Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) geht die anstehenden Herausforderungen mit einem neuen Amtschef an. Foto: dpa

Für die Stadt Stuttgart ist der Abgang ihres Finanzbürgermeisters Michael Föll ein großer Verlust. Kultusministerin Susanne Eisenmann verteidigt gleichwohl, dass sie ihn abgeworben hat – und deutet zudem an, dass sie nicht OB-Kandidatin werden will.

Stuttgart - Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann ist mit Michael Föll als künftigem Amtschef ihres Ressorts ein spektakulärer Coup gelungen. Im Interview mit den „Stuttgarter Nachrichten“ spricht sie darüber.

Frau Kultusministerin Eisenmann, haben Sie ein schlechtes Gewissen?

(Lacht.) Warum sollte ich?

Weil Sie der Landeshauptstadt ihren Finanzbürgermeister Michael Föll – den starken Mann in der Verwaltung – wegnehmen.

Nein, da habe ich kein schlechtes Gewissen. Vielmehr habe ich mich sehr gefreut, dass Michael Föll dem Vorschlag, als Amtschef in die Landesverwaltung zu wechseln, gefolgt ist. Ist ja auch kein schlechtes Angebot. Ich habe im Übrigen vom Herrn Oberbürgermeister (Fritz Kuhn, Anm. d. Redaktion) eine ausgesprochen nette SMS bekommen.

Wollen Sie verraten, was drin stand?

Er war verständnisvoll, aber natürlich nicht so sehr begeistert. Was ich gut verstehen kann. In Michael Föll verlässt eine starke Führungspersönlichkeit das Stuttgarter Rathaus. Es ist bekannt, dass er viele Jahren mitgestaltet hat, ein großes Gewicht in der Kommunalpolitik sowie Erfahrung und Kompetenz in vielerlei Hinsicht hat – vor allem im Bereich Haushalt und Finanzen, aber auch im Führen von einer Verwaltung und Personal.

Die Personalie wird auch deshalb dahingehend interpretiert, dass Sie jetzt die CDU-Spitzenkandidatur bei der nächsten Landtagswahl 2021 anstreben könnten. Ist dem so?

Man sollte die Entscheidung jetzt wirklich nicht in die eine oder andere Richtung überbewerten, was irgendwelche Kandidaturen angeht. Es geht mir einfach darum, das Haus bestmöglich aufzustellen – inhaltlich, personell und strukturell. Vieles bringen wir erst noch auf den Weg, was eng begleitet werden muss. Das allein ist eine große Herausforderung. Alles andere sind völlige Fehlinterpretationen.

Was versprechen Sie sich von Michael Föll?

Ich wollte einen ausgewiesenen Verwaltungsfachmann und erfahrenen Partner in die Amtsspitze holen – auch, was politisch-strategische Überlegungen angeht. Das ist mir mit ihm gelungen. Er wird für mich eine wichtige und sehr gute Unterstützung sein und mit Sicherheit auch in das Ministerium hinein gute Akzente setzen.

Sie hätten den Ersten Bürgermeister der Stadt Stuttgart vermutlich nicht losgeeist, wenn Sie im Herbst 2020 den OB-Sessel in Stuttgart anstreben würden. Ist dieses Thema mit Fölls Wechsel vom Tisch?

Die Aufgaben in meinen Themenfeldern Kultus, Jugend und Sport, wozu auch die frühkindliche Bildung und die Kitas zählen, sind vielfältig. Ich sehe da Handlungsbedarf in allen Bereichen. Deshalb liegt meine Konzentration auch künftig ganz klar auf der Landespolitik.

Die bisherige Amtschefin Gerda Windey wird Abteilungsleiterin. Wie hat Sie die Entscheidung aufgenommen?

Wir haben die Umstrukturierung, die jetzt im Zuge unseres neuen Qualitätskonzepts bei uns im Kultusministerium bevorsteht, gemeinsam entwickelt. Gerda Windey hat mich in diesem Zusammenhang gebeten, wieder in eine Abteilungsleiter-Position gehen zu dürfen. Ihrem Wunsch habe ich entsprochen. Sie wird künftig die Verwaltungsabteilung im Kultusministerium leiten, das haben wir im Konsens miteinander besprochen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihr, nur künftig in anderer Funktion.

Wenn Sie schon den Ersten Bürgermeister weggeschnappt haben, können Sie als Stuttgarterin der Stadt dann wenigstens einen geeigneten Nachfolger empfehlen?

Nein, da braucht die Stadt ganz sicher auch keine Empfehlung von meiner Seite. Das Amt wird auf vielfältiges Interesse stoßen. Ich bin zuversichtlich, dass es eine gute Lösung geben wird.

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