Die umjubelte „Nixe“-Aufführung mit der Staatsoper im Schlosspark-Forum war 2015 ein großer Erfolg – hat aber ein großes Loch in die Kasse gerissen. Foto: factum/Archiv

Das Forum am Schlosspark ist die drittgrößte Theaterspielstätte im Land, und lockt mit internationalen Stars viel Publikum an. Doch die Finanzen sind aus dem Tritt geraten.

Ludwigsburg - Eigentlich müssten im Forum am Schlosspark die Sektkorken knallen: Die gemeinsame Produktion „Nixe“ mit der Stuttgarter Staatsoper und dem Landesjugendorchester war ein großer Erfolg und hat im vergangenen Jahr internationalen Glanz in die Stadt gebracht. 5000 Besucher saßen in fünf ausverkauften Vorstellungen. Auch das übrige Programm der zentralen Theater- und Kulturspielstätte der Stadt kann sich sehen lassen.

Allein in der laufenden Spielzeit 2015/16 sind 40 000 Zuschauer in den repräsentativen Veranstaltungssaal bei der Bärenwiese geströmt. „Wir spielen in Sachen Qualität in einer Liga mit Baden-Baden“, sagt die Fachbereichsleiterin Wiebke Richert. Das Forum sei das drittgrößte Theater- und Konzerthaus in Baden-Württemberg, Richert spricht von einem „Leuchtturm der Kulturstadt Ludwigsburg“.

Die Kosten sind davongaloppiert

Doch der Leuchtturm wirft nun einige dunkle Schatten. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren davongaloppiert. Allein in der Spielzeit 2015 sind 320 000 Euro Defizit aufgelaufen. Dazu kommen weitere Posten aus den Vorjahren und Vorauszahlungen, so dass der Gemeinderat am Mittwoch mehr als 440 000 Euro Zusatzausgaben bewilligen muss. Das fällt umso mehr auf, als dass bis 2012 die Budgets penibel eingehalten wurden, in manchen Jahren wurden sie sogar nicht ganz ausgeschöpft. Nun kehrt sich der Trend um. „Das ist nicht schön“, räumt Wiebke Richert ein.

Die Stadtverwaltung äußert klare Kritik. Zwar seien Produktionen wie die „Nixe“- Aufführung „wichtig und profilgebend“ für die Stadt, erläutert Richert. Allerdings müssten künftige Großvorhaben „deutlich anders kalkuliert“ werden – so ist es auch in der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat formuliert.

Großprojekt mit der Staatsopfer kostet viel Geld

Schon jetzt hat die Kulturverwaltung im Rathaus Konsequenzen gezogen und einen Sparkurs angeordnet. So wird die Zahl der Veranstaltungen leicht gesenkt, von 50 auf etwa 45 in der kommenden Saison. Auch die Eintrittspreise, die je nach Sitzplatz zwischen 15 und 55 Euro liegen, werden um zehn Prozent erhöht. Zudem will die Stadt ein effektiveres Controlling einführen, um die Kosten künftig im Zaum zu halten.

Intensiv hat man die Ursachen analysiert. Die fünf „Nixe“-Aufführungen allein haben ein 88 500 Euro großes Loch in die Kasse gerissen. Vor allem die erhofften Sponsoring-Einnahmen fielen deutlich niedriger aus. Zudem reichen die Technik und das Personal im Forum für eine solche Großproduktion nicht aus, externe Dienstleiter mussten teuer dazugebucht werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit hat deutlich mehr Geld verschlungen als geplant. Nicht zuletzt hat man zwar das Ziel erreicht, mehr Jugendliche für Kultur zu begeistern, aber das schmälerte ebenfalls das Budget: Sie zahlen nämlich nur acht Euro Eintritt.

Zu wenig Technik und Personal

Doch das „Nixe“-Großprojekt ist nicht alleine verantwortlich für die roten Zahlen. Das stetig angestiegene künstlerische Niveau lässt etwa die Kosten für die Technik auch beim regulären Programm explodieren. Dazu kommen höhere Übernachtungs- und Reiseausgaben für die Künstler, und bei internationalen Stars schlägt die sogenannte Ausländersteuer zu Buche, die dafür zu entrichten ist.

Generell will die Stadt trotz des Sparkurses das hohe Niveau halten. Wiebke Richert verweist auf eine Auslastung von über 85 Prozent. Im Vergleich zu anderen Theater- und Konzerthäusern sei das Schlosspark-Forum auch deutlich günstiger. Es wird aber auch überlegt, Technik und Personal für den Veranstaltungssaal aufzustocken. Das würde zwar erst einmal Geld kosten, aber langfristig viel mehr sparen. Man darf auf die Debatte gespannt sein.

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