Im Herbst wird das kleinste Privattheater Stuttgarts die ehemalige Alte Schule am Schmalzmarkt in Gablenberg endgültig zum Kulturhaus machen.
Stuttgart-Ost - Gute Nachricht für die vom Corona-Virus so schwer getroffene Stuttgarter Kulturszene: Das Theater La Lune hat endlich eine neue Bleibe gefunden und zieht im Herbst ins Muse-O in Gablenberg. Der Pachtvertrag zwischen dem Museumsvereins Stuttgart-Ost und dem La-Lune-Theaterverein ist jetzt unterschrieben worden.
Kleinod in der Theaterlandschaft
Das kleine Theater La Lune von Julianna Herzberg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren Kleinod in der Stuttgarter Theaterlandschaft entwickelt. In ehemaligen Bäckereiräumen an der Haußmannstraße zwischen Ostendplatz und Gaskessel entstand „das schönste Theater-Wohnzimmer der Stadt“, wie das Theater mit seinen knapp 40 Zuschauerplätzen schon genannt wurde. Die französische Note als Alleinstellungsmerkmal, anspruchsvolle Programme auf kleiner Bühne, zum jeweiligen Stück passende kulinarische Leckereien – das hat das Theater La Lune unverwechselbar gemacht, und es war auch eigentlich nicht mehr aus der Theaterszene in Stuttgart ganz allgemein und im Osten speziell wegzudenken.
Aber es waren auch nicht immer ganz einfache Jahre. Das Geld war immer wieder knapp, es dauerte lange, bis das Theater von der Stadt institutionell gefördert wurde. Das hilft inzwischen sehr. Der künstlerische Erfolg stellte sich auch ein, so wurde beispielsweise die Eigenproduktion „Emmas Glück“ für den Monica-Bleibtreu-Preis der Privattheatertage in Hamburg nominiert. Das Stück war gerade beim Kultursommer auf dem Lukasplatz zu sehen (Internet: www.kultursommer2020.de).
Französischer Flair und Kulinarik
Im vergangenen Jahr dann der Schock: Die Kündigung der Theaterräume, in die einiges investiert worden war, lag im Briefkasten, das Theater musste spätestens zum 1. Juni 2020 raus. Die Suche nach einer neuen Bleibe begann.
Schon im vergangenen Jahr unterhielten sich Peter Metzler und Ulrich Gohl vom Museumsverein Stuttgart-Ost über das La Lune und darüber, ob das Theater ins Erdgeschoss des Muse-O-Gebäudes am Schmalzmarkt einziehen könnte. In der Gaststätte dort, dem Café Museo, hatten in den vergangenen Jahren einige Pächter ihr Glück versucht, manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg.
Die Gastronomieräume seien zwar, so Julianna Herzberg bei der Unterzeichnung des zunächst auf drei Jahre befristeten Pachtvertrags, „kein idealer Theaterraum“. Aber für die Kombination von Theater und etwas Gastronomie bieten sie sich dann doch an. An der Programmausrichtung mit französischem Touch und an der zur jeweiligen Vorstellung passenden Kulinarik soll sich nichts ändern, die Räume können auch künftig für private Feiern oder andere Veranstaltungen gemietet werden und die Muse-O-Veranstaltungen – zehn Lesungen, fünf Konzerte im Jahr – wird es auch weiter geben. Wann genau es die erste Vorstellung des La Lune im Muse-O geben wird, ist noch offen. Das hängt davon ab, wie rasch die Umbauten ab Herbst voran gehen. In den bisherigen La-Lune-Räumen an der Haußmannstraße wird unterdessen schon gebaut: Dort entsteht gerade eine Wohnung.