie auf die Straße gehe, trat am Montag jedenfalls nicht mehr so klar zu Tage wie bei der Demo-Premiere.
Dennoch wertete der Schorndorfer Oberbürgermeister Bernd Hornikel die Kundgebung als starkes Signal gegen Rassismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. „Schorndorf bleibt bunt, meine Damen und Herren“, rief er der Versammlung von der auf einem Traktoranhänger aufgebauten Bühne aus zu. Wie im Januar betonte der Rathauschef bei seiner Rede ausdrücklich, dass er nicht als Amtsträger, sondern als Privatperson ans Mikrofon trete. „Als Oberbürgermeister von Schorndorf bin ich bekanntlich dem Neutralitätsgebot verpflichtet. Aber als Mensch bin ich nicht neutral: Es ist nicht nur mein Recht, sondern auch meine Pflicht, mich gegen rechtsextremes Gedankengut und Unmenschlichkeit zu Wehr zu setzen“, sagte Bernd Hornikel bei der Kundgebung.
Rathauschef Hornikel warnt vor einer reinen „Denkzettel-Wahl“
Er forderte die Bürgerschaft in Schorndorf auf, mehr Zivilcourage zu zeigen und die Demokratie auch im Alltag zu verteidigen. Weil die Zeiten unsicher und nicht einfach seien, voller Zweifel und voller Ängste, sei es verführerisch, in einer komplexen Welt nach einfachen Lösungen zu rufen. Doch jeder, der „denen da oben“ einen Denkzettel verpassen wolle, müsse sich fragen, ob er für einen solchen Schritt die hart erkämpften Grundwerte über Bord werfen wolle.
Neben Hornikel sprachen der Vorsitzende des Schorndorfer Bündnisses gegen Rechts, Gratian Riter, sowie der ehemalige Geschichtslehrer und Stadtführer Eberhard Abele. Er erinnerte an das Schicksal der in der Römmelgasse lebenden Sinti-Familie Guttenberger, die noch im Jahr 1943 als eine Sippe von „Volksschädlingen“ verhaftet und nach Auschwitz verschleppt worden war. Das Vernichtungslager überlebte nur eines der acht Familienmitglieder aus Schorndorf – für Eberhard Abele der Brückenschlag zur Rhetorik heutiger AfD-Politiker wie dem Thüringer Björn Höcke, der seit Jahren von groß angelegten Remigrationsprojekten träume und in seinen Büchern von der Abtrennung brandiger Glieder und vom „Ausmisten des Saustalls“ spreche. Auch der im Schorndorfer Gemeinderat sitzende Lars Haise wurde von Abele in die Reihe geistiger Brandstifter gestellt. „Wer sich im Netz seine Magdeburger Bewerbungsrede anschaut, weiß alles über diesen Menschen“, sagte er.
Die Kundgebung organisiert hatte einmal mehr das Schorndorfer Bündnis gegen Rechts, gekommen waren der Antifa-Block ebenso wie die Omas gegen Rechts. Als in der nahen Barbara-Künkelin-Halle die ersten Besucher des sogenannten Bürgerdialogs auftauchten, wurde es laut. „AfD, Rassistenpack. Wir haben Euch zum Kotzen satt“, skandierten am Zaun zum Veranstaltungszentrum stehende Protestierer unter dem Beifall der Demoteilnehmer. Die von einem große Sicherheitsaufgebot begleitete Kundgebung verlief friedlich, laut Polizei kam es nicht zu besonderen Vorkommnissen.