In der Tiefgarage bei der Killesberghöhe können nicht mehr alle Kunden 30 Minuten kostenlos parken. Foto: Eva Funke

Bisher konnten die Kunden des Einkaufszentrums Killlesberghöhe eine halbe Stunde kostenlos parken. Das ist seit dem neuen Jahr nicht mehr ohne weiteres möglich.

S-Nord - Das Einkaufszentrum Killesberghöhe verliert für seine Kunden mit dem neuen Jahr an Attraktivität. Bislang konnten sie in der Tiefgarage 30 Minuten kostenlos parken, sofern sie dort eingekauft haben, selbst wenn es nur eine Brezel war. Seit 1. Januar müssen auch Kunden, die ihren Wagen nur wenige Minuten in der Garage abstellen, den Tarif von 2,20 Euro pro Stunde bezahlen. „Sechs Jahre gab es den Anschubbonus fürs Parken. Mittlerweile hat sich die Killesberghöhe etabliert“, sagt Center-Managerin Birgit Greuter und stellt fest, dass die Änderung eine „gemeinschaftliche Entscheidung“ gewesen sei und das Parken in der der City rund 30 Prozent mehr kostet.

Ankermieter wie Edeka ersetzen ihren Kunden bei einem Einkauf ab zehn Euro die erste halbe Stunde Parken. Der dm-Markt gewährt bei einem Einkauf ab 20 Euro einen Gutschein. Bei Aldi hingegen gibt es keine Vergünstigungen. Und auch einige kleinere Geschäfte können nicht mitziehen und befürchten Umsatzeinbußen. „Uns beschimpfen die Kunden und drohen uns, nicht mehr zu kommen, seit sie für die halbe Stunde Parken bezahlen müssen“, sagt eine Mitarbeiterin der Bäckerei Treiber. Auch Saedeh Razavinia ist nicht begeistert von der Neuerung. Seit vergangenem Mai führt sie das Feinkostgeschäft „Bibi“ in Eigenregie und bekommt ebenfalls die Verärgerung der Kunden zu spüren . „Deshalb werde ich mir in meinem Urlaub von Mitte bis Ende Januar überlegen, wie ich meinen Kunden entgegenkommen kann“, sagt sie.

Parkhausbetreiber wollte am Gratisparken festhalten

In der Tiefgarage des Einkaufszentrums reichen die Kommentare von bloßem Kopfschütteln bis hin zu „unverschämt“ und „Sauerei“. „Ich war auf der BW-Bank, habe Überweisungen abgegeben und nur 15 Minuten geparkt. Dafür sind jetzt 2,20 Euro fällig“, sagt Hermann Holzapfel und ist sauer. Der 80-jährige will sich jetzt zwei Mal überlegen, ob er zur Killesberghöhe fährt. Hella und Peter Eckold (74 und 78) sind fest entschlossen, dort einzukaufen, wo das Parken nichts kostet. Zum Beispiel beim Marktkauf und Aldi in Feuerbach oder beim Rewe im Stuttgarter Osten. Und Apotheker Andreas Bühler weiß aus Erfahrung: „Ohne kostenlose oder preiswerte Parkplätze geht gar nichts. Da bleiben die Kunden weg.“ Auch der 38-Jährige will die Killesberghöhe künftig meiden.

Der Parkhausbetreiber, die Stuttgarter Heimschutz GmbH und Co.Kg., bedauert die Entwicklung. „Wir wollten die kostenlose halbe Stunde beibehalten und haben ein Angebot gemacht. Denn das Gratisparken hat sich positiv auf die Besucherzahlen ausgewirkt. Aber die Werbegemeinschaft und der Eigentümer, die Württembergische Versicherung, haben nicht mitgemacht und der Bonusvertrag wurde gekündigt“, sagt Geschäftsführer Eric Merglen.

Der Bezirksbeirat Nord ist durch die Entwicklung alarmiert. Timo Haug (CDU), Axel Alt (SPD) und Anna Kedziora (FW) wollen das Thema auf die Tagesordnung nehmen. Die Beiräte sind überzeugt, dass die Kunden künftig in den Anwohnerstraßen parken werden. Haug: „Wir müssen die Anwohner vor dem Parksuchverkehr und die Händler vor Umsatzeinbußen schützen.“ Bezirksvorsteherin Sabine Mezger bezweifelt, dass der Beirat auf den Eigentümer Einfluss nehmen kann: „Hier müssen die Kunden mit den Füßen abstimmen“, sagt sie und gibt zu bedenken, dass sich die Tiefgarage bei der Killesberghöhe nicht mit der City vergleichen kann.

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