Susanne Eisenmann (Mitte) kam auf Einladung des CDU-Stadtverbands nach L.-E. (v.l.): Katja Fellmeth, Vizevorsitzende CDU L.-E., Ilona Koch, Vorstandsmitglied und Stadträtin, Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell, Thaddäus Kunzmann, Vorsitzender CDU-Kreisverband Esslingen, Claudia Zöllmer, Vorsitzende Stadtverband CDU L.-E. und Michael Hennrich, MdB. Foto:  

Auf Einladung der CDU Leinfelden-Echterdingen sprach Kultusministerin Susanne Eisenmann über die Eckpunkte ihrer Bildungspolitik. Die Schulen vor Ort setzen derweil auf eigene Ideen gegen die „Mangelverwaltung“.

Echterdingen - Dass „oben bleiben“ nicht immer ganz einfach ist – wo wäre das besser bekannt als in Stuttgart. Auch die Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) weiß um diese Schwierigkeit, wie sie am Mittwoch schmunzelnd bemerkt hat. Auf Einladung des örtlichen Stadtverbands der CDU war die Politikerin in die Echterdinger Zehntscheuer gekommen, um ihre bildungspolitischen Schwerpunkte vorzustellen, die vor allem die Stichworte „Qualität“ und „Leistung“ in den Mittelpunkt rücken sollen. „Diese Bereiche sind unser zentrales Problem“, lautete der Befund der Ministerin, „Neuntklässler hinken in den Kernkompetenzen um bis zu zwei Jahre dem Bundesdurchschnitt hinterher“.

In den Leistungsvergleichen habe Baden-Württemberg seinen oberen Spitzenplatz aus verschiedenen Gründen eingebüßt. „Manches scheint irgendwie verrutscht zu sein“, konstatierte Eisenmann etwa mit Blick auf das Rechtschreibcurriculum in den Grundschulen. Hier soll neben den Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen auch die korrekte Schreibweise wieder Gewicht bekommen. Wenige Stunden vor dem Treffen hatte der Landtag die Wiedereinführung der Grundschulempfehlung vom Schuljahr 2018 an verabschiedet; Eltern müssen sie verpflichtend den weiterführenden Schulen vorlegen, behalten ihre Entscheidungsfreiheit aber weiterhin.

Junge Leute auf eine „mediale Wucht“ vorbereiten

Was nach Eisenmanns Worten „wirklich gut“ funktioniere, sei das vielgliedrige Schulsystem samt seiner Durchlässigkeit. Als starke Säule in diesem Verbund sollen die Realschulen „zur Binnendifferenzierung“ ihrer heterogener werdenden Schülerschaft durch zusätzliche Deputate gestärkt werden. Am beliebtesten, auch in Leinfelden-Echterdingen, sind ohne Zweifel die Gymnasien, wenngleich sie nicht für jedes Kind der einzig richtige Weg seien, wie die Ministerin sagte.

Ihren derzeitigen Vorsitz in der Kultusministerkonferenz hat sie deshalb unter das Thema „berufliche Bildung“ gestellt. Generell müssten junge Leute heute auf eine mediale Wucht vorbereitet werden. Eine Herausforderung neben der Medienerziehung sei die Digitalisierung, die künftig mit einem Informatik-Angebot ab Klassenstufe sieben thematisiert werden soll.

Dessen ungeachtet gilt für die Ministerin: „Die Mischung macht’s.“ Neben dem Tablet behielten ebenso Buch und Stift ihre Berechtigung. Konzentrationsfähigkeit und Beweglichkeit hatte gleich zu Beginn die Echterdinger Kindertrachtengruppe tänzerisch unter Beweis gestellt. Wolfgang Haug, Leiter der Gruppe und ehemaliger Rektor, plädierte für eine transparente Lernbiografie, um Stärken und Schwächen frühzeitig begegnen zu können. Eisenmann bedauerte die in diesem Zusammenhang verbreitete Skepsis, die dem Kind „keinen Stempel aufdrücken“ wolle und dafür den Datenschutz ins Feld führe.

Der Unterrichtsausfall sei beschämend, finden Eltern

Der Sprecher des Gesamtelternbeirats sowie Elternvertreterinnen der einzelnen Schularten beklagten unisono die Personalsituation, die auch in L.-E. zu katastrophalen Unterrichtsausfällen führe. „Im Umfeld großer Firmen ist das fast schon beschämend“, bekräftigte eine Mutter, „und die Schüler sind wissenshungrig“. Eisenmann zeigte Verständnis: „Wir sind auf Kante genäht“, beschrieb sie die „Mangelverwaltung“ und hoffte auf befristete Übergangslösungen.

Wolfgang Krause bezweifelt derweil die Verfügbarkeit von Informatikern. Der Leiter des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums setzt auf eigene Lösungen: „Wir bilden unsere Mathelehrer weiter.“

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